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Der Junge muss an die frische Luft
Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Der Junge muss an die frische Luft
Der Junge muss an die frische Luft © Foto: WHV
Stefan Klug / 19.08.2019, 13:49 Uhr
(MOZ) Der Vater ständig auf Montage, die Mutter schwer depressiv, die liebe Oma zeitig gestorben - wirklich gute Voraussetzungen für oft gute Laune scheinen hier nicht gegeben. Doch Hans-Peter lässt sich nicht unterkriegen. So, als ob Humor sein Schutzschild ist, das Kindliche und Unbeschwerte in sich drin zu erhalten. Dafür wiederum war Reck­ling­hausen im Ruhr­ge­biet kein schlechter Ort. Die Familie groß, die Verhältnisse ganz ordentlich und doch fühlt sich der Junge zu einer Person besonders hingezogen: zur Mutter. Doch gerade von deren Seite kommt nicht viel zurück. Nur selten gelingt es dem Kind, sie aus ihren depressiven Tagträumen zu reißen. Und dann die Katastrophe.

Im Prinzip nur zwei Jahre im Leben des Hans-Peter Kerkeling hat Caroline Link verfilmt. Doch diese sind es, die den späteren Entertainer und Comedian geprägt haben. Und sie werden auch den Zuschauer prägen. Denn auf dem schmalen Grat zwischen Tragik und Komik wandelt die Handlung vor einer sehenswerten 70-er Kulisse. Im Mittelpunkt ein überragender Julius Weckauf, umgeben von einem kaum minder guten Ensemble an gestandenen Schauspielern. Link arbeitet die Zwischentöne fein heraus, gleitet weder ins Klaumaukige noch ins Kitschige ab. Emotional bleibt die Stimmung auf dem Level, wie ein Neunjähriger dies alles wohl verarbeitet hätte. Die Stimmung schlägt gekonnt von gelöst, lustig, unglaublich hin zu rat- und fassungslos bis tieftraurig um. Nichts menschliches ist dem Grundton fremd. Und daher kommt auch das Gefühl der ehrlichen Erzählung, denn HP Kerkeling beschönigt weder, noch dramatisiert er in seinen autobiografischen Erzählungen. Und am Ende, wenn sich HP klein und HP groß kurz in die Augen schauen, weiß man, dass es dennoch eine schöne Kindheit gewesen ist.

Genre: Drama; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 99 Minuten; Verleih: WHV; Regie: Caroline Link; Julius Weckauf, Luise Heyer, Sönke Möhring; D 2019

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