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Destroyer
Rollentausch

Destroyer
Destroyer © Foto: Concorde HE
Stefan Klug / 01.08.2019, 11:30 Uhr
(MOZ) Erin Bell ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Alkohol und die nicht verarbeiteten Erlebnisse aus der Vergangenheit haben ihr stark zugesetzt. Selbst Kollegen meiden die Detectivin des LAPD. Dann wird eine Leiche gefunden und Bell erhält einen Brief ohne Absender. Dennoch weiß sie, wer hinter beidem steckt. Es ist Silas, der Chef einer Bande, die mit Drogengeschäften und Banküberfällen Geld machte. Bell und ihr Partner infiltrierten den Clan, Chris hat es nicht überlebt. Erin gibt sich die Schuld dafür. Und das seit 17 Jahren. Silas Auftauchen reißt sie förmlich aus der Lethargie und sie beginnt, die Geschichte neu aufzurollen. Allerdings weniger, um endlich dem Gesetz genüge zu tun, sondern eher, um den Tod von Chris und die schrecklichen Jahre danach zu rächen.

Gemeinhin erlebt der Filmzuschauer Nicole Kidman als edlen Charakter, stets gestylt oder fantasievoll hergerichtet. Nicht selten auch ein wenig "geglättet". Um so größer das Erstauen bei "Destroyer". Denn die Kidman/Bell dort hat mit dem eben geschilderten so überhaupt nichts zu tun. Hier hat die Maske ganze Arbeit geleistet, ja es fällt schwer gleich zu erkennen, wer denn die Hauptrolle spielt. Doch es sind nicht nur die Äußerlichkeiten, auch der Habitus ist ein gänzlich anderer. Schlürfender Gang, halbleerer Blick und brüchige Stimme, Karyn Kusama lässt ihre Hauptdarstellerin als vom Erlebten gezeichnete Frau auftreten. Dies kommt glaubhaft rüber, wenngleich der Grund nicht so richtig nachvollziehbar ist. Denn immerhin hat Bell nach den schrecklichen Ereignissen noch ein Kind zur Welt gebracht und fast zwei Jahrzehnte sind eine sehr lange Zeit. Egal, im Hier und Jetzt geht es vor allem darum, wie sie mit der Wut aus der Vergangenheit die Gegenwart Angriff nimmt, was in erster Linie bedeutet, Silo und dessen Gang zu eliminieren. Vergleichbare Plots haben bisher immer männliche Akteure im Mittelpunkt gesehen. Versoffen, abgewrackt, kaum noch ein Hauch Leben - mit einer Frau in dieser Hauptrolle vollzieht "Destroyer" einen echten Rollentausch. Das ist durchaus interessant und ohne Frage gut gemacht. Auch die Rückblenden verwirren nicht wirklich. Zwar beschreitet Kusama nicht wirklich neue Wege im Thriller-Genre, doch eine echt sehenswerte Kidman und der abgeranzte Gesamtlook des Streifens heben ihn deutlich aus der Masse heraus.

Genre: Thriller; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 121 Minuten; Verleih: Concorde HE; Regie: Karyn Kusama; Nicole Kidman, Toby Kebbell, Tatiana Maslany; USA 2019

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