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Zwischen Transparenz und Schatten

Von Australien nach Deutschland: Sue Hayward in ihrem Teltower Atelier.
Von Australien nach Deutschland: Sue Hayward in ihrem Teltower Atelier. © Foto: Inga Dreyer
Inga Dreyer / 23.01.2018, 20:48 Uhr - Aktualisiert 24.01.2018, 13:22
Teltow (Inga Dreyer ) Mit geschlossenen Augen scheint der junge Mann in sich hineinzublicken. Sein gelbes Haar flammt vor violettem Hintergrund, seine Gesichtshaut scheint blass, fast weiß. Bei genauem Hinschauen wird deutlich: Sie ist transparent. Durch das zarte Gewebe des Bildes schimmert eine weitere Ebene. Der Ausdruck des Gesichtes ändert sich, wenn sich der Betrachter bewegt.

Die Malerin Sue Hayward, die ihr Atelier in einem Gartenhaus in Teltow (Potsdam-Mittelmark) hat, hat das Spiel mit den Ebenen perfektioniert. Sie malt auf dünner Gaze, fast durchsichtigem Gewebe. Bei einigen Bildern fügt sie in einigem Abstand eine zweite, bemalte Fläche ein. Sie klopft auf die Rückseite eines der Porträts: Holz.

Die beiden Ebenen aufeinander abzustimmen, ist ein langwieriger Prozess. Manchmal nehme sie die Rückseite bis zu 50 Mal wieder heraus, verändere etwas und setze sie wieder ein, um das Ergebnis zu begutachten. Nicht nur der Betrachtungswinkel, auch das Licht hat Einfluss auf die Wirkung ihrer Bilder. Die erste Ebene wirft Schatten, macht Körper und Gesichter plastischer, beweglicher. „Die Aussage ist, dass wir uns ständig ändern“, erklärt Sue Hayward.

Die Farben trägt sie in vielen Schichten mit Spachteln auf. Sie benutzt Malbutter aus Bienenwachs, in das sie Farbpigmente oder Ölfarben mischt. Es ist unmöglich, ihre Werke fotografisch festzuhalten. Mit der fehlenden Räumlichkeit gehen deren Tiefe und Ambivalenz verloren. „Ein Foto erfasst nur einen Moment. Aber das ist nicht, wie wir sind“, sagt sie.

Ihr eigenes Leben bewegt sich zwischen zwei weit voneinander entfernten Polen. Die Mittfünfzigerin stammt aus Australien, hat in Brisbane und Sidney Kunst studiert. Wie viele Australier wollte sie nach dem Abschluss auf Bildungsreise durch Europa gehen, der Heimat ihrer Vorfahren. Sie hatte schon ihr Flugticket, als sie ihren Mann kennenlernte, einen Deutschen. Später einigten sie sich auf Berlin als Wohnort. Doch eigentlich hatte sie nie vor zu bleiben.

„Je mehr ich in die Kunstwelt eingetaucht bin, desto schwerer wird es zurückzukehren“, sagt Sue Hayward. Sich einmal einen Namen zu machen, ist hart genug. „Wenn man anfängt, etwas Erfolg zu haben, kann man nicht wieder weg.“

Inzwischen hat sie zwei erwachsene Kinder, wohnt und arbeitet seit zwölf Jahren in Teltow. „Ich war lange in Berlin und habe es nie gemocht, in einer Wohnung zu wohnen“, erzählt sie. Inzwischen sind auch in Teltow viele neue Häuser entstanden. Doch von ihrem Atelier aus blickt sie noch immer auf die hinter dem Garten liegenden Felder. „Am Anfang hatten wir das Gefühl, dass wir ganz weit weg von der Stadt sind.“

Früher habe sie das Heimweh nach Australien und der Natur dort fast krank gemacht. „Jetzt kann ich besser damit umgehen.“ Bezüge zur Heimat zeigen sich in ihren Bildern vor allem in Form von typisch australischen Vögeln. „Sie sind sehr laut, sehr bunt und sehr präsent“, erzählt die Künstlerin. Sie malt Ibisse, elsterähnliche Magpies oder auch Sandläufer. Bei Skulpturen und auf Bildern thronen Vögel auf Köpfen von Menschen. Sie scheinen ihren Gedanken zu entspringen. „Das spiegelt die Sehnsucht wider“, sagt Sue Hayward, die auch in Brandenburg ein Stück Heimat entdeckt hat – in der Person des Australienforschers Ludwig Leichhardt, der 1813 in Trebatsch (Oder-Spree) geboren wurde. „In Australien ist er total berühmt“, erzählt sie.

