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AD Astra: Zu den Sternen
Brad Pitt im All

Stefan Klug / 08.02.2020, 16:46 Uhr - Aktualisiert 09.02.2020, 14:38
Frankfurt (Oder) (MOZ) Irgendwann in naher Zukunft wird die Erde immer häufiger und immer heftiger von Energiewellen getroffen. Die sorgen für reichlich Opfer und Zerstörung. Auch Roy McBride wird bei einem Außenaufenthalt über der Stratosphäre davon erwischt und überlebt den folgenden Absturz nur knapp. Der Astronaut gehört zu den besten der Zunft und sollte in der Angelegenheit noch stark gefordert werden.

Denn bei der Weltraumbehörde ist man sich sicher, dass die Ursache der Wellen eine unkontrollierte Antimaterie-Explosion aus dem Bereich des Neptun ist. Und dort ging vor vielen Jahren eine eigene Expedition verloren. Kommandant war seinerzeit Clifford McBride, der Vater von Roy. Der wird nun beauftragt, vor Ort nach dem Rechten zu schauen, weil angenommen wird, dass Papa gar noch leben könnte. Über Mond und Mars soll McBride zum entfernten Neptun gelangen, doch beim roten Planeten ist Schluss. Aus für ihn nicht nachvollziehbaren Gründen soll ein anderer den Job erledigen. Doch Roy gibt nicht nach und kapert das Raumschiff. Bei einem Handgemenge sterben die restlichen Besatzungsmitglieder und der erfahrene Astronaut ist nun allein auf dem Weg in die Weiten des Alls und in seine Vergangenheit.

Nach George Clooney und Matt Damon ist Brad Pitt der nächste Hollywood-Superstar, der filmseitig die Erde verlässt. Doch seine Rolle ist mit der der Kollegen nur wenig vergleichbar. Während die anderen ihren Platz im Sci-Fi-Setting einnahmen, ist dies hier eigentlich nur die äußere Hülle für eine Reise ins Innere des Charakters. Wir erleben in erster Linie das Psychogramm eines Sohnes, der unverhofft damit konfrontiert wird, seinem totgeglaubten Vater nach 30 Jahren wieder begegnen zu können. Und es stellt sich für ihn die Frage der Konsequenzen. Filmkenner werden in der Anlage gewisse Parallelen zu "Apocalypse Now" entdecken, ohne natürlich, dass das Groteske des Krieges hier eine Rolle spielen würde.

James Gray setzt bei seiner Inszenierung vor allem auf ruhige Bilder. Nur ganz selten wird es hektisch. Und das überraschend. Diese Sequenzen allerdings würden in jeden Film passen, haben nichts typisch sci-fi-mäßiges. Die Kamera bleibt oft bei Pitt, der die Vorgänge scheinbar als etwas erlebt, das einem anderen passiert. Das ganze Drumherum gerät dabei buchstäblich zur Kulisse. Wie und warum es möglich ist, in knapp drei Wochen zum Neptun zu fliegen, uninteressant. McBride kapert eine gleich startende Rakete durch eine Luke zwischen den Triebwerken, Nebensache. Der Astronaut durchquert die Staubringe des Neptuns mit einer Tür als Schutzschild, warum nicht? Trotzdem oder vielleicht deshalb gerät die Rolle für Pitt zu einer sehr sehenswerten. Denn es lenkt nur wenig von ihm ab, was seinem Spiel eine größere Bedeutung beimisst. Er wird dieser gerecht, sieht nicht, wie gerade noch in "Once upon a time in ... Hollywood" jugendlich knackig, sondern seinem Alter entsprechend tatsächlich schon etwas mitgenommen aus.

Auch wenn das Setting bewusst zur Nebensache wird, so hat James Gray dennoch ziemlichen Aufwand damit betreiben lassen. Ob die Szenen auf dem Mond oder im All weiter entfernt, tiefstes Schwarz umfängt den Betrachter. Und das Bild der UHD ist so ungemein satt in den Farben und Helligkeitsstufen, dass man die Aufnahmen tatsächlich im All wähnen könnte. Hoher Kontrast bei den Außenaufnahmen wird dabei durch bewusste Unschärfen in manchen persönlichen Momenten noch unterstrichen. Kurzum, das Bild heischt nicht nach Perfektion, kommt dieser aber, wenn gewollt, sehr nahe.

Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 123 Minuten; Verleih: 20th Century Fox HE; Regie: James Gray; Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Ruth Negga; USA 2019

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