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Kirstin Rabe begeistert sich für Farben / Zur Kunst kam die Schildowerin erst im zweiten Anlauf

Kunstpreis: Den Wolken ein Stück näher

Künstlerin Kirstin Rabe
Künstlerin Kirstin Rabe © Foto: MOZ/Claudia Seiring
Claudia Seiring / 22.05.2015, 19:55 Uhr
Schildow/Berlin (MOZ) Es gibt diese Morgenstunde, ganz für sie allein. Wenn die beiden Kinder in der Schule sind, das frühe Tagesprogramm der Familie geschafft ist, dann geht Kirstin Rabe mit ihrem Kaffee durch den Garten ihres Hauses in Schildow (Oberhavel). Innehalten, sich umschauen, das Grün, den Himmel betrachten. Kraft tanken und Farben sehen, Wolken entdecken, Ideen sammeln für ihre Bilder.

"Wolkenstück" heißt ihre aktuelle Serie, mit der sie sich auch für den Brandenburgischen Kunstpreis beworben hat. Bilder, die Wolken einzufangen scheinen, die flüchtigen Gebilde bannen, ohne sie zu fesseln. Zarte Töne, viel Weiß, helles Blau und der violette Widerschein der Sonne. "Im ersten Jahr hier habe ich mit grelleren Farben gearbeitet. Das wäre mir jetzt zu viel", sagt Kirstin Rabe und blickt auf ihre Wolken.

"Hier", das ist ihr Atelier im Berliner Wedding, das sie 2011 gemeinsam mit einer Kollegin eröffnet hat. Damit ist sie den umgekehrten Weg vieler Künstler gegangen, die zwar in Berlin leben, ihre Ateliers aber im Brandenburgischen besitzen. Umwege kennzeichnen Kirstin Rabes Weg zur Kunst - obwohl die 43-jährige schon immer gerne gemalt und gezeichnet hat.

1971 in Hamburg geboren, eröffnet ihr ein "toller Lehrer" die Welt der Kunst. Trotzdem studiert sie zunächst Vermessungswesen, arbeitet danach in einem Büro zum Thema Geoinformationssysteme. "Es war sehr eintönig, mir fehlte etwas", erinnert sie sich. Mit ihrem Mann, einem Fahrzeugingenieur, geht sie nach Berlin und 2004 für zwei Jahre nach Südkorea. "Das war Neuland für uns, ein Kulturschock. Einerseits ist das Land westlich orientiert, andererseits sehr traditionell." Die Familie, 2003 ist Tochter Kristina geboren, lebt in einem Vorort von Seoul, Kirstin Rabe besucht oft das Museum für zeitgenössische Kunst, lässt sich inspirieren und ist begeistert von der Farbigkeit Südkoreas.

Zurück in Berlin, nimmt sie einen "zweiten Anlauf für die Kunst", wie sie es nennt. An der privaten Kunstschule "Kunstgut" in Kreuzberg beginnt sie ein Studium, fühlt sich wieder und wieder zur Farbe hingezogen. Sie experimentiert: Auf handgeschöpftem Papier bringt sie unterschiedliche Materialien auf, arbeitet mit Pigmenten, kratzt Schichten ab und trägt neue auf. So entstehen farbige Flächen, schrundig, nie glatt. Und sie probiert immer Neues aus. Ihre Installation "Wald" besteht aus etwa 1400 Blatt handgeschöpftem Papier, die miteinander verbunden sind. Wie ein riesiger Baumpilz sieht das knapp zwölf Quadratmeter große Werk aus, archaisch und zart, fordernd und verletzlich zugleich.

Erste Ausstellungen machen ihr Mut, ein eigenes Atelier zu eröffnen. Doch es ist ein Spagat zwischen Kunst und Alltag: 2007 ist die Familie nach Schildow gezogen, 2008 wird Sohn Felix geboren. Die Künstlerin Kirstin Rabe muss sich ihre Zeit gut einteilen: zwischen dem Familienleben und den Freiräumen, die sie für ihre Kreativität braucht. "Voriges Jahr stand ich vor der Entscheidung, weitermachen oder umorientieren? Und mir wurde klar, das hier ist mein Weg."

Mit den Wolkenstücken hat sie sich 2014 auch beim Künstlerinnen-Verband Gedok beworben und wurde aufgenommen. "Aufbruch" ist das Thema, das sie nach der Krise im vorigen Jahr umtreibt. "Meine nächste Serie wird landschaftlich. Ich werde versuchen, Landschaft einzufangen." Sie habe bereits Bilder im Kopf. Und irgendwann will sie ihr Atelier nach Schildow verlegen. Nach dem Gang durch den Garten einfach mit der Malerei loslegen und nicht erst ins Auto steigen müssen. Die zierliche Frau, die nicht viele Worte macht, strahlt mehr Sicherheit aus, als sie selbst zu glauben scheint. "Farben haben mich schon immer beschäftigt. Als Kind habe ich viel über Farben nachgedacht und mir überlegt, ich könnte eine neue Farbe erfinden." Vorstellbar ist das.

www.kirstinrabe.de

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