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Bombshell
MeToo - Was schon davor geschah

Stefan Klug / 04.06.2020, 16:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Sie haben Fox-News mit zum Durchbruch verholfen. Gretchen Carlson und Megyn Kelly gehören zu den Gesichtern des Nachrichten-Senders. Doch nun wenden sie sich gegen ihren Arbeitgeber. Unglaubliche Belästigungsvorwürfe stehen im Raum.

Erhoben werden die vor allem von Carlson, deren Vertrag nicht mehr verlängert wird. Sie bringt den Stein ins Rollen, wohl gegenwärtig, dass der Sender um den einflussreichen Boss Roger Ailes gnadenlos zurückschlagen wird. Solange Gretchen allein in den Kampf zieht, scheinen ihre Aussichten auf Erfolg auch eher gering. Das wird ihr von den Anwälten immer wieder als Warnung mitgegeben. Doch dann wendet sich das Blatt. Denn mit Kelly steigt eine weitere Berühmtheit mit in den Ring und Dutzend weitere Frauen melden sich. Dieser breiten Front kann sich auch Eigner Rupert Murdoch nicht entziehen.

Im Zusammenhang mit der MeToo-Bewegung ist vor allem immer von Filmproduzent Weinstein und anderen Hollywood-Größen die Rede. Der erste Belästigungsskandal dieser Größenordnung in den USA datiert aber vor der Erfindung des berühmten Hashtags. Dass sich die Vorkommnisse ausgerechnet im Umfeld des erzkonservativen TV-Sender abspielten, gab den Geschehnissen noch eine besondere Brisanz. Dennoch blieb die öffentliche Anteilnahme erstaunlich zurückhaltend. Lag es daran, dass die beiden Aushängeschilder durchaus erfolgreich im Haifisch-Becken Fox-News mitmischten? Oder daran, dass sie am Ende eine millionenschwere Entschädigung erwartete? Jay Roach lässt diese Frage unbeantwortet, legt sie ins Ermessen des Zuschauers. Er zeigt anhand der fiktiven Figur Kayla Pospisil aber, wie das System funktionierte. Ailes macht berufliche Avancen für den Fall, dass die Damen sich auf ihre Fernsehtauglichkeit hin prüfen lassen, sprich Haut zeigen. Die Tür zu seinem Büro ist dabei ver- aber nicht abgeschlossen, ein Gehen also jederzeit möglich. Damit freilich wäre die Karriere vorbei, eh sie richtig begonnen hat. Diese Machtstellung nutzte der Boss über Jahre hinweg aus.

Das Dreigestirn Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie gibt dem Geschehen ein Gesicht. Die eine mittendrin, die andere abserviert und die dritte schließlich desillusioniert. Auf den ersten Blick jedoch scheinen sie alle gleich, blond, schön, unnahbar - der gewohnte Typus TV-Frau im US-Fernsehen. Austauschbar eben, was das System Ailes erst ermöglichte. Vor allem Theron und Kidman spielen, in fast bizarr starre Masken verwandelt, ihre Charaktere mit erstaunlicher Kühle. Auch hier überlässt Roach es vor allem dem Zuschauer, Sympathien zu entwickeln. Mit einem fetten John Lithgow als Ailes am Rollator erinnert dann eine der Schlusseinstellungen an die Weinstein-Gerichtsauftritte. So, als wolle man dem Publikum noch mitgeben, dass dieser Belästigungsskandal durchaus vergleichbar mit dem MeToo-Auslöser sei.

Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 109 Minuten; Verleih: Eurovideo; Regie: Jay Roach;Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie; USA 2019

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