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Sicario 2
Gefühle Nebensache

Sicario 2
Sicario 2 © Foto: studiocanal
Stefan Klug / 10.12.2018, 14:38 Uhr - Aktualisiert 10.12.2018, 14:38
(MOZ) Nachdem eine US-Patrouille illegale Grenzgänger festgesetzt hat, sprengt sich einer von denen in die Luft. Nur wenige Tage später zünden drei Selbstmordattentäter ihre Bomben in Kansas City. Für die US-Regierung ist das der Beweis, dass die mexikanischen Schleuser nun auch Terroristen über die Grenzen bringen. Daher werden sie zu terroristischen Organisationen erklärt und The War on Terror auf sie ausgeweitet. CIA-Mann Matt Graver fällt die Aufgabe zu, zwischen den Kartellen einen Krieg anzuzetteln, damit diese sich gegenseitig dezimieren. Sein Kumpel Alejandro hat bei dieser Gelegenheit die Chance, auch noch eine persönliche Rechnung mit einem Clan-Paten zu begleichen.

Stefano Sollima übernahm für die Fortsetzung des hochgelobten Polit-Thrillers die Regie. Der Italiener hält sich dabei nicht lange mit der Vorrede auf und trifft schon mit einer Eröffnungsszene ins Herz all jener Amerikaner, die seit 9/11 sich im eigenen Land bedroht fühlen. Dieser Beginn, gekoppelt an das, was dann jenseits von Gesetz und Menschenachtung geschieht, bildet eine wunderbare Projektionsfläche, um Parallelen zwischen Film und US-amerikanischer Wirklichkeit zu ziehen. Dabei machen allerdings all jene genau den Fehler, den sie dem Regisseur vorwerfen. Sie hauen einfach drauf. Vielleicht wollte Sollima einfach auch nur der Hoffnungslosigkeit filmischen Ausdruck verleihen, wie sie beiderseits der amerikanisch-mexikanischen Grenze vorherrscht. Angesichts von nicht enden wollender Gewalt scheint der Zweck die Mittel zu heiligen. Womöglich ging es dem Italiener mit einem gewissen Blick von außen auch nur darum, eine Zustandsbeschreibung abzugeben. Rechtfertigung für einen geplanten Mauerbau zu unterstellen wirkt angesichts aktuelle Ereignisse skurril. So schnell verflüchtigen sich politisch ambitionierte Beurteilungen.

Was erwartet den Zuschauer also? Sollima inszeniert furios, schont weder seine Protagonisten noch den Zuschauer. Der wird im wahrsten Sinne des Wortes mit Gewalt gedanklich in eine Richtung gelenkt und auf dem Höhepunkt der Blutorgie unvermittelt aus seinen Vorurteilen gerissen. Mitunter fällt es schwer, der Logik der Geschichte zu folgen, mitunter ist aber auch nicht alles logisch. Doch auch hier heiligt der Zweck die Mittel. Aug um Aug ist die Devise, im Gegensatz zum ersten Teil gibt es keine versöhnlichen Worte. Josh Brolin und Benicio Del Toro sind die einzigen Handelnden, zu denen man überhaupt eine Beziehung aufbauen kann. Zwei Typen, die auch aus der Erfahrung des eigenen Lebens skrupellos zu Werke gehen, die aber, Überraschung, auch Grenzen haben.

Kalt und ergebnisorientiert wie die Handlung zeigt sich das Bild. Man möchte mitfrösteln in der Grenzwüste bei Sonnenaufgang. Diese Stimmung überträgt sich auf alles. Starke Hell-Dunkel-Kontraste bestimmen die Ansichten, die via UHD grandios daherkommen. Inhalt und Form passen gut wie selten zueinander. Und auch der DTS-HD-Master-Ton trägt dazu bei, dassder Zuschauer näher dran ist am Geschehen, als ihm in einigen Situationen lieb sein kann. Vielleicht wollte Sollima ja einfach nur einen stylischen und durchgetakteten Actioner machen, jenseits von politischer Vereinnahmung. Wer darauf gewartet hat, wird hier ganz sicher nicht enttäuscht.

Genre: Action; FSK: 18 Jahre; Laufzeit: 122 Minuten; Verleih: studiocanal; Regie: Stefano Sollima; Benicio Del Toro, Josh Brolin, Isabela Moner; USA/I 2018

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