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Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit
Willem Dafoe als malendes Genie

Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit
Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit © Foto: dcm
Stefan Klug / 26.10.2019, 16:47 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Hat er tatsächlich etwas geahnt oder gehörte es einfach nur zu seinem künstlerischen Selbstverständnis, dass seine Zeit noch kommen werde: "Vielleicht bin ich ein Maler für Menschen, die noch nicht geboren sind", lässt Julian Schnabel seinen Vincent van Gogh so ziemlich am Ende seines Lebens einem Priester gegenüber sagen. Das passt gut zu einer der Eingangszenen, in der der Maler von einem Wirt genötigt wird, doch endlich seine hässlichen Bilder von der Wand der Kneipe zu nehmen. Demonstrativ sind einige der heute bekanntesten darunter. Schnabels Film hat kein happy end, wie auch, das malende Genie starb mit 37 Jahren. Aber der exzentrische Regisseur, selbst Maler, wollte auch kein Biopic drehen. Ein van Gogh gibt es, filmisch gesehen, schließlich schon zur Genüge. Und so inszenierte der New Yorker die letzten Lebensjahre des Mitbegründers der modernen Malerei einfach ähnlich einem Gemälde. Die Kamera folgt dem Protagonisten nicht nur, wie es ein Mensch tun würde, sie erkundet auch dessen Umgebung und Details derselben. Gern darf dabei die Perspektive ungewöhnlich sein, Closeups selbst von den kaputten Schuhen oder dreckigen Fingernägeln sind möglich. Und selbst die Sichtachse ist nicht sicher davor, verschoben zu werden, da dreht sich dann eben mal das Bild. Schnabel schien vor allem dem Prinzip zu folgen, alles zu sein, nur nicht gewöhnlich. Das betrifft auch die Wahl des Hauptdarstellers. Willem Dafoe ist ohne Frage eine der besten Mimen Hollywoods, doch fast doppelt so alt wie der von ihm Gespielte. Sicher, das verhärmte Gesicht passt gut zu den Selbstdarstellungen, wie wir sie von van Gogh kennen, aber als Mittdreißiger geht er nicht wirklich durch. Doch diese künstlerische Freiheit nimmt sich der Regisseur, der auch am Drehbuch mitgewirkt hat. Er lässt die Mischung aus Wahnsinn und Genie auf den Zuschauer los, der sich den Streifen härter erarbeiten muss als so manch anderen. Dafür aber wird er belohnt mit der Sicht auf eine Welt, wie sie wohl van Gogh gesehen hat, mit all ihrem Licht, aber auch dem Schatten. Damit unterscheidet sich Schnabels Werk deutlich von den anderen zum gleichen Thema. Und der Regisseur darf sich sicher sein, dass sein Wirken schon zu Lebzeiten entsprechend gewürdigt wird.

Genre: Drama; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 111 Minuten; Verleih: dcm; Regie: Julian Schnabel; Willem Dafoe, Rupert Friend, Oscar Isaac; F/GB 2018

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