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Beach Bum
Filmischer Dauerrausch

Beach Bum
Beach Bum © Foto: Constantin
Stefan Klug / 09.08.2019, 01:45 Uhr
(MOZ) Auf den Florida-Keys lässt es sich gut leben. Zumindest, wenn man Zeit und Geld hat. Letzteres bedingt ersteres, so ist das bei Moondog. Nicht nur, dass er eine wohlhabende Frau ehelichte, nach einem erfolgreichen Buch ist er auch irgendwie ein gemachter Mann. Denkt er zumindest. Und so wandelt er den ganzen Tag in Strandklamotten, einen Joint oder eine Drink in der Hand, über die Inseln, gibt sich den Genüssen hin und der freien Liebe. Ein Leben wie im Dauerrausch. Der scheint beendet, als Minnie bei einem Unfall verstirbt und das Testament verfügt, dass Moondog nur an die Kohle kommt, wenn er ein zweites Buch veröffentlicht. Doch der Rauschzustand ist für den Literaten zugleich erste Quelle seiner Inspiration. Gibt er das eine auf, verliert er das andere. Das kann Minnie nicht wirklich gewollt haben.

Matthew McConaughey galt lange Zeit als Schönling von Hollywood. Spätestens seit "Dallas Buyers Club" ist das vorbei, durften Charakterrollen auch sein Aussehen beeinflussen. Irgendwann muss dann mal raus, was in Sachen Spiel und Maske sich so aufstaut in den Jahren. Hier nun scheint der Befreiungsschlag zu kommen. Im quietschbunten Strandkostüm, gebleichte und strähnige Haare, stets eine abgefahrene Klappsonnenbrille auf der Nase und immer im Jum - als Karrikatur eines abgehobenen und ausgeflippten Dichters kommt er nun daher. Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Von genial bis voll daneben. Mancher sieht hier filmischen Dadaismus, andere die Unfähigkeit, keine Story zu inszenieren. Fakt ist, sowohl Hauptdarsteller wie auch Plot kommen sehr anarchisch daher. Moondog ist ein Freigeist, dessen Leben nach eigenen Regeln läuft und der - das zeigt die Schlussszene - nicht den Erfolg braucht, sondern den Weg der Inspiration dorthin. Das ist mit Geld und Werten nicht aufzurechnen. Dazu sind die Ansprüche ans tägliche gering, solange er eben Joint und Drink hat. Ein wenig wird das Hippietum hier in die Neuzeit getragen, ein wenig werden die Keys zum letzten Ort verklärt, an dem man machen kann, was einem gerade einfällt. Ob’s erstrebenswert oder lustig anzuschauen ist, muss jeder für sich entscheiden. Also: Ein Blick riskieren!

Genre: Komödie; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 95 Minuten; Verleih: Constantin; Regie: Harmony Korine; Matthew McConaughey, Snoop Dogg, Isla Fisher; USA 2019

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