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Das perfekte Geheimnis
Deutsche Handy-Komödie des Jahres mit viel Drama

Stefan Klug / 29.03.2020, 17:48 Uhr - Aktualisiert 30.03.2020, 09:34
Frankfurt (Oder) (MOZ) Seit der dritten Klasse sind Leo, Pepe, Rocco und Simon dicke Kumpels. Aber Freunde für immer? Spätestens seit dem letzten der regelmäßig stattfindenden Pärchenabende ist das nicht mehr so sicher.

Denn aus einer Laune heraus wird vorgeschlagen, alle Handys auf den Tisch zu legen und alles, was ankommt, öffentlich zu machen. Und es dauert auch nicht lange, bis SMS, WhatsApp und Anrufe eingehen. Viel Harmloses darunter, aber auch viel Missverständliches und zunehmend auch Dinge, die das Vertrauen der Paare wie auch der Kumpels untereinander schwer erschüttern. Irgendwie scheint jeder der vier Männer und drei Frauen eine Leiche im Keller zu haben, die just an diesem Abend an die Öffentlichkeit drängt. Und so regen Liebe, Laster, Verrat, Eifersucht und Lüge mehr auf als das ungenießbare Essen des Gastgebers.

Nicht nur fünf Millionen Kino-Besucher, auch der Umstand, dass das italienische Original der Komödie mittlerweile rekordverdächtige 18-Remakes erfahren hat, sprechen eine deutliche Sprache. Die deutsche Version darf zu allererst für sich vereinnahmen, mit dem halben "Fuck ju Göthe"-Cast zuzüglich weiterer bekannter und beliebter Schauspieler an den Start zu gehen. Das wirkt sich zweifellos auf den Unterhaltungswert aus. Denn wie schon bei "Der Vorname" entspringen Komödie wie später auch zunehmend Dramatik vor allem aus den Dialogen. Die Sprache, die die Drehbuchautoren hier gewählt haben, scheint allerdings eher dem FjG-Publikum als dem Alter der Protagonisten angemessen. Denn dem doch derben Pennäler-Slang sind Elyas M’Barek, Florian David Fitz oder Frederick Lau doch schon entwachsen. Einzig Wotan Wilke Möhring bleibt im Rahmen dessen, was seine Rolle und er selbst darstellt.

Sehenswerter Auftritt von M'Barek, Fitz, Lau und Möhring

Zudem hat die hiesige Umsetzung einige Veränderungen inhaltlicher Natur erfahren, die so typisch deutsch scheinen. Daher wird der Zeigefinger Richtung Homophobie nicht jedem gefallen, auch wenn Bora Dagtekin versucht, das noch irgendwie lustig abzufangen. Apropos: Die Inszenierung ist straff, das Tempo hoch und die Pointen sind dicht gesät. Insofern spielt es überhaupt keine Rolle, dass sich die fast zwei Stunden ausschließlich in einer Münchener Dachgeschosswohnung zutragen. Allerdings kippt die gute Laune vom Beginn mit der Dauer des Spiels und endet dann schon ziemlich beim Drama, ohne dass die gerissenen Wunden wirklich behandelt würden. Hier wirkt das Werk dann irgendwie unfertig. Und mal ganz ehrlich: Die meisten der Zuschauer hätten ganz sicher mehr Klamauk und Pärchenwitz - angelehnt wiederum an FjG - erwartet. Ungeachtet dessen jedoch ein sehenswerter Auftritt von M'Barek, Fitz, Lau und Möhring sowie den Damen Herfurth, Haase, Schwarz.

Genre: Komödie; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 112 Minuten; Verleih: Constantin; Regie: Bora Dagtekin; Elyas M’Barek, Florian David Fitz, Jella Haase; D 2019

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