Die Idee, ihm ein Denkmal zu errichten, hatte sie schon vor vielen Jahren. Zu seinem 200. Geburtstag hat das Land schließlich aus Lottomitteln Geld zur Verfügung gestellt, um ihre Stele aus Stahl und Glas am Schwielochsee zu realisieren.

Auch bei Skulpturen arbeitet Sue Hayward mit Transparenz und Schatten. 2017 hat sie für die Höhler Biennale in Gera ein Werk geschaffen, das in dem Labyrinth unter der Altstadt zu sehen war. Regelmäßig bespielt sie zudem mit der Künstlergruppe ArtEvent leer stehende Gebäude der Region.

Im Moment arbeitet Sue Hayward an einer Ausstellung vom Kunstverein Würzburg. Wie im vergangenen Jahr plant sie auch 2018, sich für den Brandenburgischen Kunstpreis zu bewerben. Im Gegensatz zu früheren, expressiveren Werken seien ihre aktuellen Bilder sehr reduziert, erzählt sie. „Ich habe mich mehr auf den innerlichen Zustand konzentriert.“ www.suehayward.de

Ausschreibung: Einreichungsschluss für die digitale Bewerbung: 10. März; E-Mail-Adresse kunstpreis@moz.de oder unter der Postadresse Märkisches Medienhaus, Kunstpreis, Chefredaktion, Kellenspring 6, 
15230 Frankfurt (Oder).Informationen: 0335 5530511; 0151 41622285; 0151 11312162; E-Mail: kunstpreis@moz.de

Die Märkische Oderzeitung und die Stiftung Schloss Neuhardenberg laden Künstlerinnen und Künstler ein, sich für den Brandenburgischen Kunstpreis 2018 zu bewerben. Die mit Unterstützung von EWE zu verleihende Auszeichnung umfasst Werke der Malerei, Grafik und (Klein-)Plastik. Über die Vergabe der dotierten Preise entscheidet eine Jury unter Leitung von Frank Mangelsdorf. Bewerben können sich alle Künstlerinnen und Künstler, die im Land Brandenburg leben oder arbeiten. Die Anzahl der Einreichungen ist auf ein Werk begrenzt, das in den letzten zwölf Monaten entstanden sein soll. Die Bewerbung erfolgt mit der Übermittlung einer digitalisierten Abbildung, die für eine gedruckte Veröffentlichung geeignet sein sollte (mindestens 300 dpi als jpg- bzw. tiff-Datei). Eine Jury trifft aus diesen Einreichungen eine Auswahl für die Vergabe der drei Preise beziehungsweise die Auswahl für die damit verbundene Ausstellung in Neuhardenberg. Die Künstler der so ermittelten Arbeiten werden danach eingeladen, die Originalwerke einzureichen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Deshalb gehört zu den Bewerbungsunterlagen eine Vita in digitalisierter Form. Die Preisverleihung findet am Sonntag, 1. Juli 2018, 12 Uhr, auf Schloss Neuhardenberg statt. In diesem Rahmen wird auch der Ehrenpreis des Ministerpräsidenten, Dietmar Woidke, für ein Lebenswerk verliehen sowie der Nachwuchsförderpreis für bildende Kunst des Landes Brandenburg, gestiftet von der Ministerin für Kultur, Martina Münch. Hierfür erfolgt eine gesonderte Ausschreibung. Erstmals wird der Brandenburgische Kunstpreis auch in der Kategorie Fotografie verliehen, was der Ostdeutsche Sparkassenverband ermöglicht.

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