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Vice - Der zweite Mann
Das etwas andere Biopic

Vice - Der zweite Mann
Vice - Der zweite Mann © Foto: Universum
Stefan Klug / 05.08.2019, 09:59 Uhr - Aktualisiert 05.08.2019, 09:59
(MOZ) So wirklich zur Kenntnis genommen hat man hierzulande Dick Cheney wohl erst als Vize-Präsidenten hinter George W. Bush. Er gilt als Strippenzieher des Irak-Krieges und unermüdlicher Macher hinter den Kulissen. Das war’s dann aber auch schon. Jenseits des großen Teichs muss die Uninformiertheit über das (politische) Schwergewicht ähnlich groß wie hierzulande gewesen sein. Denn warum sonst sollte man jemanden aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht holen? Schließlich sind noch nicht mal alle Präsidenten-Biografien verfilmt worden. Vielleicht weil man den Esel meint, aber den Sack schlägt. Wer ins Weiße Haus schaut und sich "Vice" ansieht, versteht warum. Dazu allerdings muss das Werk von Adam McKay von Anfang bis Ende gesehen werden. Im Wortsinn. Denn zu Beginn deuten die Filmemacher an, dass ihr Film zwar auf wahren Tatsachen beruhe, man sich "scheiss Mühe" gegeben habe, aber eben nicht behaupten kann, dass gezeigtes tatsächlich immer der Wirklichkeit entspricht. Und am Ende erfährt der Zuschauer, wer das Geld gegeben hat. Unter anderem sind da Brad Pitt und Will Ferrell aufgeführt, Vertreter des liberalen Hollywood.

McKays Werk ist dabei kein typisches Biopic. Es beginnt am wohl entscheidenden Tag in Cheneys Karriere, dem 11. September. Im Angesicht der brennenden Zwillingstürme empfiehlt der Vize seinem Boss, mit der Airforce One in der Luft zu bleiben und reißt somit defacto die Macht im Staate an sich. Ein großer Moment für einen Mann, der wegen Sauferei und Unfähigkeit von der Elite-Uni geflogen ist und irgendwie immer mehr per Zufall, teils wegen guter Beziehungen, teils wegen geschickter Schach- und Winkelzüge eine erstaunliche Laufbahn hingelegt hat. Tatsache daran ist zumindest, dass Cheney bereits zur Amtszeit von Richard Nixon im Weißen Haus mitwirkte und seinen Förderer, Donald Rumsfeld, alsbald auf die Plätze verwies. McKay geht nie wirklich bis ins Detail und lässt den Zuschauer im Prinzip immer im Unklaren, was an der Darstellung Tatsache und was Vermutung oder gar Erfindung ist. Nur dann, wenn’s gar zu satirisch wird, lichtet sich ein wenig der Nebel. Damit gerät die Ausrichtung der Handlung mitunter nah an die der Propaganda-Filme eines Michael Moore. Zugleich zeigt sich daran, dass das Zielgebiet der Aussage in den USA liegt, wo man in politischen Angelegenheiten gern mal eine gröbere Klinge schlägt. So sollte jeder für sich selbst prüfen, ob er Behauptungen folgen kann wie: Cheney hätte das Wort Klimawandel eingeführt, um einen milderen Begriff für "Global Warming" zu nutzen oder Colin Powell sei mit seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat direkt verantwortlich für die Entstehung des IS.

Von der etwas undurchsichtigen Quellenlage einmal abgesehen nimmt der Regisseur den Zuschauer aber auch mit auf eine interessante und teils unterhaltsame Reise durch das politische Amerika und dessen jüngere Vergangenheit. Allerdings auch hier die Einschränkung, Cheney ist Republikaner und bis auf einen Obama vor jubelnden Massen ist weit und breit kein Demokrat zu sehen. Und nach dem Abspann bekommt dann noch der amtierende Präsident einen Seitenhieb.

Ohne Frage grandios agiert der Cast. Christian Bale liefert mal wieder einen Beweis für seine Wandlungsfähigkeit, sowohl in Sachen Aussehen wie auch Spiel. Steve Carell könnte als Rumsfeld-Double auftreten und Sam Rockwell als Bush Jr. kommt als perfekte Karrikatur desselben rüber. Nicht zu vergessen Amy Adams, die als starke Frau hinter Cheney immer genau weiß, was zu tun ist. Die Figuren leben und lassen die gute zwei Stunden Laufzeit deutlich kürzer erscheinen.

Genre: Biopic; FSK: 12 Jahre; 132 Minuten; Verleih: Universum; Regie: Adam McKay; Christian Bale, Amy Adams, Steve Carell; USA 2019

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