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Aniara
Katastrophe im All

Stefan Klug / 02.04.2020, 16:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Erde ist nicht mehr bewohnbar. Die Menschheit siedelt auf den Mars um. Mit der "Aniara" ist ein weiteres Schiff unterwegs dorthin.

Doch bereits kurz nach Beginn der Reise kollidiert der riesige Kreuzer mit Weltraumschrott. Eine Schraube durchschlägt den Treibstofftank. Der Crew gelingt zwar mit einem riskanten Manöver, die ganz große Katastrophe zu vermeiden, doch nun treibt die "Aniara" weg vom eigentlichen Kurs steuerungslos durchs All. Die Massen an Bord hält man ruhig, indem man ihnen erklärt, die Gravitationskraft eines Planeten zu nutzen, um wieder in die richtige Richtung zu kommen. Doch für die nächsten Jahrhunderte wird kein Planet die Flugbahn der "Aniara" kreuzen.

Harry Martinsons Versepos "Aniara" entstand bereits Ende der 1950-er Jahre. Aus Teilen davon haben Pella Kågerman und Hugo Lilja nun ihre Sci-Fi-Geschichte gemacht. Anfangs noch sind die Zeitabstände der einzeln betitelten Kapitel recht kurz, zählen nur Wochen, später werden es Jahre und Jahrzehnte. Und je länger der Zwischenraum wird, desto geringer ist die Hoffnung der Passagiere, dass sich ihre Situation ändert. So wird aus der "Aniara" selbst ein Planet.

Die Schweden haben die Geschichte wirklich sehenswert umgesetzt und können bei den, vor allem anfangs reichlich verwendeten Spezialeffekten, sich durchaus in eine Reihe mit großen Hollywood-Produktionen stellen. Und auch die Dramaturgie des Geschehens passt hervorragend zum Genre. Natürlich geht man auf bestimmte Dinge nicht ein. Während die Ernährung beispielsweise durchaus glaubhaft mit den Algenkulturen erklärt wird, hüllt sich der Streifen in Sachen des enormen Energiebedarfes des Schiffes in Schweigen. Dafür kommt die Veränderung des sozialen Gefüges innerhalb der Gemeinschaft gut und nachvollziehbar rüber. Wenn auch im späteren Verlauf des Geschehens sich einige kleine Längen einschleichen, so gelingt es doch über weite Strecken, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Die Hoffnung stirbt halt immer zuletzt - auch beim Zuschauer. Der Schluss schließlich ist ein Klassiker, wenn auch in leicht abgewandelter Form.

Technisch wie gesagt sehr sehenswert umgesetzt, schauspielerisch glaubhaft rüber gebracht, emotional ansprechend in Szene gesetzt - kurzum, Sci-Fi-Freunde werden sich mit der nordischen Weltraumreise sicher gut unterhalten.

Genre: Sci-Fi; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 106 Minuten; Verleih: Eurovideo; Regie:Pella Kagerman, Hugo Lilja; Emelie Garbers, Bianca Cruzeiro, Arvin Kananian; S 2018

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