Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kunstpreis
Ausstellung im Vorzimmer

Gabriele und Raymund Stolze haben vor fünf Jahren die Rathaus Galerie in Hoppegarten gegründet.
Gabriele und Raymund Stolze haben vor fünf Jahren die Rathaus Galerie in Hoppegarten gegründet. © Foto: MOZ
Inga Dreyer / 09.01.2018, 21:13 Uhr
Hönow (MOZ) Das Wohnzimmer der Stolzes verrät viel über das Paar: Seine Liebe zur Kunst etwa, ausgedrückt in zahllosen Bildern an den Wänden des großen Raumes mit Fensterfront zum Garten. Warmes Licht, gemütliche Sessel, Stapel von Zeitschriften: Gabriele und Raymund Stolze könnten es sich hier in der Hönower Vorstadtidylle (Märkisch-Oderland) bequem machen, in diesem Haus, das die Architektin selbst entworfen hat. Doch die beiden gehen einen anderen Weg. Einen anstrengenderen, intuitiv beschrittenen Weg, auf dem ein Schritt den nächsten ergab.

Angefangen hat alles damit, dass Gabriele Stolze wieder malte. Inzwischen feiert die von ihr künstlerisch betreute Rathaus Galerie Hoppegarten ihren fünften Geburtstag. Die promovierte Architektin, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bauakademie und nach der Wende im Stadtplanungsamt in Berlin-Pankow arbeitete, hat in Dresden studiert. Auch Aktzeichnen, Raum- und Farbgestaltung standen auf dem Stundenplan.

Als sie in Rente ging, habe sie wieder intensiver angefangen zu zeichnen - vor allem Architektur wie die Hönower Dorfkirche und das Herrenhaus in Hoppegarten. "Das liegt nahe, weil ich eine Affinität zum Bauen habe", erzählt sie.

Gabriele Stolze begann, sich im Hönower Kreativzirkel zu engagieren. Als dieser gebeten wurde, Bilder im Foyer des Rathauses in Hoppegarten zu zeigen, ergab ein Schritt den nächsten. Ab dem 12. Dezember 2012 wurden dort erstmals Werke von Gabriele Stolze gezeigt. "Dann dachten mein Mann und ich: ,Warum sollten wir dort nicht immer Bilder hinhängen?'".

Hoppegartens Bürgermeister Karsten Knobbe (Linke) war einverstanden. Er habe damals gesagt, er sei für alles, was das Rathaus schöner mache, erzählt Gabriele Stolze. Um die neue Galerie zu betreiben, gründeten die Stolzes die Gruppe "mach art" innerhalb des Hönower Bürgervereins.

So ein Rathausfoyer sei kein geborener Ausstellungsort, sondern ein funktionaler Raum - mit Glaskästen, Aushängen und Hinweisschildern. "Optimal ist das natürlich nicht", sagt Raymund Stolze. Für größere Plastiken ist kein Platz, und am Wochenende bleibt die Galerie geschlossen. Aber der Ort hat entscheidende Vorteile: Die Galeristen müssen keine Miete zahlen - und es gibt viel Publikumsverkehr. "Auch Leute, die nie in eine Galerie gehen würden, kommen automatisch vorbei", betont der Journalist Raymund Stolze, der seine Frau unter anderem bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Er war es auch, der seine Liebe zur Fotografie einbrachte.

Neben Fotografie und den Ausstellungen regionaler Künstler bildet die Nachlese zum Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung und der Stiftung Schloss Neuhardenberg eine dritte Säule im jährlichen Ausstellungsplan. Aus der Fülle der Bewerbungen picken die Stolzes jedes Jahr eine Reihe von Werken heraus, die sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollen, und zeigen sie in Hoppegarten. Bis Mitte Februar sind dort noch Arbeiten von 13Künstlerinnen zu sehen. Danach werden Bilder des syrischen Malers Mahmoud Shekhani gezeigt, der als Flüchtling nach Deutschland kam und Bilder reproduziert hat, die im Krieg verlorengegangen sind.

Eine vierte Reihe widmet sich Karikaturen - mit großem Erfolg. "Das ist zum Highlight geworden", sagt Gabriele Stolze. Ob Klaus Stuttmann, Erich Rauschenbach oder Barbara Henniger: "Von den Karikaturisten hatten wir die erste Garnitur da", sagt sie und lacht. Inzwischen habe die Galerie schon eine gewisse Bekanntheit erlangt. "Seit einiger Zeit melden sich Künstler selbst."

In unregelmäßigen Abständen lädt Raymund Stolze außerdem zu Filmen und Lesungen der Reihen "Einfach lesen!" und "Einfach sehen!". 2018 soll "Einfach hören!" mit Konzerten hinzukommen. Die Stolzes beweisen immer wieder Hartnäckigkeit. "Der Anklang gibt uns eigentlich Recht. Wir wollen diese Vielschichtigkeit."

Die Gemeinde hilft mit Handwerkern beim Aufbau der Ausstellungen und finanziert den Druck von Begleitheften, auch die Sparkasse unterstützt. Gabriele und Raymund Stolzes Engagement jedoch ist ehrenamtlich. Im Gegensatz zu Galerien, die auf Einnahmen angewiesen sind, nehmen sie keine Provision. Den Erlös aus Verkäufen behalten die Künstler zu hundert Prozent.

Inzwischen ist Gabriele Stolze 69, ihr Mann Anfang 72. Sie sind seit mehr als 50 Jahren ein Paar und ein eingespieltes Team, das sich jedoch über weitere Engagierte sehr freuen würde. Die Stunden, die sie in ihre Projekte hineinstecken, lassen sich nicht zählen. Das zu beklagen, liegt ihnen jedoch fern. "Wenn man so etwas macht, muss man sich darauf einlassen, dann darf man nicht jammern", sagt Raymund Stolze.

Ein weiteres Projekt der Stolzes ist die "Kunst am Straßenrand", bei der sie in einem Schaufenster in Hönow Werke von Künstlern zeigen. "Das ist die kleine Schwester der Rathaus Galerie", sagt Gabriele Stolze lächelnd.

"Nachlese 5", bis 15. Februar, Mo/Fr 9-12 Uhr, Di 9-12 Uhr/ 14-19Uhr, Do 9-12/13-17 Uhr, Rathaus Galerie Hoppegarten, Lindenallee 14, Hoppegarten; Finissage am 15. Februar um 17 Uhr

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG