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Die Berufung
Ruth Bader Ginsburgs Kampf um Gerechtigkeit

Die Berufung - Ihr Kampf um Gerechtigkeit
Die Berufung - Ihr Kampf um Gerechtigkeit © Foto: e one
Stefan Klug / 26.08.2019, 17:03 Uhr
(MOZ) Ruth ist sprachlos. Als einer der ersten Frauen überhaupt, die in Harvard Jura studieren durften, mit einem weiteren Abschluss der Columbia in der Tasche findet sie dennoch keinen Job als Anwalt. Überqualifiziert oder weil sie eine Frau ist? Wahrscheinlich von beidem etwas. Ruth zieht sich zurück, wird Professorin, lehrt Recht und Gleichberechtigung, wartet auf ihre Chance. Die kommt spät. Und sie ist so untypisch wie die Biografie der resoluten Frau. Ginsburg vertritt einen Mandanten, der eine Pflegekraft nicht steuerlich geltend machen kann, weil diese ein Mann ist. Geschlechterbenachteiligung mal umgekehrt. So zieht Ruth in den Kampf, an dessen Ende sie als erste weibliche Richterin am Supreme Court in die Geschichte eingehen wird.

Nur wenige hierzulande werden diese Geschichte schon kennen. Insofern darf man von einem hohen Neuigkeitswert ausgehen. Daher ist es Mimi Ledger hervorragend gelungen, die Story aufzubauen. Nach turbulentem Beginn folgt eine Phase der Ruhe. In dieser, so scheint es, hat sich das Leben der Hauptdarstellerin gefestigt. Das Kind wächst heran, man ist mitten in der bürgerlichen Gesellschaft angekommen, hat sein Frieden mit den Verhältnissen geschlossen. Fehlanzeige. Anstatt den permanenten, auch inneren Kampf gegen die Ungleichbehandlung zu thematisieren, lässt Ledger Felicity Jones in der Hauptrolle im letzten Drittel der Handlung förmlich explodieren. Nun bricht aus ihr heraus, was sich in den Jahren zuvor angestaut hat. Und so erleben wir eine geschickte Teilung der Handlung. Dramatischer Beginn, schönes, zeitgenössisches Sittenbild im Mittelteil und spannender Gerichtsthriller im Schlussspurt. Der Cast kommt vor allem glaubwürdig rüber und Freunde unterhaltsamer Spitzfindigkeiten kommen ebenso auf ihre Kosten wie Verfechter geschliffener Dialoge. Ein Biopic, wie man es eher selten erlebt, konzentriert aufs wesentliche und dennoch tiefgründig genug.

Genre: Drama; FSK: o.A.; LAufzeit: 115 Minuten; Verleih: eone; Regie: Mimi Ledger;Felicity Jones, Armie Hammer, Justin Theroux; USA 2019

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