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Queen & Slim
Nach Tinder-Date Flucht und Tod

Stefan Klug / 16.05.2020, 06:15 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Das Date nach der Verabredung auf Tinder harmlos, die Heimfahrt dann der Beginn einer Tragödie.

Denn Queen und Slim werden unterwegs von einem Polizisten angehalten. Die Routinemaßnahme gerät außer Kontrolle und schließlich ist die junge Frau angeschossen, der Cop tot. Obwohl es Notwehr war, stellen sich die beiden nicht der Polizei, sondern fliehen Hals über Kopf, nehmen unterwegs Richtung Florida sogar noch einen Sheriff als Geisel. Obwohl sie versuchen, so unauffällig wie möglich zu bleiben, werden sie jedoch allerorten erkannt. Und erfahren ungeahnte Unterstützung, sowohl moralisch als auch materiell. Was das afroamerikanische Pärchen nicht ahnt, es ist mittlerweile zum Symbol des Widerstandes gegen weiße Polizisten-Willkür geworden. Die Black Lives Matter-Bewegung hat sie zu ihrem Gesicht gemacht. Doch dies zieht Gewalt auf beiden Seiten nach sich. Und nicht jeder, der sich als Freund oder Unterstützer ausgibt, hat ehrenhafte Absichten. Und so schauen Queen und Slim am Ende ihrer Flucht in die Läufe von Polizei-Gewehren.

Amerika, das Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Melina Matsoukas zielt mit ihrem Film genau darauf ab. Das Herz der Zuschauer sagt, bleibt, stellt euch, ihr seid im Recht. Doch der Verstand rät zur Flucht - ins Ungewisse. Denn mit dem Ziel Kuba hat das Pärchen nicht gerade einen realistischen Ort gewählt, den landesweit gesuchte Cop-Killer auch erreichen können. Dieser Widerspruch treibt die Handlung an und ihr wird alles untergeordnet. Dass Queen wohl Anwältin ist, erfahren wir in der Eröffnung-Sequenz, von Slim wissen wir nur, dass er tief gläubig ist. Mehr wird über die Protagonisten in knapp zwei Stunden nicht verraten.

Mehr wissen auch all die Farbigen nicht, die in der Tat ein Fanal zum Widerstand sehen, einen Akt der Aufbegehrens, der Rache gar. Dennoch reicht es für einige, selbst aktiv und gewalttätig zu werden. So schaukelt sich die Situation hoch, ohne, dass jemals auch nur ansatzweise überlegt wird, die Angelegenheit auf den Boden von Recht und Gesetz zurück zu führen. Warum das so ist, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Befürchtet die Anwältin, dass die Beiden schon allein auf Grund ihrer Hautfarbe keine Chance haben, seitdem sie sich vom Tatort entfernt haben? Man könnte das rein interpretieren. Andererseits ist das Video vom Hergang öffentlich gemacht worden, was zumindest den Tötungsvorsatz anzweifeln lässt. Dass nach US-Gesetz der Tod allein schon als Mord gewertet wird, dürfte hingegen nur hiesige Zuschauer verunsichern.

So bleibt viel Interpretationsspielraum. Ungeachtet dessen ist die Fluchtgeschichte interessant in Szene gesetzt worden. Nicht zwingend und immer spannend, mitunter mit einigem gewollten Leerlauf. Melina Matsoukas zeigt vor allem viel vom eher weniger sehenswerten Amerika in den Südstaaten. Jodie Turner-Smith und Daniel Kaluuya geben den Helden ein Gesicht, mit dem sich der Zuschauer ziemlich schnell identifizieren kann. Die Unsicherheit ist glaubwürdig, die Angst ebenso.

Genre: Thriller; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 127 Minuten; Verleih: eone; Regie: Melina Matsoukas;Daniel Kaluuya, Jodie Turner-Smith, Bokeem Woodbine; USA USA 2019

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