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The Sisters Brothers
Europäisches Wildwest

The Sisters Brothers
The Sisters Brothers © Foto: Universum
Stefan Klug / 09.08.2019, 10:30 Uhr
(MOZ) Im Zuge des Goldrausches machten sich von Oregon aus zwei Männer auf die Suche nach einem Wissenschaftler, der angeblich eine Formel entwickelt hatte, mit der das Edelmetall leicht in Flüssen zu erkennen sei. Eli und Charlie Sisters verdienten bis dahin eher als Kopfgeldjäger ihre Brötchen, waren auch als Auftragskiller recht erfolgreich. Und lebten. Daher dachte Eli laut darüber nach, dass man - sollte die Aktion jetzt klappen - den perfekten Zeitpunkt für den Absprung hätte. Bruder Charlie sah das ein wenig anders, schließlich war man einem gewissen Commodore verpflichtet, der bisher schützend die Hand über das Duo gehalten hatte. Der Fortgang der Ereignisse allerdings stellte die abschließende Beantwortung dieser Frage hinten an. Erst einmal durften die Sisters Brothers noch das sein, was sie waren: Revolverhelden. Alles andere würde sich schon ergeben.

Derart lakonisch kann kein Amerikaner einen Western inszenieren. Entweder es ist ernst oder es ist komisch. Aber dazwischen? Und so war hier mit Jaques Audiard tatsächlich ein Europäer am Werk, ein Franzose gar. Dass dazu die meisten Einstellungen auch noch auf dem alten Kontinent gedreht wurden, zerstört die letzte Hoffnung des Genre-Fans, der schon glaubte, der Western sei gar nicht so tot. Genährt wurde dies kurzzeitig dadurch, dass mit John C. Reilly, Joaquin Phoenix und Jake Gyllenhaal drei waschechte Vertreter Hollywoods vor der Kamera standen. Und keine schlechten dazu. Audiard, also der Franzose, tut allerdings wenig, die Illusion am Leben zu erhalten. Denn typische Western-Versatzstücke wie schießen, prügeln und auch reiten finden nur am Rande oder gar außerhalb der Bildfläche statt. Will sagen, wir hören die Schüsse, sehen aber nichts. Was wir sehen will mitunter so gar nicht dem Klischee von Wildwest entsprechen. Die Mädels im Saloon beispielsweise. Um so mehr lässt der Regisseur seine Protagonisten sich damit beschäftigen, was gewöhnlich hinterm Sattel filmisch runter fällt. Die Gedanken um Sinn und Unsinn des eigenen Tuns und was machen die Revolverhelden, wenn sie mal keine Revolverhelden sind und ans aufhören denken. Kurzum, Audiard geht das Thema ernst an, nimmt es aber nicht so. Das ist die meiste Zeit erfrischend, nur zum Ende hin verhaspelt sicher der Regisseur ein wenig oder die Geschichte wird einfach zu lang.

Genre: Western; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 122 Minuten; Verleih: Universum; Regie: Jacques Audiard;John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal; F/E2019

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