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Green Book
Erkenntnisreiche Reise

Green Bookff
Green Bookff © Foto: eone
Stefan Klug / 18.06.2019, 13:04 Uhr
(moz) Weil der Nachtclub, in dem Tony Lip als Rausschmeißer angestellt ist, für zwei Monate schließt, sucht er einen Job. Das Angebot, für einen gewissen Dr. Donald Shirley zu arbeiten, kommt dabei nicht ungelegen. Doch das Vorstellungsgespräch überrascht den Italo-Amerikaner. Denn erstens ist der Dr. kein Arzt und zweitens ist er schwarz. Für Tony keine Arbeitsgrundlage, zumal Shirley, der auf einem Thron sitzt und goldene Umhänge trägt, mehr Dienstleistungen als die des Fahrers verlangt. Das Salär ist aber dann so gut, das Lip einwilligt, zumal er einsieht, dass sein Boss auf einer Konzertreise durch den tiefsten Süden jemanden wie ihn braucht. Es ist schließlich 1962.

Das titelgebende Green Book, in dem in den 60-ern beschrieben wurde, welche Routen für Schwarze in den Südstaaten sicher sind, taucht nur anfangs kurz einmal auf. Und ob sich Tony Lip an die Vorgaben gehalten hat, wird auch nicht wirklich klar. Denn Tatsache ist, das gutbetuchte Klientel, das die Kunst von Donald Shirley & Co genießen will, ist vorwiegend weiß. Damit sind Auseinandersetzungen rund um die Hautfarbe und täglicher Rassismus vorprogrammiert. Angesichts dessen macht vor allem Toni eine erstaunliche Wandlung durch. Zwar ist er in erster Linie loyal gegenüber seinem Boss, doch danach folgt dann gleich ein Umdenken. Peter Farrelly, der auch am Drehbuch beteiligt war, nimmt bewusst viele Klischees in seiner Inszenierung in Kauf, gleichwohl sich wohl kaum jemandheutzutage noch vorstellen kann, wie die Verhältnisse seinerzeit wirklich gewesen sind. Und die Handlung basiert auf wahren Tatsachen. Möglich ist durchaus, dass die Darstellung gar nicht an die krasse Realität heranreicht. Egal wie, die Reise durch die Südstaaten ist auch für den Zuschauer ein A-ha-Erlebnis. Mahershala Ali und Viggo Mortensen sind ein Duo, was unterschiedlicher nicht sein könnte. Nicht nur der Hautfarbe wegen, auch vom Habitus, der Sprache, den Verhaltensweisen. Der nahezu perfekte Gegensatz. Und davon lebt die Darstellung bis ins kleinste Detail. So sind die 130 Minuten nicht nur lehrreich, sondern zugleich auch sehr unterhaltsam. "Green Book" lebt nicht von großen Gesten oder Effekten, selbst die Filmmusik hält sich dezent im Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen zwei Personen, die sich erst ins Herz des Publikums spielen müssen, die Ecken und Kanten haben, denen man nicht jede Entscheidung abnimmt und die am Ende doch sympathisch oder einfach menschlich daherkommen. Der beste Film des Jahres, meint die Academy of Motion Picture Arts and Sciences und vergab gleich drei Oscars. Eine gute Entscheidung.

Genre: Drama; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 130 Minuten; Verleih: eone; Regie: Peter Farrelly; Mahershala Ali, Viggo Mortensen, Linda Cardellini; USA 2019

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