Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ich war noch niemals in New York
Udo Jürgens und der Traum vom Reisen

Stefan Klug / 24.03.2020, 17:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Fernsehmoderatorin Lisa hat nur Zeit für ihre Karriere. Und so feiert Mutter Maria den Geburtstag der Tochter allein zu Hause. Dabei stürzt sie, was fatale Folgen für alle mit sich bringt.

Denn zuerst verliert sie komplett ihr Gedächtnis und verirrt sich dann auf einen Transatlantik-Dampfer. Hierhin schafft es zwar Lisa samt Makeup-Artisten noch rechtzeitig, doch der Kreuzfahrer legt ab, die blinden Passagiere an Bord. Die sollen für Kost und Logis arbeiten und lernen dabei auch einige der Mitreisenden kennen. Wieder, muss es teils heißen, denn wie der Zufall so will, kreuzen sich während der fünf Tage Überfahrt nach New York verschiedene Lebenslinien.

2007 wurde das Lebenswerk von Udo Jürgens für die Musical-Bühne inszeniert. Nun folgt die filmische Umsetzung desselben. Im eher eng besetzen Zeitrahmen werden dabei gleich drei Liebesgeschichten parallel und auch miteinander verwoben. Mehr mehr als mitunter weniger passend gibt es dazu die Schlager des berühmten Österreichers. Das mag vor einem halben Jahr nur ein begrenztes Zielpublikum angesprochen haben. Die, die sowieso auf Schlager stehen, die Fans von Jürgens oder jene, die mit dessen Musik aufgewachsen sind. Doch mittlerweile ist die Welt eine andere. Wer zuhause eingesperrt ist und so langsam realisiert, dass es wohl auf absehbare Zeit nichts wird mit dem Erkunden fremder Gewässer oder Länder, der braucht nicht nur Zerstreuung, sondern auch Reisefreiheit für den Geist. "Ich war noch niemals in New York" oder "Griechischer Wein" wecken da reflexartig Sehnsüchte, die die Musical-Komödie durchaus zu bedienen weiß.

Dabei gaukelt der Film nichts vor. Das Schiff ist Kulisse, zu deutlich zu erkennen, um nicht gewollt zu sein. Die Kostüme wie auch die gesamte Einrichtung, alles schwankt zwischen übertrieben und aufgesetzt. Und das gilt gewissermaßen auch für alle Beteiligten. Man ist angetreten, die Zuschauer zu unterhalten, mit übertriebenem Spiel, mit extra heraus gestellen Gefühlen und mit durchaus hörenswerten Gesangseinlagen. Die dazu nie überbordend Platz gegenüber dem restlichen Spiel einnehmen. Apropos: Katharina Thalbach als Mutter ist köstlich und auch ein Uwe Ochsenknecht als alternder Gigolo durchaus sehenswert im Rahmen dessen, was die Produktion sein will.

Philipp Stölzl gelingt es aus heutigem Betrachtungswinkel durchaus gekonnt, für knapp zwei Stunden gute Laune zu verbreiten. Er entführt die Zuschauer in eine andere Welt und in eine andere Zeit. Irgendwie wie ein Musical-Besuch, aber gleichzeitig auch der Versuch, dem Hier und Heute zu entfliehen, auf’m Schiff über den großen Teich, den Gefühlen folgend. Der Mensch braucht Träume, der Geist muss entfliehen können und sei es nur für einen Augenblick.

Genre: Unterhaltung; FSK: o.A.; Laufzeit: 129 Minuten; Verleih: Universal; Regie: Philipp Stölzl;Heike Makatsch, Moritz Bleibtreu, Katharina Thalbach; D 2019

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG