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Nachlese zum Brandenburgischen Kunstpreis in der Eberswalder Märchenvilla

Tiefere Einblicke ins Werk

Mitarbeiter Frank Käubler legt in der Märchenvilla Eberswalde letzte Hand an die Ausstellung mit Arbeiten von Preisträgern und Teilnehmern des Brandenburgischen Kunstpreises der Märkischen Oderzeitung und der Stiftung Schloss Neuhardenberg
Mitarbeiter Frank Käubler legt in der Märchenvilla Eberswalde letzte Hand an die Ausstellung mit Arbeiten von Preisträgern und Teilnehmern des Brandenburgischen Kunstpreises der Märkischen Oderzeitung und der Stiftung Schloss Neuhardenberg © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Inga Dreyer / 08.11.2017, 20:20 Uhr - Aktualisiert 10.01.2018, 13:45
Eberswalde (MOZ) Meist hängen in Ausstellungen bunte Bilder vor einfarbigen Wänden. In der Eberswalder Märchenvilla ist es andersherum. Großformatige, in pastelligen Blau- und Weißtönen gehaltene Werke leuchten dort vor dunkler, gemusterter Stofftapete. Carola Czempiks Bilder bringen Wind und Meer vor edlen und ernsten Hintergrund. Beim zweiten Hinschauen lassen sich auf einigen die Umrisse von Kleidungsstücken erkennen - Röcke, eine Strumpfhose. Feine Silhouetten hat die Künstlerin aus Glienicke auf dünnes Japanpapier genäht und ins Bild gewebt. Das Nähen liege in der Familie, erzählt sie. Ihre Vorfahrinnen waren Schneiderinnen, nahmen ihr Handwerk im Zweiten Weltkrieg bei ihrer Flucht mit in die Fremde und überlebten so.

Das Flüchten und das Flüchtige, vom Sturm Verwehte sind Themen, die die Künstlerin zu ihrem Projekt "Windsbraut" inspirierten. Von der Braut sind nur noch die Kleider geblieben, hinweggeweht vom Sturm. Teile der Serie sind seit Dienstagabend bei der Nachlese zum Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung und der Stiftung Schloss Neuhardenberg in der Eberswalder Märchenvilla zu sehen. "Ich arbeite ausschließlich mit Pigmenten", erzählt Carola Czempik. Kobalt, Marmor, Quarz, weiße Tonerde, Schiefer- und Granitmehle verwendet sie für ihre Farben, mit denen sie 40 bis 50 dünne Schichten aufträgt. Das Hellblau der Bilder findet sich in der mit Engeln bemalten Decke der Märchenvilla wieder. Die Ausstellung ihrer Werke im opulenten Ambiente dieses Hauses gefalle ihr gut, erzählt die Künstlerin. Früher habe man auch Gemälde vor Stofftapeten gehängt. "Das nimmt etwas von der Tradition auf."

Für die Ausstellungsmacher ist dieser Ort immer wieder eine Herausforderung. "Die Wucht der Tapete machte uns Angst", verrät Frank Mangelsdorf, Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung, in seiner Eröffnungsrede. Kurator Peter Liebers erzählt, dass er dieses Jahr weniger Künstler, aber von ihnen jeweils mehr Werke ausgewählt habe. So solle ein tieferer Einblick ins Werk ermöglicht werden.Zum Thema

16 Künstler sind in der Schau vertreten, darunter die diesjährigen Kunstpreis-Gewinnerinnen Sophie Natuschke, Sylvia Hagen, und Eva Paul sowie Nachwuchsförderpreisträgerin Christiane Bergelt. Zu sehen sind außerdem Werke von Susanne Pomerance, Steffen Mertens, Dorit Bearach, Ralf Hentrich und Ina Abuschenko-Matwejewa. Viele der Arbeiten waren bisher weder in Neuhardenberg noch im Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) zu sehen.

Auch die Skulptur "Pause" und grafische Werke der Eberswalder Künstlerin Gudrun Sailer sind dort zu sehen. Auf den Bildern zeichnen sich schemenhafte Figuren vor gedeckten Farben ab. "Ich finde, das ist eine echte Entdeckung", erklärt Peter Liebers.

Für EWE sei es eine Ehre, die Märchenvilla für solche Veranstaltungen zu Verfügung zu stellen, betonte der Generalbevollmächtigte Ulrich Müller. "Seien Sie sicher, dass Sie auch im nächsten Jahr eine Einladung bekommen werden." Dieses Bekenntnis dürfte viele im Saal gefreut haben. Besonders rührende Worte fand der Kulturjournalist Jürgen Liebing, für den der Kunstpreis ein Herzensprojekt ist. Nun könne er sagen: "Do it again, Sam", erklärt er in Anspielung auf die Zeile "Spiel' es noch einmal, Sam" aus dem Film "Casablanca". Pianist Søren Gundermann greift daraufhin am Flügel die berühmte Melodie von "As Time Goes By" auf.

Eberswaldes Kulturamtsleiter Stefan Neubacher sagt: "Für uns ist es eine große Freude, dass wir hier eine so hochkarätige Ausstellung haben." Vielleicht seien die Räume an sich für einige Besucher auch schon ein Grund vorbeizukommen. Schließlich sei die Märchenvilla nur zu bestimmten Anlässen zugänglich.

Besucht werden kann die Ausstellung an fünf Nachmittagen oder nach Terminvereinbarung. Am 25. November ist das Klavierduo Wang & Koltun zu Gast und spielt inmitten der bildenden Kunst unter anderem Werke von Beethoven, Chopin und Schumann.

Bis 17.12., Kunstpreis-Nachlese, Märchenvilla, Brunnenstr. 9, Eberswalde geöffnet: 11.11., 23.11., 25.11., 2.12., 9.12., jeweils 13-17 Uhr, zusätzliche Terminvereinbarung unter Tel. 0151 41622285; Konzert mit dem Klavierduo Wang & Koltun am 25.11., 16 Uhr, Karten in den Tourist-Informationen Eberswalde, Bernau und Wandlitz, www.pianowerke.de

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