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Midway - Für die Freiheit
Emmerichs pazifisches Kriegsspektakel

Stefan Klug / 22.03.2020, 16:27 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Mit dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 hatten die Japaner zwar das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Doch die empfindliche Niederlage der USA weckte zugleich einen schlafenden Riesen.

So suchte Amerika nach einem Weg, nicht nur die Schmach zu rächen, sondern nun, als Teilnehmer im II. Weltkrieg, auch das Heft des Handelns im pazifischen Raum in die Hand zu bekommen. Der neue Befehlshaber der Flotte, Admiral Nimitz, ersann einen Plan, wie man die Japaner bei den Midway-Inseln in eine Falle locken konnte. Zuvor allerdings ließ er Tokyo bombardieren und damit das erste Mal das japanische Festland. Wie vorausberechnet, gelang es den truppenmäßig eigentlich unterlegenen Amerikanern, den Feind in Kampfhandlungen zu verwickeln, an deren Ende die Japaner nicht nur die größeren, sondern vor allem auch die bedeutenderen Verluste erlitten. Die Schlacht um Midway stellte damit den Wendepunkt im pazifischen Kriegsschauplatz dar.

Action-Spezialist Michael Bay inszenierte einst den Angriff auf Pearl Habor, der Ben Affleck zum Durchbruch verhalf. 19 Jahre später nun ist es Roland Emmerich, der die Folge-Schlacht des Luftangriffes nicht weniger bildgewaltig ins (Heim)Kino bringt. Der Deutsche erweist zwar seinem amerikanischen Kollegen dabei in der einen oder anderen Szene durchaus seine Referenz - man denke nur an die KillCam der Bombe - verzichtet aber sonst auf großartiges patriotisches Kriegsgeheul. Und selbst, wenn es mancher kaum glauben mag, Emmerich verfilmte tatsächlich Geschichte. Er erzählt das große Ganze vor allem anhand von Dick Best, einem Bomberpiloten, der bei der Schlacht gleich mehrere Treffer gegen feindliche Boote verzeichnen konnte. Ja, dieser Typ ist ein Draufgänger, ein Wagemut, ein echter Held. Drumherum lauter bekannte Größen ihrer Zeit, vom Befehlshaber über den Aufklärer bis zum zum Kapitän.

Emmerich lässt den Zuschauer mit ins Cockpit steigen und am Sturzflug teilnehmen. Die Geschossgarben der Flak vernebeln dabei den Blick aufs Ziel und man kann nachvollziehen, dass dem MG-Schützen hinten im Flieger nicht nur einmal schlecht wurde. Die Kamera ist mittendrin bei Angriff, Verteidigung, bei Planung, Täuschung und Tücke. In der Luft, an Deck, unter Wasser. Nur kurze Momente lässt der Regisseur dem Zuschauer Zeit zur Erholung und erzählt alles Wissenswerte über diese große Schlacht. Etwas unter gehen dabei die enormen Verluste auf beiden Seite. Selbst die der Amerikaner, die bei Midway viele unerfahrene Rekruten opferten. Das Geschehen bleibt bei den Siegern, die überlebten. Und bei den Verlierern. Sie erhalten ungewohnt viel Raum für eine US-Produktion.

100 Millionen Dollar hat die Filmschlacht gekostet. Und das sieht man. Die Effekte sind grandios und dabei kommt das Schauspiel nicht zu kurz. Emmerich konnte auch für Nebenrollen echte Hollywood-Prominenz verpflichten, die dazu noch recht realistisch zu den historischen Vorbildern passt. Das Spannungslevel ist angemessen, der Action-Faktor überbordend. So verfliegen die weit über zwei Stunden buchstäblich, was für die Qualität der Handlung spricht.

Letztlich passt die filmtechnische Umsetzung. Die 4K-UHD ist zwar plattformtypisch etwas dunkel abgemischt, verfügt aber über sensationelle Kontrastwerte. Dazu wählt Emmerich, der Gegend des Geschehens angemessen, gleißendes und sattes Licht. Spezialeffekte sind nicht als CGI-produziert wahrnehmbar, passen sich also ins Gesamtbild perfekt ein. Kurzum: Midway ist für Auge, Ohr und Unterhaltungswert hervorragend gelungen.

Genre: Action; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 138 Minuten; Verleih: Universum; Regie: Roland Emmerich; Ed Skrein, Patrick Wilson, Woody Harrelson; USA 2019

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