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Die Falkenseer Künstlerin Vanessa von Wendt spürt der Suche des Menschen nach Sinn und Wahrheit nach

Kunstpreis
Geflecht von Berührung und Beziehung

Meisterschülerin von Markus Lüpertz: Vanessa von Wendt in ihrem Atelier in Falkensee
Meisterschülerin von Markus Lüpertz: Vanessa von Wendt in ihrem Atelier in Falkensee © Foto: Inga Dreyer
Inga Dreyer / 31.01.2018, 08:45 Uhr
Falkensee Arme, Beine, Köpfe, Oberkörper: Wie farbige Ornamente wirken die Fragmente von Körpern vor schwarzem Grund. Der große Haufen Menschen entschlüsselt sich beim genaueren Hinsehen. Menschen halten Kinder im Arm, falten die Hände zum Gebet oder berühren einander sanft an der Schulter. Die Figuren auf den Bildern von Vanessa von Wendt bewegen sich in einem Geflecht von Beziehungen. „Bei mir ist der Mensch auf der Suche nach Sinn und Wahrheit“, sagt sie 33-jährige Künstlerin, die mit ihrer Familie in Falkensee (Havelland) lebt und arbeitet. Ihre Suche aber bewältigen ihre Figuren nicht allein, sondern in Beziehung zu dem, was sie von außen beeinflusst.

In Vanessa von Wendts Atelier, wo Bilder in verschiedenen Entstehungsphasen nebeneinander stehen, wird die Technik deutlich, die sie in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Mit Acrylfarben malt sie in einem eher intuitiven Prozess den Hintergrund. Die Leinwand liegt dabei auf dem Boden, damit die wässrigen Farben nicht zerfließen. Später zeichnet sie mit Kohle Formen auf die getrocknete Leinwand und füllt den Negativraum dann mit deckender Farbe. Die teilweise wie marmoriert aussehenden Flächen erhalten so eine harte Kontur und leuchten wie aus einem Rahmen heraus. „Bei diesen Bildern trifft sich abstrakte Malerei und Grafik“, erklärt Vanessa von Wendt, die ursprünglich aus Göttingen (Niedersachsen) stammt und an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf Freie Kunst studiert hat. Dort war sie Meisterschülerin bei dem berühmten Künstler und ehemaligen Rektor der Akademie, Markus Lüpertz.

Als freie Künstlerin arbeitet sie in Hagen (Nordrhein-Westfalen) und ging dann mit ihrem Mann, der ebenfalls Künstler ist, und den beiden Kindern für ein paar Monate nach Palma de Mallorca, um dort zu leben und zu arbeiten. Danach wollten sie nach Berlin. In Falkensee fand die Familie 2012 die Balance zwischen Ruhe und Nähe zur Stadt.

In ihren Figuren und Körperhaltungen, bei denen sich Bezüge zu antiken Darstellungen von Menschen finden lassen, drückt die Künstlerin allgemeine seelische Befindlichkeiten aus. Sie lässt sich dabei aus dem reichen Fundus der Kunstgeschichte inspirieren. Doch egal in welcher Zeit – sie glaube, dass der Mensch an sich immer derselbe sei. „Ich male ihn nackt ohne Jeans und Barockkleid, so wie er ist – oder ich ihn empfinde.“

Die christlichen Bezüge kommen nicht von ungefähr. Im Fernstudium studiert Vanessa von Wendt seit anderthalb Jahren katholische Theologie. Für die neuen Kirchenglocken der katholische Kirchengemeinde St. Konrad in Falkensee hat sie die Glockenzier gestaltet. Dafür hat sie ein Marienbild mit dem Jesuskind im Arm entworfen. Es sei für sie etwas ganz Neues gewesen, die Form in Wachs zu modellieren, erzählt die Künstlerin.

Themen, mit denen sie sich im Leben und im Glauben auseinandersetzt, beschäftigen sie auch künstlerisch. Trotzdem lassen sich ihre Werke auch außerhalb dieses Kontextes lesen, betont sie. Ihr Ziel sei nicht, Assoziationen zum Christentum zu wecken, sondern Betrachter zu berühren – von den Figuren, ihren Haltungen und Beziehungen.

Regelmäßig stellt Vanessa von Wendt in Einzel- und Gruppenausstellungen aus. Im vergangenen Jahr hat sie den Kunstpreis des Bundes Gelsenkirchener Künstler gewonnen und erhält vom Brandenburgischen Kulturministerium derzeit eine Atelierförderung. Emotion und Intellekt fließen in ihren Werken zusammen. Ihr Lehrbeauftragter an der Kunstakademie habe mal gesagt, sie solle aufhören zu denken und einfach malen, erzählt sie lächelnd. „Ich glaube aber, dass ich das bin.“

Trotzdem muss bei ihr nicht alles tiefgründig sein. Neben menschlichen Figuren malt sie auch Stillleben mit floralen Motiven. Auf einer 155 mal 250 Zentimeter großen Leinwand hat sie Kürbisblätter aus ihrem Garten verewigt, auf einer kleineren einen Blumenstrauß. Auch dort stehen Fragmente im Austausch. Wie sich die einzelnen Körper zueinander verhalten, mache ihre Schönheit aus, erklärt die Künstlerin.

Ausschreibung

Die Märkische Oderzeitung und die Stiftung Schloss Neuhardenberg laden Künstlerinnen und Künstler ein, sich für den Brandenburgischen Kunstpreis 2018 zu bewerben. Die mit Unterstützung von EWE zu verleihende Auszeichnung umfasst Werke der Malerei, Grafik und (Klein-)Plastik. Über die Vergabe der dotierten Preise entscheidet eine Jury unter Leitung von Frank Mangelsdorf. Bewerben können sich alle Künstlerinnen und Künstler, die im Land Brandenburg leben oder arbeiten. Die Anzahl der Einreichungen ist auf ein Werk begrenzt, das in den letzten zwölf Monaten entstanden sein soll. Die Bewerbung erfolgt mit der Übermittlung einer digitalisierten Abbildung, die für eine gedruckte Veröffentlichung geeignet sein sollte (mindestens 300 dpi als jpg- bzw. tiff-Datei). Eine Jury trifft aus diesen Einreichungen eine Auswahl für die Vergabe der drei Preise beziehungsweise die Auswahl für die damit verbundene Ausstellung in Neuhardenberg. Die Künstler der so ermittelten Arbeiten werden danach eingeladen, die Originalwerke einzureichen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Deshalb gehört zu den Bewerbungsunterlagen eine Vita in digitalisierter Form. Die Preisverleihung findet am Sonntag, 1. Juli 2018, 12 Uhr, auf Schloss Neuhardenberg statt. In diesem Rahmen wird auch der Ehrenpreis des Ministerpräsidenten, Dietmar Woidke, für ein Lebenswerk verliehen sowie der Nachwuchsförderpreis für bildende Kunst des Landes Brandenburg, gestiftet von der Ministerin für Kultur, Martina Münch. Hierfür erfolgt eine gesonderte Ausschreibung. Erstmals wird der Brandenburgische Kunstpreis auch in der Kategorie Fotografie verliehen, was der Ostdeutsche Sparkassenverband ermöglicht.

Einreichungsschluss für die digitale Bewerbung: 10. März; E-Mail-Adresse kunstpreis@moz.de oder unter der Postadresse Märkisches Medienhaus, Kunstpreis, Chefredaktion, Kellenspring 6, 
15230 Frankfurt (Oder).Informationen: 0335 5530511; 0151 41622285; 0151 11312162

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