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Birds of Passage
Zwischen Tradition und Geschäft

Birds of Passage
Birds of Passage © Foto: MFA+
Stefan Klug / 09.08.2019, 11:23 Uhr - Aktualisiert 14.08.2019, 13:28
(MOZ) Ende der 1960 Jahre beginnt der junge Farmer Rapayet, Marihuana an Amerikaner zu verkaufen. Er ist nur der Händler, angebaut wird das Gras von einem anderen, verwandten Clan. Das Geschäft läuft gut, wird ausgebaut und der allgemeine Wohlstand in der Steppenregion Kolumbiens steigt. Zugleich zeigt sich auch, wie fragil das Verhältnis der verschiedenen Familien untereinander ist. Tradition weicht zunehmend modernen Umgangsformen, schwere Autos und Waffen gehören immer mehr zum Erscheinungsbild. Nachdem jahrelang alles mehr oder weniger gut gegangen ist, löst ein Ereignis eine Kettenreaktion aus, an deren Ende die Strukturen zerstört und viele Clanmitglieder tot sind. Der Übergang zu den berüchtigten Kartellen scheint vollzogen.

Der Eindruck vom Thriller will sich hier trotz der eindeutigen Thematik rund um den Drogenhandel vorerst nicht einstellen. Denn Ciro Guerra und Cristina Gallego legen ihre Geschichte in Form eine Liedes an. Die verschiedenen, zeitlich gestaffelten Kapitel kommen als Strophen daher und traditionelle Riten und Umgangsformen nehmen einen großen Stellenwert ein. Es ist vor allem die indigene Bevölkerung, die hier im Mittelpunkt steht, einst eher einfache Landarbeiter und Grundbesitzer, die durch die Drogendollar reich werden. Bis zum auslösenden Vorfall, der nur angedeutet wird, bleibt deren Verhältnis zueinander gleich, um dann explosionsartig zu eskalieren. Nachdem einmal eine Grenze überschritten wurde, gibt es kein Halten mehr. Dabei scheint, dass das innewohnende Muster sich nicht unbedingt geändert hat. Nur mittels der vielen Waffen ist die Wirkung eine ganz andere. Zugleich scheint der Wandel vollzogen zu sein, der in Folge die berüchtigten und brutalen Drogenkartelle in Kolumbien möglich machte. Mit ruhigen und teils beeindruckenden Bildern, mit authentischen Riten und Gesängen führt uns das Regie-Duo durch den Film, der trotz des kulturhistorischen Ansatzes der Erzählung nicht weniger blutig endet.

Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 125 Minuten; Verleih: MFA+; Regie: Ciro Guerra, Cristina Gallego; Carmiña Martínez, José Acosta, Natalia Reyes; CO 2018

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