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Colette
Emanzipiert und selbstbewusst

Colette
Colette © Foto: DCM
Stefan Klug / 22.05.2019, 16:23 Uhr - Aktualisiert 22.05.2019, 17:41
(MOZ) Sidonie-Gabrielle Colette scheint das große Los gezogen zu haben. Sie lernt den zwar älteren, aber durchaus gut situierten und vor allem bekannten Pariser Schriftsteller Willy kennen und lieben. Es folgt eine Heirat, die ihr auch die Türen zu höheren Kreisen der Hauptstadt öffnet. Willy ist zwar Wein, Weib und Gesang nicht abgeneigt, zählbarer literarische Ergebnisse indes finden sich in jüngerer Vergangenheit nicht mehr. Man hält sich mit Vorschüssen von Verlegern über Wasser, die aber endlich was lesen wollen. Da springt Colette in die Bresche. Teils Erfahrungen, teils Phantasy erschaffen die junge Claudine. Deren Lebensdarstellung sprengen die vorherrschenden literarischen Konventionen und machen aus dem Buch ein Bestseller. Weitere folgen und mit denen eine eigene Markenwelt. Da sich auch das Verhältnis von Colette zu Willy ändert, sie liebt inzwischen eine Frau, kommt der Tag, an dem sie ihren Anteil am Erfolg einfordert oder zumindest verlangt, dass sie als Autorin öffentlich gemacht wird. Damit ist Ärger vorprogrammiert.

Nach dem Schock über die literarische Offenheit kam der Erfolg. Sowohl auf schriftstellerischer Ebene wie auch auf der privaten. Wash Westmoreland porträtiert hier mit leichter Hand ein Sittenbild von Paris im ausgehenden 19. Jahrhundert. Und Keira Knightley wird mit ihrer burschikosen Art der Vorlage Colette sicher sehr gerecht. Sie wandelt dabei auf einem schmalen Grat zwischen Erfüllung gesellschaftlicher Konventionen und der Auflehnung gegen dieselben. Das ist sehr unterhaltsam anzuschauen. Dazu ist es den Machern gelungen, das Publikum in ein lebendiges und sehr sehenswertes Paris des endenden Jahrhunderts mitzunehmen. Dem trägt auch das Bild Rechnung, das stets in warmen, erdigen zum Sepia hin tendierenden Tönen daherkommt.

Genre: Biopic; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 112 Minuten; Verleih: DCM; Regie: Wash Westmoreland;Keira Knightley, Dominic West, Eleanor Tomlinson; USA/GB 2018

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