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Die Wütenden - Le Misérables
Alltäglicher Krieg in Pariser Vororten

Stefan Klug / 19.05.2020, 15:30 Uhr - Aktualisiert 20.05.2020, 16:11
Frankfurt (Oder) (MOZ) Schlimmer hätte es nicht kommen können für Stéphane. Denn schon seine erste Tour mit den neuen Kollegen durch den Pariser Stadtteil Montfermeil endet fast in einer Katastrophe.

Dabei sollen die Flics hier für Recht und Ordnung sorgen. Doch der Frieden im vor allem von Menschen mit Migrationshintergund bewohnten Stadtteil ist ein fragiles Konstrukt. Die Polizisten haben sich dem Regime der Straße angepasst und können so die verschiedenen Gruppen einigermaßen bei Laune halten. Dann wird aus einem Zirkus ein Löwenjunges gestohlen. Der Täter ist schnell ermittelt, doch bei der Festnahme des Jungen kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Auch die Ordnungshüter lassen sich zu Härte hinreißen. Da das alles von einer Drohne gefilmt wurde, ist die Sicherung des Materials nun vorrangig. Dabei werden keine Gefangenen gemacht, was das Fass an schlechter Stimmung überlaufen lässt.

"Das Gesetz bin ich" ruft der Anführer der kleinen Polizeitruppe in äußerster Bedrängnis inmitten von Islamisten und Drogendealern. Ein symbolhaftes Bild der Zustände. Denn natürlich regieren hier in Montfermeil nicht Recht und Ordnung, sondern nur die Stärkeren. Dem haben sich die Flics längst angepasst, nur so werden sie auch akzeptiert. Wer in dieses fragile Gebilde eingreift, riskiert einen Flächenbrand. Ladj Ly, selbst aufgewachsen im problembeladenen Pariser Vorort, macht die Gesetzeshüter nicht vordergründig für das Geschehen verantwortlich. Aber er zeigt sie als Teil des Problems, nicht der Lösung. Eine solche allerdings vermag er auch nicht zu präsentieren. Er lässt zwar kurz die Essenz der einstigen Unruhen anklingen - "ihr habt euch ausgetobt, danach ward ihr wieder allen egal - kann aber nicht wirklich ein Heilmittel präsentieren. Allein, dass man im Angesicht des WM-Sieges zusammen für Frankreich steht, scheint etwas wenig.

So bleibt es bei einem nüchternen Blick auf gegenwärtige Zustände. Und der Ausblick des Filmemachers ist nicht gerade optimistisch. "Die Wütenden" gehört nicht zwingend zur Kategorie jener Filme, durch die man sich gut unterhalten fühlt. Ungeachtet dessen ist das Geschehen interessant, emotional und macht nachdenklich.

Genre: Drama; FSK: 16 Jahre; Laufzeit: 106 Minuten; Verleih: Alamode; Regie: Ladj Ly; Damien Bonnard, Alexis Manenti, Djebril Zonga; F 2019

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