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A rainy day in New York
Woody Allens Liebeserklärung an den Big Apple

Stefan Klug / 31.03.2020, 14:51 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Für ein Wochenende will Gatsby seiner Ashleigh New York zeigen. So wie er es kennt und Woody Allen es liebt.

Das junge Paar studiert an einer kleinen, aber feinen Elite-Uni im Umland. Die etwas hibbelige Blondine hat tatsächlich ein Interview-Termin mit Roland Pollard ergattert. Dem Star-Regisseur schlechthin. Ein, zwei Stunden und dann wäre Zeit für Gatsby, dessen Name auch ein wenig Programm ist. Denn aus gutem Hause kommend und stets liquide, kennt er das alte, das gute New York. Orte und Plätze, auf die seine Tussi-Freundin nie kommen oder sie nie finden würde. Doch Pollard, in einer tiefen Sinn- und Schaffenskrise, genießt den Zuspruch, den ihm das junge Ding entgegenbringt und lädt es kurzerhand zum Screening ein. Obwohl der Meister bei demselben dann verloren geht, ist es fortan sein Drehbuchschreiber, der seinem Boss und Freund suchend nachjagt und Ashleigh im Schlepptau hat. Kurzum, Gatsby bleibt buchstäblich im Regen stehen, dreht seine Big-Apple-Runde allein, trifft dann doch seine Mutter und wird mit unglaublichen Wahrheiten konfrontiert.

Fünf Sekunden Vorspann und der geneigte Zuschauer weiß, womit er es zu tun hat. Die Titelmusik, die Schrifttypen - all das ist von Anbeginn an typisch Woody Allen. Sein 49 Film im 84. Lebensjahr - und trotzdem ist alles anders. Denn im Zuge der Metoo-Bewegung ist der Regisseur in Verruf geraten. Nie bewiesen, aber immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, hat es so "A rainy day in New York" in den USA nicht einmal ins Kino geschafft. Sehr schade. Nicht nur für Allen und seine Fans jenseits des großen Teichs, sondern auch für die wundervolle Stadt, die gerade so schwere Zeiten durchmachen muss.

Denn der Film ist ein einziger Liebesbeweis für die Mega-Metropole. Er ist ein Streifzug durch die zeitlos schönen Dinge am Big Apple. Aber natürlich vor allem eine Reise zu den Orten und Ansichten, die Allen so mag. Und dieser hat, auch das ist nicht neu, viel persönliches mit einfließen lassen. Das wirkt nie plakativ und lässt viel Spielraum für Interpretationen. Sowohl der junge Gatsby, als auch der ältere Pollard dürften eine gehörige Portion vom Regisseur selbst mitbekommen haben. Gleichzeitig teilt der Mittachtziger aber auch gehörig aus. Denn seine Frauentypen widerspiegeln plakativ, was so im Film-Business Standard zu sein scheint. Ashleigh verkommt dabei fast zur Satire, wie im übrigen Drehbuchautor Ted Davidoff, gespielt von Allen-Liebling Jude Law, ebenso.

Apropos Besetzung. Wenn auch ein Alterswerk, so ist der Film mitnichten ein Alt-Herren-Werk geworden. Noch nie hat Allen so einen jungen Cast in den Mittelpunkt gestellt. DennTimothée Chalamet, Elle Fanning und Selena Gomez sind zusammen noch nicht einmal annähernd so alt wie der Regisseur selbst. Der schwelgt in den knackigen 90 Minuten in hintergründigem Witz, mancher Schrulligkeit und teils wunderschönen Bildern. Warmes, weiches, sattes Licht lassen vor allem die Innenansichten geliebter Orte fast schon kitschig anheimelnd aussehen.

Ein toller Film, ein würdiger Blick auf die Stadt und eineinhalb Stunden intelligente wie humorvolle Unterhaltung.

Genre: Komödie; FSK: o.A.; Laufzeit: 92 Minuten; Verleih: Filmwelt; Regie: Woody Allen; Timothée Chalamet, Elle Fanning, Liev Schreiber; USA 2019

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