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Hotel Mumbai
Taj-Mahal-Palace unter Terror

Hotel Mumbai
Hotel Mumbai © Foto: Universum
Stefan Klug / 26.10.2019, 16:33 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Im November 2008 richteten Islamisten aus Pakistan im indischen Mumbai ein Blutbad an. Unter den Zielen auch das Taj-Mahal-Palace, eine Nobelherberge für betuchte Gäste vor allem aus dem westlichen Ausland. Die Attacke auf das letzte von mehreren Zielen macht Anthony Maras zum Hauptplot seines Spielfilm-Debüts. Dabei begleitet der die Attentäter von ihrer Landung mit einem Schlauchboot bis hin zum Gemetzel auf den Fluren des Grand-Hotels. Der Regisseur geht dabei fast schon dokumentarisch zu Sache, denn eine Einführung von Personen findet weder auf der Täter, noch wirklich auf der Opferseite statt. In fast schon voyeuristischer Art hält die Kamera drauf, wenn unschuldige, unbewaffnete und teils hilflose Angestellte und Gäste erschossen werden. Und dies beginnt bereits in der ersten halben Stunde des über zweistündigen Dramas. Dem Zuschauer schwant da schon, was in in der kommenden Zeit erwarten könnte. Anders als in hollywoodtypischen Actionern schwingt sich jedoch keiner der Betroffenen zu irgendwelchen Heldentaten auf. Alle wollen nur überleben. Entlastung kommt also nicht von Opferseite, was mit der Zeit den emotionalen Druck auf den Betrachter bis fast ins Unerträgliche steigen lässt.

Zum Dokumentarischen trägt ebenso bei, dass Maras sich mitnichten die künstlerische Freiheit nimmt, die Motivlage der Angreifer herauszustellen. Nicht einmal spekulativ. Er stellt sie als willenlose Werkzeuge einer Religion und einesEinpeitschers dar, der sie via Handy vorantreibt. Nur an Kleinigkeiten macht der Regisseur fest, dass es sich wohl um ungebildete Rekruten aus einfachsten Verhältnissen handeln muss. Etwa dann, wenn diese offensichtlich das erste Mal in ihrem Leben eine Toilette mit Wasserspülung sehen.

Auch über das Medium Spielfilm einer breiten Masse islamistischen Terror schonungslos vor Augen zu führen, ist sicher der richtige Weg im Kampf gegen denselben. Ob man dazu aber die Gräueltaten eins zu eins übertragen muss, bleibt zumindest diskussionswürdig. Eine halbe Stunde kürzer, mit weniger gezeigten Tötungen, wären Effekt und Betroffenheit sicherlich nicht geringer ausgefallen.

Genre: Drama; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 123 Minuten; Verleih: Universum; Regie: Anthony Maras;Dev Patel, Armie Hammer, Nazanin Boniadi; Aus/In 2018

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