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Bohemian Rhapsody
Rockende Emotionen

Bohemian Rhapsody
Bohemian Rhapsody © Foto: 20th Century Fox HE
Stefan Klug / 11.04.2019, 16:49 Uhr
(MOZ) Im London der späten 1960-er Jahre schlug sich Farrokh Bulsara als Kofferträger am Flughafen durch. Dass Größeres in ihm schlummerte ahnte der Sohn parsischer Einwanderer wohl. Wie groß das werden sollte eher nicht. Und dennoch war sein Selbstbewusstsein bereits reichlich ausgebildet, als er sich bei der Band "Smile" als Leadsänger anbot. Trotz der markanten Schneidezahnstellung, aus der er, darauf angesprochen kurzerhand einen musikalischen Vorteil machte. Aus Farrokh wird Freddie und aus Bulsara Mercury. Nicht viel später ist der Name weltbekannt, ebenso wie der von "Queen", wie sich die vier Ex-Studenten nun nennen. Offen für neue Stile, bereit zu musikalischen Experimenten und wandelbar im Auftreten bestimmen sie den Rockzirkes der 70-er und 80-er Jahre mit.

Auch wenn die Bandgeschichte vor allem geprägt ist vom gleichberechtigten Nebeneinander aller Mitglieder, rückt Brian Singer in seinem Biopic den Leadsänger Freddie Mercury in den Focus. Das erscheint logisch, lassen sich doch die wichtigsten Stationen der Gruppe an dessen Wandlungen festmachen. Und sicher war Mercury auch derjenige, der für die größte Aufmerksamkeit außerhalb von Probenraum und Aufnahmestudio gesorgt hat. Nicht zuletzt der Umstand, dass zwei Queen-Mitglieder hier als Produzenten beteiligt sind, zeigt, dass man sehr wohl mit der Entscheidung des Regisseurs leben konnte. Andererseits endet der Film konsequenter Weise mit dem legendären Wembley-Aufritt im Rahmen des Life-Aid-Konzertes. Mercury lebte noch weitere sieben Jahre und war vor allem solo aktiv. Singer rast trotz der 135 Minuten Spielzeit durch die Jahre, hält nur an wichtigen Wegpunkten kurz inne. Der Beginn, natürlich, das titelgebende "Bohemian Rhapsody" klar, der krasse Wandel hin zur discotauglichen Musik, die große Hymne "We are the Champions" und die Entstehung von "We will rock you". Der normale Queen-Kenner wird nicht das Gefühl haben, das hier wirklich etwas fehlt. Im Gegenteil. Wie gravierend der Split Mercury-Band, wie tief die Gräben wirklich waren, überrascht wahrscheinlich eher. Dabei findet der Rest der Gruppe kaum statt. Brian May, Roger Tayler und John Deacon bleiben Randfiguren. Leider. Und dennoch ist "Bohemian Rhapsody" ein sehr emotionaler Film. Für jene vor allem, die mit Queen, deren Songs und Dramen aufgewachsen sind. Singer platziert die Musik im Zentrum, gleich neben Mercury und vermag sie sowohl in Sachen Bild wie auch Sound ein ums andere Mal perfekt in Szene zu setzen. Der Magier auf der Bühne und die faszinierten, elektrisierten Massen davor verschmelzen zu einer Einheit. Und selbst wer nicht dabei war, glaubt irgendwann, den Zauber spüren zu können. Da ist es dann ganz großes Entertainment, ganz großes Kino. Spätestens jetzt anerkennt der Zuschauer, warum Rami Malek für seinen Mercury einen Oscar bekommen hat. Irgendwann ist nicht mehr zu unterscheiden, was ist Rolle, was ist Persönlichkeit. Freddie lebt - oft nur ein Spruch, hier wird er zur Wirklichkeit.

Genre: Biopic; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 135 Minuten; Verleih: 20th Century Fox HE; Regie: Brian Singer; Rami Malek, Lucy Boynton, Gwilym Lee; GB 2018

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