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Zwingli - Der Reformator
Luthers Konkurrent

Stefan Klug / 12.06.2020, 16:09 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ein junger Mann sorgt 1519 für Aufruhr in Zürich. Denn der neue Leutpriester am Grossmünsterstift predigt die Bibel nicht in Latein, sondern in Deutsch. Jener Ulrich Zwingli ist es, der die Reformation in die Schweiz bringt. Nicht zusammen mit Luther, sondern als Konkurrent desselben.

Und da Zwingli das Söldnertum ebenso ablehnt wie die Stadtoberen, geben die ihm auch freie Hand, wie er das Evangelium den Gläubigen vorträgt. Der Prister ist dabei durchaus radikal und stellt gewissermaßen alles in Frage, was die Kirche bisher ausmacht. Fegefeuer gibt es nicht, Fasten verlangt die Bibel nicht, Klöster sollten geschlossen und deren Besitz in Stadteigentum übergehen, um damit die Armen zu versorgen. Das reizt natürlich die Kirche. Es kommt zum Streitgespräch, an deren Ende sich Zwingli durchsetzt. Der lässt den Prunk aus den Kirchen räumen und hat schließlich als Erster eine Bibel ins Deutsche übersetzt. Doch zum Schulterschluss mit Luther kommt es nicht. Im Gegenteil. Das gibt den Gegnern der Reformation in der Schweiz Raum und auch in den eigenen Reihen regt sich Widerstand.

Der Name Zwingli dürfte hierzulande nur wenigen etwas sagen. Als Begründer des Protestantismus gilt Luther. Das freilich sehen die Schweizer ein wenig anders. Und so ist Ralf Haupt angetreten, den historischen Horizont des Publikums zu erweitern. Sein zweistündiges Biopic führt gekonnt nach Zürich vor 500 Jahren und lässt Teile der Stadt sehenswert auferstehen. Ebenso gut positioniert er seine Hauptperson, hält das Maß der sonst wichtigen Handelnden gering und sorgt damit für Verständlichkeit. Allerdings vereinfacht der Regisseur auch viele Dinge. Der Abendmahlstreit mit Luther ist dem Laien ohnehin nicht zu erklären. Insofern hätte man diese Episode, die nur in der Erzählung stattfindet, auch weglassen können. Dass der Rat geradezu bereitwillig dem ja eigentlich ketzerischen Treiben zustimmt oder die Äbtissin der Auflösung des Klosters, geht etwas zu glatt über die Bühne. In anderen Städten wurden Menschen fürs Fleischessen in der Fastenzeit zum Tode verurteilt.

Aber generell behält der Zuschauer schon den Überblick übers Geschehen, wobei aber das zeitliche Gefühl verloren geht. Immerhin umfasst die Darstellung zwölf Jahre. Am Ende sind vielleicht nicht alle Fragen beantwortet, hat man zur Person Zwingli nicht wirklich viel erfahren. Aber immerhin weiß man, dass lange vor Luther bereits jemand eine deutsche Version der Bibel vorlegte. Das in eine entsprechende Kulisse verpackt sorgt für historisch abwechslungsreiche Unterhaltung.

Genre: Drama; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 128 Minuten; Verleih: W-Film; Regie: Stefan Haupt; Max Simonischek, Sarah Sophia Meyer, Anatole Taubman; CH 2019

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