Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die in der Uckermark lebende Zeichnerin und Malerin Beate Spalthoff interessiert das Unspektakuläre

Kunstpreis
Kiefernnadeln und Küchenzeilen

Fühlt sich in der Uckermark angekommen: Beate Spalthoff in ihrem Annenwalder Atelier
Fühlt sich in der Uckermark angekommen: Beate Spalthoff in ihrem Annenwalder Atelier © Foto: MOZ/Cornelia Jentzsch
Cornelia Jentzsch / 28.02.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 28.02.2018, 06:54
Annenwalde (MOZ) Auf den ersten Blick wirken Beate Spalthoffs Bilder nüchtern und reichlich unspektakulär. Warum soll man sich auch die Zeichnung oder das Gemälde einer Badewanne, Waschmaschine, Einbauküche oder Seife ansehen? Dazu noch grau in grau. Auf einen zweiten Blick hin aber beginnen diese Bilder allmählich und deutlich zu sprechen. Mikrofeine Schattierungen werden sichtbar, man entdeckt unzählige feine Bleistift- oder Pinselstriche, fährt mit dem Auge die dargestellten Gegenstände behutsam und fasziniert Linie für Linie ab.

Man ahnt, dass die Künstlerin sehr lange und ausdauernd an diesen Bildern gearbeitet haben muss. Für einen zweiten und dritten riskierten Blick wird man noch mehr belohnt und entdeckt das Raffinierte und auch Ironische der Kunst von Beate Spalthoff. Die Badewanne auf dem Bild ist viel zu klein. Die Einfülltür der Waschmaschine sitzt an der falschen Stelle (das Bild trägt den vielsagenden Titel „Ebbe und Flut“). Die Türen der Einbauküche würden sich beim Öffnen gegenseitig behindern (der Bildtitel „Eva-Maria“ spielt auf die Marketing-Gepflogenheit an, Einbauküchen, Haushaltsgeräten und Margarinesorten Frauennamen zu geben). Die Seifen wiederum unterscheiden sich dezent, da offenbar verschiedene Hände sie beim Waschen auf ihre jeweils eigene Art abgenutzt haben.

„Mich fasziniert das Unspektakuläre, ich will die Dinge aus ihrer Armut heraus ins Licht der Aufmerksamkeit rücken.“ Und gleichzeitig auf die besondere Schönheit dieser Dinge, die sich nur langsam offenbaren will, verweisen.

Die ersten Bilder dieser Art „waren die Reaktion auf einen Job, den ich hatte. Für eine Firma entwarf ich Illustrationen für Bedienungsanleitungen technischer Geräte. Computer waren damals noch nicht so gebräuchlich, ich war eingeübt mit meiner Rasterfolie und zeichnete mit der Hand einfach schneller.“

Diese Arbeit monotoner Exaktheit hat Beate Spalthoff gehasst. So ging sie abends in ihr Atelier und zeichnete alles noch einmal, aber mit leichten Verschiebungen und Verwerfungen, „das war meine Rache“. Derzeit gern bediente Sehgewohnheiten und Kunstvorstellungen unterläuft Beate Spalthoff auf ihre feinsinnige und unaufgeregte Art. Mit raschem Durchzappen, missbilligendem Wegklicken, aufgeregter Buntheit oder wichtigtuerischen Themen hat ihre Kunst nichts im Sinn. Mit mal eben Darüberschauen kommt man ihren Arbeiten nicht bei. Schon eher mit langem und genauem Hinsehen.

Man muss gewillt sein, jedes Bilddetail genau zu studieren. Muss sich Ruhe beim Betrachten ihrer Bilder gönnen und darauf vertrauen, dass diese Kunstwerke mehr bieten als nur Oberflächen. Derzeit sind Beate Spalthoffs Lieblingsmotiv einzelne Kiefernnadeln. Diese Miniporträts zeichnet sie für eine Ausstellung zum Thema „Wald“, die am 16. März in in der Galerie Nord, Kunstverein Tiergarten Berlin, eröffnet wird.

