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Der Name der Rose
Mehr als ein Kriminalstück

Der Name der Rose
Der Name der Rose © Foto: Concorde HE
Stefan Klug / 15.06.2019, 15:15 Uhr
(MOZ) Der Kaiser trennt Staat und Kirche und wird daraufhin vom Papst exkommuniziert. Beide Seiten lassen die Waffen sprechen, ohne Erfolg. Angesichts der vielen Toten will man sich einigen und entsendet Unterhändler. Das Treffen soll in einer einsamen Abtei im Norden Italiens stattfinden und der Franziskaner William von Baskerville als Vermittler auftreten. Auf dem Weg zum Veranstaltungsort läuft dem erfahrenen Mönch der Novize Adson über den Weg. Der hat, anders als dessen Vater, ein General, nicht den weltlichen, sondern den geistlichen Weg eingeschlagen. Als das Duo die Abtei erreicht kommt es gerade rechtzeitig, um zu erleben, wie es den ersten Toten gibt. Ob gesprungen oder gestoßen, ein Mönch ist tot und Spürnase William wird vom Abt gebeten, die Umstände möglichst zu klären, bevor die verhandelnden Parteien aufkreuzen. Denn der Papst hat niemand anderes als Bernardo Gui entsendet, den wohl berüchtigtsten Inquisitor seiner Zeit. Doch bevor der Ermittler eine Lösung präsentieren kann, stirbt das nächste Gemeindemitglied eines unnatürlichen Todes. Und so läuft alles auf einen großen Showdown hinaus, genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Abteil gut gefüllt ist.

Umberto Ecos Weltbestseller hat bereits vor über 30 Jahren eine Verfilmung erfahren, die bis heute die Zuschauer ob ihres mittelalterlichen Krimiplots begeistert. Dies ist Fluch und Segen zugleich, denn auf Spielfilmlänge gepresst geht viel vom literarischen vorgelegten Umfeld verloren. Giacomo Battiato hatte nun die Chance, es besser zu machen, denn mit acht Folgen stand ihm wesentlich mehr Zeit zur Verfügung. Und man muss dem Italiener bescheinigen, dass er das historische Umfeld wie auch die einzelnen Figuren durchaus tiefblickender hat mit einfließen lassen. Aber mehr Platz zur Darstellung kann ebenso Segen und Fluch sein. Der stete Schwenk zu Nebenplots und die erklärenden eingestreuten Rückblenden vervollständigen zwar das Gesamtbild, lassen aber den Haupterzählstrang stottern. Wo einst ein regelrechter Sog der Ereignisse entstand, reihen sich nun viel Mord und Totschlag aneinander. Die Zuspitzung geht verloren und damit auch ein gutes Stück Spannung. Hinzu kommt, dass weiland schon Sean Connery kein Schweiger war. John Turturro als neuer William aber redet wie ein Wasserfall und dazu gern etwas von oben herab. Das kann ermüdend wirken. Uneingeschränktes Lob muss man den Machern aber in Sachen Ausstattung zollen. Das Setting ist toll gelungen und die Kamera fängt dazu noch wirklich gekonnte Ansichten ein. Insgesamt ist die Serie nicht ganz so düster wie der Spielfilm ausgefallen, nimmt den Zuschauer aber gekonnt mit ins Mittelalter. Dabei verkommt die Geschichte nicht zum reinen Kriminalstück, kann aber dennoch nicht Ecos schriftstellerische Opulenz tatsächlich abbilden.

Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 480 Minuten; Verleih: Concorde HE; Regie: Giacomo Battiato; John Turturro, Rupert Everett, Damian Hardung; I/D 2019

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