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Weitere verschollene Plastik aus Wandlitzer Waldsiedlung aufgetaucht

Kunst
Bernauer Sammlung wächst

Fachgespräch: Reinhard Dietrichs Kinder mit dem Ehepaar Reimann rund um die lange Zeit verschollene Kleinplastik.
Fachgespräch: Reinhard Dietrichs Kinder mit dem Ehepaar Reimann rund um die lange Zeit verschollene Kleinplastik. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sara Friedrich / 02.03.2018, 22:30 Uhr
Bernau (MOZ) Das jüngste Gespräch im Kunstraum Innenstadt widmete sich Reinhard Dietrich. Der 2015 verstorbene Bildhauer entwarf in der DDR Kunst für den öffentlichen Raum. Seine Plastik aus der Waldsiedlung ist durch einen Zufall aufgetaucht.

Um die Skulpturen aus der zu Bernau gehörenden Waldsiedlung ranken sich zahlreiche Geschichten. Welche Wege die Exponate genommen haben, ist bis heute nicht allumfassend geklärt.

Aufgetaucht ist die vermisste Kleinplastik "Sieben stolze Schwestern küsst das eine Meer". Der Bildhauer Reinhard Dietrich hatte 1970 eine gleichnamige Brunnenplastik entworfen, die damals in der Rostocker Innenstadt aufgestellt wurde. Jede der sieben weiblichen Figuren verkörpert symbolisch - wie auch die Kreisform der sich an den Händen haltenden Figuren - die sieben Ostseestaaten.

Kein geringerer als Bernaus Bürgermeister hat die fehlende Kleinplastik gefunden. Bei einem Gespräch mit einem Geschäftsführer der Brandenburg Klinik entdeckte André Stahl (Die Linke) das Kunstwerk in der Waldsiedlung und konnte die Übergabe an die Stadt Bernau arrangieren.

Zum Hintergrund: Der FDGB-Vorsitzende Harry Tisch erwarb 1970 von Reinhard Dietrich zehn kleine Bronzemodelle, um sie den Repräsentanten der sieben Ostsee-Anrainer während der Ostsee-Woche in Rostock zu überreichen. Vermutlich ist so auch eine Kleinplastik in die Waldsiedlung gelangt.

Im Rahmen des Kunstraum-Gespräches blickte der Sammler und mit Dietrich befreundete Augenarzt Prof. Jürgen Reimann aus Petershagen bei Berlin auf das Werk des Bildhauers zurück. Reimann betonte, dass es Dietrich gelungen sei, Kunstwerke für den öffentlichen Raum zu entwerfen, die nicht tendenziös waren, dafür aber oft humorig. Zu den bekannteren Werken gehören die "Sonnenblumen", die der Bildhauer 1979 als Hausgiebelgestaltung in Rostock- Lichtenhagen entworfen hat. Im Gedächtnis ist vielleicht auch der 1971 entworfene "Möwenflug", eine Bronzeplastik in Warnemünde vor dem Hotel Neptun.

Dietrich selbst, der unter anderem den Kunstpreis der DDR erhalten hat, sei ein sehr angenehmer, zurückhaltender Mensch gewesen, der nie das Bedürfnis hatte, über seine Kunst zu dozieren. Dennoch sei man als fachfremder Gesprächspartner stets von seinem Wissen befruchtet worden, erinnert sich Reimann und bemerkt, dass es heute weniger Kunst im öffentlichen Raum gebe, als das in der DDR der Fall war. Der Kurator der Skulpturensammlung der Waldsiedlung, Thomas Kumlehn, merkte an, dass aber gerade die Kunstwerke in der Waldsiedlung doch nur für die dort lebende politische Führung und das dort beschäftigte Personal erlebbar waren und damit elitär.

Nach dem Tod des Bildhauers im Jahr 2015 blieb der Sammler "seinem Künstler" treu, fand aber auch einen Zugang zu den Arbeiten des Sohnes, Jan Dietrich, der seit 1992 in Dresden freiberuflich als Steinmetz und Steinbildhauer tätig ist.

Übrigens soll Reinhard Dietrich dem deutschen Weltkünstler Gerhard Richter, dessen Werke als teuerste eines lebenden Künstlers gehandelt werden, einst eine Schreibmaschine von Dresden nach Westberlin gebracht haben. Ob Richter die Maschine noch besitzt, ist Reimann leider nicht bekannt.

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