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Judy
Reneé Zellweger dramatisch und oscarreif als Garland

Stefan Klug / 14.05.2020, 05:30 Uhr - Aktualisiert 14.05.2020, 09:40
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ihre Rolle in "Der Zauberer von Oz" setzte den Startpunkt für Judy Garlands Hollywood-Karriere, die 30 Jahre später dramatisch endete.

Der Stern des einstigen Kinderstars war längst verloschen, die goldenen Hollywood-Zeiten schon ewig her. Judy tingelte mittlerweile durchs Land, konnte kaum noch die laufenden Kosten decken, geschweige denn, ihren Kindern ein richtiges Zuhause bieten. Doch in Übersee, in London, England, hatte ihr Name noch Glanz, war sie trotz der bekannten Kapriolen noch ein Show-Star. Und so greift sie in ihrer Verzweiflung nach einem Angebot für mehrere Konzerte. Es werden ihre letzten sein und ihre Kinder wird sie nicht wiedersehen. Mit nur 47 Jahren stirbt Judy in London. An einer Überdosis Schlaftabletten.

Ob es das Highlight einer Schauspielerkarriere ist, einen alternden, abgewrackten Kollegen vergangener Tage zu spielen, mag dahingestellt sein. Für Renée Zellweger jedenfalls dürfte es, zumindest im Nachhinein betrachtet, der Höhepunkt ihrer Laufbahn gewesen sein. Denn für ihre Judy hat sie den diesjährigen Oscar als Beste Schauspielerin erhalten. Das ist insofern bemerkenswert, als dass der Film selbst nicht so besonders weggekommen ist. Denn wenn man all die Nostalgie, die der goldenen Hollywood-Ära anhängt, weglässt, bleibt ein heute nur noch mäßig bekannter Kinder- und späterer Showstar, Tabletten- und Alkohol abhängig, in späten Lebensjahren vor allem durch allerlei Skandale in den Schlagzeilen.

Und mit einigen großartigen Konzerten im swinging London der späten Sixties. Auf diese Zeit konzentriert sich dann auch Rupert Goold in seinem Biopic. Er rückt die letzten Konzerte der Diva in den Mittelpunkt und alles andere weit weg. Zwar wird versucht, einige wichtige Fakten im Plot unterzubringen, aber keiner davon erhält eine handlungsrelevante Tiefe. Judys Rolle im Zauberer, check, Tablettengabe als Kind, check, mögliche Annäherungen durch Filmmogul Mayer, check, Tochter Liza Minelli, check, fünf Ehen, zwei Kinder, check, besondere Beliebtheit in der Schwulen-Szene, check... Es wird schon viel Wissen beim Zuschauer vorausgesetzt, was der Film leider nicht vermittelt.

Um so überragender die Leistung Renné Zellwegers. Bis zur Selbstverleugnung geht sie in der Rolle auf. Man muss schon sehr genau hinsehen, um DIE Bridget Jones hinter der Maske einer verlebten Showgröße wieder zu erkennen. Sie lässt Judy in deren exaltierter Art wieder auferstehen. Doch nicht nur das. Zellweger hat auch die Gesangsparts selbst übernommen, was wirklich Respekt abnötigt. Sie haucht der Figur Leben ein, lässt über so manche Fragen hinweg sehen und sorgt mit ihrem gesamten Spiel, mit Mimik und Gestik auch für ein emotionales auf und ab in Handlung und beim Zuschauer. Großartig. Dem kaum nach steht die Ausstattung. Der Zeitsprung vor allem ins Jahr 1968 ist perfekt, Orte und Shows werden in ein phantastisches Bild getaucht. Dies alles rettet "Judy" vor dem Mittelmaß.

Genre: Drama; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 118 Minuten; Verleih: eone; Regie: Rupert Goold;Renée Zellweger, Jessie Buckley, Finn Wittrock; USA 2020

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