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Tarantino
Meister der inszenierten Blutbades

Tarantino
Tarantino © Foto: Koch
Stefan Klug / 10.01.2020, 15:25 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wo Quentin Tarantino drauf steht, geht es blutig zur Sache. Nicht erst, seitdem der Amerikaner im Regiestuhl Platz genommen hat. Schon vor "Reservoir Dogs" waren Filme mit besonders inszeniertem Gemetzel nicht selten von seiner Handschrift geprägt. Einst Shooting-Star durch die Aufführung seines Regie-Erstlings in Cannes, ist Tarantino mittlerweile Kult - bei Fans und Kritikern. Zehn Filme hat er mittlerweile als Chef in Szene gesetzt. Und so unterschiedlich diese mitunter auf den ersten Blick auch sein mögen, sie haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Denn es gehört zu einer Marotte Tarantinos, nicht nur die Filmindustrie im allgemeinen und Hollywood im speziellen zu zitieren, sondern gern auch sich selbst. Diese Feinheiten sind es unter anderem, die die Dokumentation "Tarantino - The bloody Genius" gekonnt, spannend und unterhaltsam herausarbeitet. Sicher, in der zeitrafferartigen Abfolge seiner Werke fällt es auf, dass ein Teil der Darsteller immer wieder mit von der Partie ist. Dass aber Namen und halbe Handlungsstränge in folgenden Produktionen weiterentwickelt werden, dafür muss man schon sehr genau hinschauen und hören.

Tara Wood hat das mit erstaunlicher Präzession getan. Eineinhalb Stunden porträtiert sie den Superstar Hollywoods anhand dessen Werke. Diese unterteilt sie gar in Kapitel, die allerdings chronologisch geordnet sind. Und die Regisseurin und Schauspielerin aktualisierte ihr bereits fertiges Werk, nachdem die Weinstein-Affäre publik geworden ist. Immerhin war der Produzent einer jener wichtigen Männer, die die Tarantino-Karriere mit beförderten. Und weil das Fass ohnehin noch einmal aufgemacht wurde, fand, wenngleich nicht im selben Umfang wie frühere Werke, auch der neueste Streifen "Once upon a time... in Hollywood" Berücksichtigung. Damit ist dann die Filmografie des Regisseurs Tarantino komplett. Gleiches gilt fast für diejenigen, die zu Worte kommen. Es sind vor allem jene Akteure, die von Anbeginn an oder oft eine Rolle spielten. Tim Roth beispielsweise oder Michael Madson. Aber auch Christoph Waltz, seit "Inglourious Basterds" aus dem Tarantino-Universum nicht mehr wegzudenken. Nur ganz, ganz wenige fehlen, darunter auch der Star selbst. Der bekommt zwar im Bonusmaterial seine "Leinwandzeit", taucht aber im Hauptfilm nicht als Interviewpartner auf. Am Ende hat man viel über den Filmemacher erfahren, wie er mit seinem Team umgeht, was er liebt und was weniger. Das alles dreht sich um den Job des Regisseurs. Über den Menschen selbst, was ihn zum blutigen Hobby getrieben hat, aus dem er erfolgreich eine Profession machte, bleibt aber irgendwie im Dunkeln. Dennoch, eine interessante Reise durch die Filmgeschichte Tarantinos und für Fans desselben ein unbedingtes Muss.

Genre: Doku FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 94 Minuten; Verleih: Koch; Regie: Tara Wood; USA 2019

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