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JoJo Rabbit
Hitler, bester Freund

Stefan Klug / 13.06.2020, 16:24 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Jetzt wird er zum Mann. Mit der Aufnahme ins Jungvolk sieht sich JoJo auf dem richtigen Weg. Eine Karriere bei der Wehrmacht ist sein Ziel. Dabei unterstützt ihn ein einflussreicher väterlicher Freund - Adolf Hitler.

Der steht dem Zehnjährigen natürlich nicht wirklich zur Seite. Zwiegespräche mit dem großen Diktator spielen sich nur in der Gedankenwelt des Jungen ab. Die haben allerdings Auswirkung auf das richtige Leben. Und so landet JoJo erstmal schwer verletzt im Krankenhaus und muss fortan eher niedere Dienste für die Kameraden erledigen. Das macht ihm wenig aus, ist es doch für eine große Sache. Sein Weltbild gerät allerdings ins wanken, als er entdeckt, dass seine Mutter ein jüdisches Mädchen versteckt. Anfangs versucht JoJo, sich dem gegenüber mit Hilfe seines natürlich stramm auf Linie getrimmten Freundes zu behaupten. Doch mit der Zeit kann er seine Vorstellungen vom Juden nicht mehr aufrecht erhalten. Und das, obwohl er gar eine Abhandlung über diese zusammen mit Hitler, basierend auf eigenen Erfahrungen verfasst.

Charlie Chaplin war der Erste, der sich dem Grauen des Nazianalsozialismus von der satirischen Seite näherte. Einige Filmemacher haben sich ebenfalls an dieser Thematik mit mehr oder minder großem Erfolg versucht. Zu denen gehört nun auch Taika Waititi. Und das der Neuseeländer dabei erfolgreich war, wurde ihm mit einem Oscar für die beste Drehbuchadaption bescheinigt. Ähnlich Quentin Tarantino in "Inglourious Basterds" setzt er auf das Zweigespann von bekannten Gesichtern und teils bis zur Groteske überdrehten Handlungsabschnitten. Das betrifft vor allem die ersten 20 Minuten, die in die Gedankenwelt des Steppkes einführen und dessen besondere Beziehung zu Hitler klären sollen. Wie er mit dem um die Häuser zieht oder ins Zwiegespräch vertieft ist, ihn teils als coolen Typen zeigt, wäre wohl in einer deutschen Produktion unmöglich gewesen. Und weil er die Gesamtdarstellung des Diktators für überzeugend hielt, ist der Regisseur gleich selbst in dessen Rolle geschlüpft.

Das alles freilich folgt einem tieferen Sinn. Denn durch die Personifizierung des imaginären Freundes macht Waititi bildlich und für alle sichtbar, wie die Nazi-Ideologie in den Köpfen schon der Kleinsten steckte. Und in welchen Widerspruch diese gerieten, wenn das Weltbild durch Begegnungen und Erfahrungen - hier mit dem jüdischen Mädchen - beschädigt wird. Der Steifen macht aber aus der gesamten Handlung ein satirisches Konstrukt. Scarlett Johansson als Mutter etwa spaziert fast wie in einem Heimatschinken, mitunter fröhlich winkend, durch die Gegend und Sam Rockwell - voll in seinem Element - gerät statt zum strammen Hauptmann seiner Einheit eher zum Zeremonienmeister des Klamauks. Doch genau darin verfällt Waititi nicht. Mitunter plötzlich und unerwartet holen den Zuschauer hochdramatische Momente in die grausame Wirklichkeit jener Zeit zurück. Das dann gefrierende Lachen umschreibt wohl am besten den Stimmungsumschwung.

Wie kaum anders zu erwarten kann der Film den fulminanten Beginn nicht ganz durchhalten. Was zum Teil natürlich auch an der thematischen Entwicklung liegt. Waititi ist dennoch bemüht, den satirischen Grundton bestimmend zu lassen. Das gelingt gut, es gibt aber ebenso hoch emotionale und dramatische Momente. Und am Ende beantwortet er die Frage, ob man über solch eine Thematik auch lachen darf ganz klar mit: Man muss!

Genre: Satire; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 108 Minuten; Verleih: 20th Century Fox HE; Regie: Taika Waititi; Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Scarlett Johansson; NZ 2019

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