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Parasite
Auf BluRay: Oscar-Gewinner aus Korea schon fürs Heimkino

Stefan Klug / 11.02.2020, 08:22 Uhr - Aktualisiert 11.02.2020, 08:39
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Kims sind ganz unten angekommen. Ohne Job, ohne Geld, schnorren sie, was zum Leben nötig ist, inklusive W-LAN. Sie leben in einer Kellerwohnung im unteren Teil der Stadt. Ganz anders die Parks. Ihre lichtdurchflutete Desginer-Villa steht am anderen Ende Seouls auf einer Anhöhe.

Wie der Zufall es will, bekommt Sohnemann Ki-woo von unten oben die Chance, der Teenager-Tochter Englisch-Nachhilfe zu geben. Da in seinen Kreisen Schein mehr als Sein vonnöten ist, verkauft er seine eher rudimentären Lehrerkünste mit Bravour. Doch auch Unternehmergattin Yeon-kyo schaut eher auf Referenzen denn auf Urkunden. Und so ist alsbald auch Park-Tochter Ki-jung im Haus angestellt, dann der Papa und schließlich die Mutter, nachdem zuletzt die langjährige Haushälterin aus dem Anstellungsverhältnis gekegelt wurde. Dass damit eine ganze Familie zu Diensten steht, wissen die Parks allerdings nicht. Denn vorgestellt wurde das Personal immer nur als entfernte Verwandte. Einmal komplett im Anwesen vertreten, fühlen sich die Kims irgendwie richtig zu Hause, vor allem dann, wenn die Eigentümer nicht anwesend sind. Doch das muss irgendwann schief gehen.

Erst die Goldene Palme, dann der Golden Globe und nun der Oscar - erstmalig in der über 90-jährigen Geschichte für einen nicht englischsprachigen Film: Bong Joon Ho hat offensichtlich alles richtig gemacht. Und sein mehr als zweistündiges Werk unterhält in der Tat, wenngleich die Einordnung nicht einfach fällt. Satire, ja, ohne wirklich lustig zu sein, Krimi, ja, ohne wirklich spannend zu sein, Gesellschaftskritik, ja, ohne wirklich bissig zu sein. In die wiederum knappen zwei Stunden packt der Regisseur eine Geschichte, die bei Netflix sicher eine mehrteilige Serie ohne den üblichen Leerlauf gefüllt hätte. Der Koreaner verzichtet fast gänzlich auf Figurenzeichnung oder Hintergründe. Sicher, die einen sind arm, die anderen reich. Warum das so ist und wie man bisher sein Leben fristete - Fehlanzeige. Es gilt nur das Hier und Jetzt. Und auch in diesem geschieht alles rasend schnell, ohne dass jemand die Frage nach Logik stellen könnte. Hinzu kommen einige (süd)-koreanische Eigenheiten, mit denen Mitteleuropäer sicher nicht so vertraut sind.

Alles in allem erleben wir so ein kompaktes Stück Film, das einen gekonnt durch die Handlung leitet und sich als scharfsinnige Gesellschaftsparabel erweist. Die da unten sind denen da oben nicht unähnlich. Das allerdings ist ja nicht wirklich eine neue Erkenntnis. Bong Joon Ho muss man zugute halten, dass er es trotz aller koreanischen Besonderheiten geschafft hat, dies für verschiedenen Kulturen und Anschauung gleich verständlich zu machen. Ob das die Krönung als erster fremdsprachiger zum besten Film rechtfertigt? Ansichtssache. Ein Sieger muss sich ja immer nur mit seinen Mitbewerbern messen und dies dazu in einem (gesellschafts)-politischem Umfeld. Und ein Blick auf die Nominierten-Liste erklärt da einiges, ohne dass dies Bong Joon Ho’s Leistung in irgendeiner Weise schmälern sollte.

Genre: Drama; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 132 Minuten; Verleih: Koch; Regie: Bong Joon Ho;Kang-ho Song, Sun-kyun Lee, Yeo-jeong Jo; Kor. 2019

"Parasite" erscheint Anfang März als BluRay und DVD

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