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Der Goldene Handschuh
An der Seite des Serienkillers von St. Pauli

Der goldene Handschuh
Der goldene Handschuh © Foto: WHV
Stefan Klug / 23.08.2019, 13:02 Uhr
(MOZ) Nach ein paar Gläsern Fanta-Korn fühlte er sich mutig genug, Frauen auf ein Getränk einzuladen. Nicht selten erfuhr Fritz Honka dennoch Ablehnung. Doch irgendwann fand sich immer eine, die einem Schnaps nicht abgeneigt war. Schließlich verkehrte hier, im Goldenen Handschuh, der Bodensatz von St. Pauli, jene, die nicht tiefer sinken konnten. Da war das Aussehen des Spenders egal. Und dem war’s gleichgültig, wer diejenige war. Wenn’s gut lief und man noch einigermaßen gehen konnte, endete der Abend in Honkas Wohnung. Doch nicht alle Begleiterinnen verließen dieselbe wieder. Teile von ihnen fand die Polizei später in einem Verschlag. Davor ein Wald an Duftbäumen, der den Leichengestank übertünchen sollte.

Anfang der 1970er Jahre tötete Honka vier Frauen, gilt damit als der schlimmste Serienmörder Hamburgs. Entsprechend groß war seinerzeit die Aufmerksamkeit beim Prozess. Später geriet Honka, der nach der Haftentlassung unter anderem Namen weiterlebte, in Vergessenheit. Aus dieser hat ihn nun Fatih Akin herausgeholt. Mit seinem neuen Film bringt der Regisseur die schrecklichen Ereignisse dem Publikum nahe und inszenierte die Geschichte in entsprechenden Bildern. Da wird nichts geschönt, im Gegenteil. Jonas Dassler in der Hauptrolle wurde allgemein gelobt ob seines Mutes zur Hässlichkeit, Akin aber vorgeworfen, es damit dann doch übertrieben zu haben. So, als ob die Handlung nicht schon Abscheu genug hervorbringen könnte, sollte das Aussehen des Hauptakteurs dessen Tun noch ein wenig unterstreichen. Und auch die Wohnung, Haupthandlungsort des Geschehens, ebenso wie die Kneipe, laden nicht wirklich zum genauen Hinsehen ein. Akin reduziert Honka und sein Tun auf die Tat, inszeniert das Wesentliche und lässt den Zuschauer auch bei den abscheulichsten Dinge gefühlt in der ersten Reihe sitzen. Da muss man schon fragen, für wen dieser Film gemacht ist. Auch wenn es dem Regisseur gelingt, die Tatzeit wirklich authentisch in Szene zu setzen, so will sich in diesen Kreisen eigentlich niemand bewegen. Gute Nerven und einen robusten Magen sollte der Zuschauer in jedem Fall mitbringen und sich vor allem nicht vornehmen, einen angenehmen Heimkinoabend zu verbringen.

Genre: Horror; FSK: 18 Jahre; Laufzeit: 115 Minuten; Verleih: WHV; Regie: Fatih Akin; Jonas Dassler, Katja Studt, Margarete Tiesel; D 2019

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