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Knives Out - Mord ist Familiesache
Daniel Craig in Krimi alter Schule

Stefan Klug / 02.05.2020, 16:30 Uhr - Aktualisiert 09.05.2020, 17:16
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ausgerechnet an seinem 85. Geburtstag scheidet Krimi-Bestseller-Autor Harlan Thrombey dahin. Dass sowohl Polizei wie auch ein Privatdetektiv ermitteln spricht gegen die These vom Selbstmord.

Dabei scheinen die Indizien eindeutig. Mit einer scharfen Klinge hat sich der betagte Schriftsteller die Kehle aufgeschnitten, Fremdeinwirkung ausgeschlossen. Und dennoch stoßen die Ermittler bei der Befragung der engsten Angehörigen darauf, dass fast jeder von denen ein Motiv hatte, das Familienoberhaupt lieber tot als lebend zu sehen. Einzig Pflegerin Marta, die sich in der vergangenen Zeit als einzige um den Senioren wirklich gekümmert hat, ist da außen vor. Doch genau sie gerät ins Visier von Benoit Blanc, dem selbst nicht klar ist, wer ihn eigentlich engagiert hat.

Krimis von Agatha Christie folgend meist einem festen Grundgerüst. Eine Gruppe von Menschen, ein Verbrechen, das nur vom benannten Personenkreis verübt worden sein kann, die zwar alle offensichtlich ein Motiv, aber auch ein ebenso festes Alibi haben. Dazu ein Ermittler, der nach wendungsreichen Stunden eine Lösung aus dem Hut zaubert, die alle überrascht. Rian Johnson macht kein Hehl aus seiner Verehrung für die wohl erfolgreichste Schriftstellerin unter der Sonne. Und sein neuestes Werk ist durch und durch eine Homage an den Rätsel-Krimi der geadelten Engländerin.

Dass er mit Benoit Blanc einen Privatschnüffler installiert, der alle Gene eines Hercule Poirot und einer Miss Marple vereint, ist schon großartig,diesen aber mit Daniel Craig zu besetzen geradezu ein Geniestreich. Nicht nur, weil man sich filmisch durchaus vorstellen kann, dass der Ex-Bond nach seinem Ausscheiden beim MI6 als privater Ermittler weiterarbeiten könnte. Darüber hinaus hat der Brite schon öfter bewiesen, dass er durchaus auch für die leichteren und komischeren Rollen taugt, siehe "Logan Lucky". Nicht mehr ganz so "in shape" und mitunter auch ein wenig verwirrt, bestimmt die ehemalige Doppelnull ganz klar das Geschehen. Ein klein wenig schimmert da gar der Columbo von Peter Falk durch.

Anfang einer Karriere nach Bond

Craig allerdings steht nur an der Spitze eines außergewöhnlichen Ensembles, das mit Don Johnson, Jamie Lee Curtis, Michael Shannon bis hin zu Christopher Plummer mehr als ein halbes Dutzend Stars in den Nebenrollen vereint. Nicht zuletzt Ana de Armas, die man gerade auch in "The Informer" erlebt hat.

Natürlich sind es die bekannten Gesichter, denen zuzschauen ungemein Spaß macht. Auch, weil jeder seine Rolle im Grundton der Überzeugung spielt. Darüber hinaus allerdings hatRian Johnson aber eine durch und durch sehenswerte Inszenierung hingelegt. Er reist im wahrsten Sinne des Wortes durch Raum und Zeit und setzt die Szenen so aneinander, dass sie zu einem großen Ganzen verschmelzen. Hier wirkt alles durchdacht und abgestimmt. Und er lässt immer genau die richtigen Hinweise fallen, die es dem mitdenken Zuschauer - Rätsel-Krimi - ermöglichen, an anderer Stelle einen Tick vor Benoit Blanc auf die Lösung zu kommen. Besser hätte es die Altmeisterin des Genres wohl auch nicht hinbekommen.

Nicht zuletzt muss das Setting ausdrücklich gelobt werden. Das alte Herrenhaus, etwas verschroben und mit knarzenden Dielen, die meist erdigen und warmen Farben der Örtlichkeiten vermitteln einen eher gemütlichen Eindruck. Nicht den eines grausamen Tatortes. Dazu liefert die 4K UHD so kontrastreiche Bilder, als sei der Zuschauer persönlich vor Ort, stünde als unsichtbarer Zeuge am Set. Das für den Abspann "Sweet Virginia" von den Rolling Stones gewählt wurde, erweist sich letztlich fast als einziger Lapsus, denn der Tatort befindet sich, wie man anfangs erfährt, ja in Neuengland.

Mittlerweile ist "Knives Out 2"in Planung. Craig hat also offensichtlich seine neue Bestimmung gefunden. Mit etwas mehr Humor im Geschehen könnte es eine perfekte Fortsetzung werden.

Genre: Krimi; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 131 Minuten; Verleih: Leonine; Regie: Rian Johnson; Daniel Craig, Chris Evans, Ana de Armas; USA 2020

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