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Robin Hood
Zeitloses Heldenspektakel

Robin Hood
Robin Hood © Foto: studiocanal
Stefan Klug / 08.06.2019, 13:30 Uhr
(MOZ) Seine Rückkehr in die Heimat nach Jahren der Abwesenheit hatte sich Robin von Locksley irgendwie anders vorgestellt. Hier hielt man ihn für tot, der Sheriff konfiszierte schon vor einer Ewigkeit das Anwesen und die große Liebe Marian war mit einem anderen zusammen. Robin kehrte allerdings auch nicht als Held heim, sondern eher als Verräter. Denn seine Weigerung, sich auf dem Kreuzzug an sinnlosen Hinrichtungen zu beteiligen, brachte ihm mit John zwar einen neuen Freund, doch in den eigenen Reihen vor allem Ablehnung. Und Locksley tat weiterhin reichlich wenig, sich bei den seinen beliebt zu machen. Während er nach außen hin den den Sheriff unterstützenden Adligen gab, raubte er maskiert zusammen mit John dessen teils illegal erworbene Einkünfte und kam dabei gar einer richtigen Verschwörung auf die Spur.

Die Eckdaten stimmen, der Rest der Handlung will aber nicht wirklich in das Bild passen, das seit einer gefühlten Ewigkeit vom edlen Rächer der armen Leute vermittelt wird. Richtig, und wiederum auch nicht. Denn die Geschichte, die Otto Bathurst hier actionslastig inszeniert und irgendwo zwischen Mittelalter, Steampunk und "Tribute von Panem" zeitlich wie kulissenseitig verortet, erzählt in erster Linie, wie aus dem Adligen jener Gesetzlose wurde, der als Ballade seither durch die Geschichte geistert. Dabei nimmt es Bathurst mit historischer Akkuratesse bewusst nicht so genau. Daher rutscht jede Menge Zeitgeist in die Handlung mit hinein. So wähnt man sich in der Auftakt-Viertelstunde eher im "War against terror" irgendwo im Irak oder Afghanistan. Dass hier Pfeile statt Blei im Maschinengewehr-Stakkato verschossen werden, geht fast unter. Das Bild setzt sich, in leicht abgewandelter Form später fort. Weder Ausstattung noch Kleidung lassen einen wirklichen Zeitbezug zu. Stattdessen fließt ein, was einen Actioner heute auszumachen hat und sei’s die Verfolgungsjagd mit der Kutsche. Wer mit kritischen Blick das Spektakel beäugt, wird daher nicht umhin kommen, Unentschlossenheit und die Verwurschtung all dessen, was heute angesagt ist, zu bemängeln. Doch Robin Hood ist keine Filmkunst, will es auch nicht sein. Mit Popcorn-Kino wurde dafür einst ein Begriff geprägt, bei dem nicht Tiefe von Handlung und Logik, sondern Unterhaltung und Zeitvertreib gefragt sind. Dem wird das Werk gerecht. Die knapp zwei Stunden verfliegen im nu. Und sie sehen wirklich interessant aus. Der Look des Filmes ist immer etwas kühl, die Farben werde nie wirklich bunt. Von der höchsten Auflösung via 4K UHD darf man vor allem fein gezeichnete Oberflächen und viele Details erwarten, die einem aus dem Screen entgegen zu springen scheinen. Besonders im Vorteil sind jene, deren TV Dolby Vision unterstützt. Denn auch bei den massenhaft dunklen Szenen sind hoher Kontrast und erkennbar viele Einzelheiten von unschlagbarem Vorteil. Dazu verwöhnt, wer technisch die Voraussetzungen erfüllt, ein Achtkanal-Setup beim Ton.

Genre: Action; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 116 Minuten; Verleih: studiocanal; Regie: Otto Bathurst; Taron Egerton, Jamie Foxx, Ben Mendelsohn; USA 2018

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