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Joker
Joaquim Phoenix wird zu Gothams Albtraum

Stefan Klug / 14.03.2020, 14:15 Uhr - Aktualisiert 14.03.2020, 17:23
Frankfurt (Oder) (MOZ) Arthur Fleck lacht viel. Nicht, weil er sich oder seine Umwelt lustig findet. Es ist ein neurologische Störung, die ihn immer in Stress-Situationen in schallendes Gelächter ausbrechen lässt. Auch andere sind nicht amüsiert, im Gegenteil.

Dennoch war Arthur ein umgänglicher Mensch. Einer, der seine kranke Mutter pflegt, nett zu den Nachbarn ist und seinen Job als Werbe-Clown vor Geschäften auf der Straße gern macht.Wie gesagt, er war... Alles ändert sich nach einer Attacke auf ihn. Die Prügelei ist der Anfang einer Spirale, an deren Ende die Welt, wie Arthur sie kannte, zerbrochen ist. Und er, der er gern Stand-up-Comedian geworden wäre, die Maske zu seinem Markenzeichen macht. Einem Symbol des Bösen. Mit dem wird er zum Joker, Gothams berüchtigstem Verbrecher.

Heath Ledgers Darstellung des Schurken in The Dark Knight ist legendär. Nicht zu Unrecht wurde dem Australier dafür posthum ein Oscar verliehen. Nun hat ihn Joaquim Phoenix für die gleiche Rolle erhalten. Dennoch ist alles anders. Nicht nur, weil der Amerikaner statt für eine Neben- in der Hauptrolle ausgezeichnet wurde. Sein Joker ist auch nicht das personifizierte Böse, der Gegenspieler von Batman schlechthin. Er verkörpert die Vorgeschichte all dessen und zu einer Zeit, als ein gewisser Bruce Wayne noch ein Kind war. Arthur, der hier zum Joker wird, ist eine geschundene Seele, jemand, dem das Schicksal unverschuldet immer wieder in die Parade fährt. Und das alles zu einer Zeit, in der gesellschaftliche Werte den Bach runtergehen, die da oben sich klar gegen die da unten abgrenzen.

Phoenix’ Joker ist ein Produkt seiner Zeit und selten hat eine "Origin Story" so wenig mit dem sonstigen Inhalt aus dem DC-Universum zu tun wie hier. Gotham wird als solches nur in ganz wenigen Szenen ersichtlich und ebenso recht spärlich benannt. Vielmehr könnte es sich um eine x-beliebige US-Metropole handeln. Ausgerechnet Komödien-Spezialist Todd Phillips hat sich der Aufgabe angenommen, die Vorgeschichte des Bösen zu erzählen. Und das Ergebnis ist ernüchternd. Denn gesellschaftliche Umstände und persönliche Tiefschläge aus allen Richtungen machen aus der ohnehin wenig glänzenden Figur eine jämmerliche. Joaquim Phoenix gibt dieser Gesicht, Körper und Charakter. Eine starke Leistung, auch wenn’s zuweilen weh tut. Letzteres gilt ebenso für Bewertungen, die der Film neu erstellt. Weder bei Gotham noch bei dessen Elite bleibt irgendein Glanz, die Eltern von Bruce Wayne eingeschlossen.

"Joker" steht nicht in der Batman-Tradition, ist weder Fantasy-Spektakel noch High-Tech-Action. Es ist ein Drama kurz vor der Gosse, ein Psychogramm eines künftigen Verbrechers, eine Zustandsbeschreibung einer kaputten Gesellschaft und ein stückweit natürlich auch Spiegelbild einer realen. Ein großartiger Film, aber auch einer, der fordert. Vergnügen sieht definitiv anders aus, sofern man es als unbeschwerte Unterhaltung definiert.

Genre: Drama; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 122 Minuten; Verleih: WHV; Regie: Todd Phillips; Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz; USA 2019

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