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Chaos im Netz
Mein Freund der Algorithmus

Chaos im Netz
Chaos im Netz © Foto: Disney
Stefan Klug / 08.06.2019, 15:51 Uhr - Aktualisiert 04.06.2019, 17:14
(MOZ) Irgendwann wird’s langweilig. Seit Jahren nun schon rast Vanellope durchs Computerspiel "Sugar Rush" und hat mittlerweile keine Lust mehr. Kumpel Wreck-It Ralph will helfen. Doch der Pixel-Gigant ist eher nicht der Typ fürs Feinmotorische. Und so geht Vanellopes Lenkrad zu Bruch. Ein neues ist zu teuer, was gleichbedeutend mit dem Ende des Videospiels wär. Eine Chance gibt es noch: In den Weiten des Internets könnte man entweder viel Geld verdienen oder ein neues Lenkrad besorgen. Doch für die beiden so gegensätzlichen Freunde ist das www vollkommen unbekanntes Terrain.

Sechs Jahre, nachdem man bei Disney animationsseitig ins Innere von Videospielen schaute, macht das gleiche Produktionsteam nun einen Abstecher in die Weiten des Internets. Für die Helden von einst ist dabei Neuland, was für jeden Teenager inzwischen Alltag bedeutet. Ralph & Co sind also wissensseitig eher bei der Großelterngeneration verortet. Um so größer der Spaß, wenn Familien zusammen auf Entdeckungsreise gehen und der Nachwuchs erfährt, wie man Standardbegriffe auch erklären oder besser noch, vermenschlichen kann. Nicht nur der gute Bekannte, der der Algorithmus einer Suchmaschine ist, auch die Spam-Schleuder wird zur Person. Zitate, Verweise und Deutungen, so voll das Internet, so vielfältig dessen bildliche Darstellung. Etwas zu visualisieren, was nur aus Programmcodes besteht, ist die große Leistung der Filmemacher. Mitunter liefern sie mehr Stoff, als der Zuschauer augenblicklich verarbeiten kann. Und das ist auch noch lustig, wenngleich mitunter dabei die Story etwas zu kurz kommt. Dafür gibt es wiederum artfremde Einschübe, die die Gesamtgeschichte auflockern. Etwa die knuddelige Prinzessinnenrunde, die zudem, wie auch in anderen Szenen, von Cameos aus dem Disney-Universum aufgewertet wird. Nah an der Grenze zur Überfrachtung und auch zum optischen Overkill - denn die bildliche Darstellung ist nicht gerade arm an Effekten - bleibt die Geschichte in ihren Grundzügen solide. Freundschaft auch von sehr verschiedenen Charakteren, Ehrlichkeit und der Wille, etwas zu erreichen - das sind die Anker in einer schnelllebigen und immer weiter automatisierten Welt. Disney schafft gekonnt, alte Werte und neue Darstellungsformen miteinander zu kombinieren. Das erweitert die Zielgruppe und macht die Filme bis zu einem gewissen Grade zeitlos, wobei es in einigen Jahren interessant wäre zu ergründen, ob man über die www-Gags von heute wirklich noch lachen kann. Und noch einen aktuellen Bezug muss man einfach herstellen: Während die scheinbar allwissende Generation Internet mit dem Finger auf die Altvorderen zeigt, dass man denen das Web wohl am besten so erkläre, können die darauf verweisen, dass die andere Seite sich wohl genau so, wie Ralph vorgegangen ist, die Umsetzung des neuen europäischen Urheberrechts vorgestellt haben. Irgendwann können beide Seiten darüber schmunzeln, der Film wäre ein guter gemeinsamer Start.

Genre: Animation; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 113 Minuten; Verleih: Disney; Regie: Phil Johnston, Rich Moore; USA 2018

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