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Ausstellung
Die Welt in eine Ordnung bringen

KAlender Atak
KAlender Atak © Foto: Edition Peix
Stephanie Lubasch / 02.12.2017, 09:21 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Nur schauen allein - das reicht nicht. Wer vor den Arbeiten von Sabine Barber steht, der will sie in den meisten Fällen auch berühren. "Es muss einem durch die Finger gehen wollen", sagt die Frankfurter Künstlerin selbst. Ihre Bilder, Wandteppiche und Objekte sprechen immer auch das haptische Gefühl an. Satt Pinsel und Leinwand sind ihre Arbeitsmittel dabei Stoffe, Folien, Papier - und immer wieder das, worauf Sabine Barber in der Natur trifft: Samen, Blätter, Früchte. Eingenäht, in Muster und Struktur gebracht, trotzen sie in ihren Arbeiten der Vergänglichkeit.

Zum, wie sie betont, letzten Mal hat die 76-Jährige sie nun für eine Ausstellung in Szene gesetzt. Noch bis kurz vor Weihnachten kann man einen Querschnitt aus dem Schaffen der gebürtigen Stettinerin, die 1965 an die Oder kam, in der Frankfurter Spectrumgalerie sehen. Das "Goldhähnchen" zum Beispiel, einen ganzen Vorhang nur aus Blättern, jedes eingenäht in eine Plastikfolie. Die immer gleiche Form aus buntem Papier gefaltet und aufgenäht hat Sabine Barber für ihre Arbeit "Integration", mit der sie sich 2016 um den Brandenburgischen Kunstpreis beworben hat. Ebenfalls aus farbigem Papier sind die schmalen, mit feinem Stich am Untergrund befestigten Streifen unter dem Titel "Energetisch". "Viel Rot" wiederum setzt stofflich das Quadrat in Szene.

Neben Assemblagen aus kleinen Samenblättern kann man in der Ausstellung auch ältere und weniger bekannte Werke der Künstlerin sehen - die augenzwinkernde "Reise zu den Wurzeln" beispielsweise, für die Sabine Barber im großen Format viele kleine Zahnnegative nebeneinandergesetzt hat. Teile verschiedener Knopfleisten sind das Thema auf dem Wandteppich "Knopflochreihung" von 1984. Auf anderen frühen Arbeiten collagiert Sabine Barber Spitze mit Geknüpftem, Naturmaterialien mit Textilem.

Tradition zu bewahren und aus ihr heraus Neues entstehen zu lassen, das sei ihr Anliegen, hat sie einmal gesagt. Den Umgang mit Nadel und Faden und die verschiedenen Techniken hat Sabine Barber noch von ihrer Mutter gelernt. Die künstlerische Tradition der Familie setzt ihr Sohn Georg fort, der unter dem Namen Atak erfolgreich als Comiczeichner arbeitet und eine Professor für Illustration an der Burg Giebichenstein inne hat. Eine Auswahl von Kalenderblättern, die er für die Edition Peix gestaltet hat, ergänzt die Ausstellung seiner Mutter. Bilder, auf denen es nur so wimmelt von Figuren und Einfällen. Auf dem Blatt "Freunde" laufen so detailreich gestaltet die geflügelten Spieler des 1.FC Himmelweiß gegen die von Arsenal Rot-Schwarze Hölle auf; "Absurdität" zeigt einen Friseur bei der Arbeit, die Kippe im Mund, mit einem Kunden, dessen Haarturban bis unter die Decke reicht und offenbar schon einige Untermieter beherbergt.

Es ist vor allem die Neugier auf die Welt, die Sabine und Georg Barber in ihrer Kunst verbindet. Während die Mutter sie in eine Ordnung zu bringen sucht, baut der Sohn sie nach mit seinen fantastischen Figuren. Ihnen bei dieser spannenden Unternehmung zu folgen, ist nun Gelegenheit.

Bis 21.12., Mo-Fr 10-16 Uhr, Sa nach Vereinbarung, Spectrumgalerie, Baumschulenweg48, Frankfurt (Oder), Tel. 0178 7284492

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