Geboren wurde Beate Spalthoff 1957 in Paderborn, und eigentlich wollte sie Tierärztin werden. „Nachdem mir aber jemand erzählte, dass ich da auch Kühe operieren und nicht nur Mäusen die Beine schienen muss, war das erledigt.“ So beschloss sie mit sechs Jahren: Ich werde Künstlerin! Nach dem Vorbild bildschnitzender Onkel und Großonkel.

Ihren eigenen künstlerischen Weg ging Beate Spalthoff dann kompromisslos. Heute gibt sie ihre Erfahrungen an Studenten der Fachhochschule für Design und Medien in Hannover weiter. Regelmäßig pendelt sie zwischen der niedersächsischen Landeshauptstadt und ihrem Wohn- und Arbeitsort Annenwalde hin und her. Dort, mitten in der Uckermark, lebt sie seit mehr als 20 Jahren.

Auf frühen Arbeiten – „da war ich noch in der Pubertät“ – hatte sie bereits typisch uckermärkische Landschaftsansichten entworfen und gezeichnet mit weiten Hügeln, Wald, kleinen Seen und Mooren. „Hätte ich mir irgendwann einmal eine ideale Landschaft ausdenken können, es wäre die Uckermark dabei herausgekommen.“ Diesen kuriosen Zusammenhang zwischen kindlicher Vorstellung und späterer Realität entdeckte sie aber erst, nachdem sie selbst in die Uckermark gezogen war.

Für Beate Spalthoff war der Umzug aus der Stadt Berlin, wo sie lange Zeit wohnte, aufs Land also keine romantische Flucht, eher ein Ankommen. „Heimweh war etwas, das ich früher nicht kannte. Jetzt spüre ich es schon, wenn ich die Haustür hinter mir zuziehe.“

Ausschreibung

Die Märkische Oderzeitung und die Stiftung Schloss Neuhardenberg laden mit dieser Ausschreibung zum Brandenburgischen Kunstpreis 2018 Künstlerinnen und Künstler ein, sich für diese ihnen gewidmete Auszeichnung zu bewerben. Die gemeinsam von der Märkischen Oderzeitung und der Stiftung Schloss Neuhardenberg sowie mit Unterstützung von EWE und unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke, zu verleihende Auszeichnung umfasst Werke der Malerei, Grafik, (Klein-)Plastik und erstmals auch der Fotografie.

Über die Vergabe der dotierten Preise entscheidet eine Jury unter Leitung von Frank Mangelsdorf. Bewerben können sich alle Künstlerinnen und Künstler, die im Land Brandenburg leben oder arbeiten.

Die Anzahl der Einreichungen ist auf ein Werk begrenzt, das aus mehreren Teilen bestehen kann und in den letzten zwölf Monaten entstanden sein soll. Die Bewerbung erfolgt mit der Übermittlung einer digitalisierten Abbildung, die die Arbeit gegebenenfalls in verschiedenen Perspektiven und in einer Qualität zeigt, die für eine gedruckte Veröffentlichung geeignet sein sollte (mindestens 300 dpi als jpg- bzw. tiff-Datei, vorzugsweise als Email oder CD). Im Bereich Fotografie erfolgt die Bewerbung ebenfalls in digitalisierter Form, zugelassen ist eine fotografische Arbeit, welche aus bis zu fünf separaten Fotografien bestehen kann (Serie).

Eine Jury trifft aus diesen Einreichungen eine Auswahl für die Vergabe der Preise für Malerei, Grafik, Bildhauerei und Fotografie bzw. die Auswahl für die damit verbundene Ausstellung in Neuhardenberg. Die Künstlerinnen und Künstler der so ermittelten Arbeiten werden danach eingeladen, die Originalwerke einzureichen. Prämiert wird nur das Original.

Einreichungsschluss für die digitale Bewerbung ist am 10. März unter der E-Mail-Adresse kunstpreis@moz.de oder unter der Postadresse: Märkisches Medienhaus, Kunstpreis, Chefredaktion, Kellenspring 6, 15230 Frankfurt (Oder), Tel. 0335 5530511, 0151 41622285 oder 0151 11312162.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG