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Catch 22
Clooney und die Irren

Catch 22
Catch 22 © Foto: Paramount
Stefan Klug / 23.12.2019, 13:50 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Captain John Yossarian ist Bombenschütze bei der US-Airforce. Seine Einheit ist in Italien stationiert und im letzten Kriegsjahr dafür zuständig, den Deutschen den Rückzug so schwer wie möglich zu machen. Das Ende des Krieges ist absehbar. Trotz der relativ schwachen Gegenwehr des Feindes befürchtet Joyo von Tag zu Tag mehr, doch noch auf der Zielgeraden ins Gras beißen zu müssen. Da die Bomberbesatzungen nach einer bestimmten Einsatzzahl in die Heimat verabschiedet werden, unternimmt der Captain alles, dieses Ziel so schnell wie möglich zu erreichen. Doch immer kurz davor erhöht sein Vorgesetzter Colonel Cathcart die Einsatzquote. John sieht daher nur eine Chance: Wenn er sich verrückt stellt, wäre er dienstuntauglich. Leider gibt es ein ungeschriebenes Gesetz bei der Truppe, dass der, der meint verrückt zu sein, dies nicht sein kann, weil er es sonst nicht merken würde. Und tatsächlich gewinnt JoYo zunehmend den Eindruck, dass er der einzig Normale unter all den Irren auf dem Stützpunkt ist.

Joseph Hellers IKS-Haken gilt als ein Musterbeispiel an gelungener Kriegs-Satire. Die Handlung des Romans ist so aberwitzig, dass man manche Stellen mehrmals lesen muss, um die tatsächlich erfassen zu können. Kein Wunder, dass die Vorlage lange Zeit als nicht verfilmbar galt. Zwar gab es 1970 schon einmal einen Versuch, der jedoch bei Kritik und Publikum nicht besonders ankam. Zu sehr hing man seinerzeit an der Vorlage, was im anderen Medium einfach zu Verständnisproblemen führte. Fast 50 Jahre später nun hat sich ein Team um George Clooney des Themas noch einmal angenommen. Und was soll man sagen, bereinigt um verwirrende Handlungsstränge und alles etwas chronologisch ins Lot gebracht, entfaltet die Serie genau den Charme, den auch das Buch verströmen konnte. Yossarian will weg von der Front und ordnet dem alles unter. Drumherum tobt der Wahnsinn des Krieges, der immer wieder groteske Verhaltensweisen an den Tag bringt. Bis kurz vor Schluss der sechs Folgen ist die Satire das bestimmende Thema, um dann zum Ende noch einmal richtig dramatisch zu werden. Clooney, der auch Regie führte, steht in einer Nebenrolle zudem vor der Kamera. Doch des Superstars hätte es gar nicht zwingend bedurft, weil auch die anderen Rollen hervorragend besetzt wurden. Allen voran Christopher Abbott, der das Geschehen mit einer Gleichgültikeit erträgt, die den Zuschauer schon wahnsinnig machen könnte.

Darüber hinaus muss man einfach auch das Setting hervorheben. Denn schon allein wie der Stützpunkt dargestellt wird als eine Mischung aus Pfadfinderlager und Strandurlaub passt ins Gesamtthema perfekt hinein. Dazu stets ein weiches Licht - besser könnte der Kontrast zur blutigen Wirklichkeit optisch nicht dargestellt werden. Zu guter Letzt: Jedem sei der Heller-Roman ans Herz gelegt. Man muss ihn aber nicht gelesen haben, um Catch 22 zu verstehen oder Spaß daran zu haben.

Genre: Satire; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 258 Minuten; Verleih: Paramount; Regie: George Clooney, Grant Heslov, Ellen Kuras; Christopher Abbott, Kyle Chandler, Daniel David Stewart; USA 2019

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