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Kunstpreis
Fasziniert von Linien und Strichen

Pendelt zwischen Malerei und Grafik: Marita Wiemer in ihrem Atelier an ihrer Linoldruckpresse. Mit dem Bild im Hintergrund bewirbt sie sich in diesem Jahr für den Brandenburgischen Kunstpreis.
Pendelt zwischen Malerei und Grafik: Marita Wiemer in ihrem Atelier an ihrer Linoldruckpresse. Mit dem Bild im Hintergrund bewirbt sie sich in diesem Jahr für den Brandenburgischen Kunstpreis. © Foto: Inga Dreyer
Inga Dreyer / 07.03.2018, 10:30 Uhr
Jütchendorf Einmal im Jahr nimmt sich Marita Wiemer eine Auszeit. Für einige Wochen zieht sie sich zurück, geht nichts ans Telefon, liest keine E-Mails. Noch intensiver als sonst widmet sie sich der Kunst.

„Das holt dann die Dinge hervor, die mir eine Herzensangelegenheit sind“, erzählt sie. Im vorigen Jahr entstanden dabei Bilder, die vom Elbsandsteingebirge inspiriert sind – voller grünlich-grauer Strukturen.

Die Künstlerin arbeitet mit Materialien wie Marmor-Mehlen, Kreiden, Wachs oder hauchdünnen Papieren, die sie bedruckt. Dichte und Transparenz sei ein Thema, das sie seit Langem begleitet. Sie spielt mit der unterschiedlichen Stofflichkeit der Oberflächen, hat beispielsweise Hanffasern in die Gebirgs-Bilder integriert. Mehrmals schon waren Bilder von Marita Wiemer bei der Ausstellung zum Brandenburgischen Kunstpreis zu sehen. Auch dieses Jahr bewirbt sie sich. Gedanklich bereitet sie sich zudem auf eine Ausstellung im Kreishaus Luckenwalde vor, bei der ab dem 19. August ältere und neue Arbeiten gezeigt werden.

Die 68-jährige, in West-Berlin geborene Künstlerin, die seit 20 Jahren auf einem Hof in Jütchendorf bei Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) lebt, ist nicht nur Malerin. Ihre Druckgrafiken zeigen eine andere Seite von ihr: Hier dominieren klare, teils abstrakte Formen und leuchtende Farben. Ihre neueste Serie von Linoldrucken, die sie mit einer schweren Presse fertigt, ist eine Hommage an den von ihr verehrten französischen Maler Nicolas de Staël. In Anlehnung an sein Werk hat sie kleine Landschaften geschaffen, die teilweise wirken, als ob die Herbstsonne sie erstrahlen lasse.

Im Rückblick gleicht Marita Wiemers Leben einem Puzzle aus Teilen, die so unterschiedlich sind wie ihre Bilder. Ursprünglich hat sie eine Ausbildung als Maßschneiderin gemacht. Zwar wollte sie schon als Jugendliche Modegrafikerin werden, erzählt sie. Doch dann hieß es, dass sie dafür nach der Ausbildung noch für fünf Gesellinnenjahre als Schneiderin arbeiten müsse. So lange hielt sie es nicht in dem ungeliebten Job aus, ging wie ihre ältere Schwester nach England, wurde Stewardess, um die Welt zu erkunden. Sie lebte damals in Frankfurt/Main. „Aber das war nicht meine Stadt.“

Marita Wiemer wollte gestalten, doch nach einer Ablehnung an einer Kunsthochschule schlug sie einen anderen Weg ein und wurde Erzieherin. Zehn Jahre lang arbeitete sie in einem Kinderheim und an einer Gesamtschule. Während ihrer Arbeit im Heim blieben keine Zeit und kein Raum fürs Malen. Die Beschäftigung mit den Kindern und deren Schicksalen habe sie komplett eingenommen, erzählt Marita Wiemer. Obwohl es an der Gesamtschule anders war, traf sie irgendwann die Entscheidung, zu kündigen und sich ganz der Kunst zu widmen. „Das war das, was ich immer wollte.“

Sie begann, an einer freien, anthroposophisch orientierten Kunstschule in Berlin-Kreuzberg Malerei zu studieren und machte einen Taxi-Schein, um Geld zu verdienen. „Zehn Jahre bin ich gefahren“, erzählt sie. Doch mit der Wende wurde die Stadt größer und unübersichtlicher. „Das war vollkommen fremdes Terrain für mich. Damit wuchs die Unsicherheit.“ Ein neues Kapitel führte sie auf den kleinen Hof am Rand von Jütchendorf, wo sie sich ein Atelier mit Blick ins Grüne eingerichtet hat. „Das ist mein Refugium“, sagt sie. Bis zu ihrer Rente hat sie in einer Buchhandlung gearbeitet und regelmäßig Kunstkurse an der Volkshochschule gegeben.

Die Kreuzberger Kunstschule habe ihr damals eine neue Sicht auf Farbe öffnet. Denn ursprünglich kam Marita Wiemer vom Zeichnen. „Linien und Striche haben mich immer fasziniert – dass man mit einem Stift so reduziert etwas ausdrücken kann.“

Druckgrafik und Malerei sind seitdem die Pole, zwischen denen sie sich bewegt. „Wenn ich eine Zeit lang gedruckt habe, kommt im Anschluss wieder eine Phase der Malerei“, sagt sie. Bei Letzterem sei sie bis fast zum Schluss auf der Suche. Langsam überlagern sich Schichten von unterschiedlichen Lasuren, Papieren und Farben. Bei der Druckgrafik sei das anders: „Wenn eine Linie gesetzt ist, ist sie gesetzt.“

Ausschreibung

Die Märkische Oderzeitung und die Stiftung Schloss Neuhardenberg laden mit dieser Ausschreibung zum Brandenburgischen Kunstpreis 2018 Künstlerinnen und Künstler ein, sich für diese ihnen gewidmete Auszeichnung zu bewerben. Die gemeinsam von der Märkischen Oderzeitung und der Stiftung Schloss Neuhardenberg sowie mit Unterstützung von EWE und unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke, zu verleihende Auszeichnung umfasst Werke der Malerei, Grafik, (Klein-)Plastik und erstmals auch der Fotografie.

Über die Vergabe der dotierten Preise entscheidet eine Jury unter Leitung von Frank Mangelsdorf. Bewerben können sich alle Künstlerinnen und Künstler, die im Land Brandenburg leben oder arbeiten.

Die Anzahl der Einreichungen ist auf ein Werk begrenzt, das aus mehreren Teilen bestehen kann und in den letzten zwölf Monaten entstanden sein soll. Die Bewerbung erfolgt mit der Übermittlung einer digitalisierten Abbildung, die die Arbeit gegebenenfalls in verschiedenen Perspektiven und in einer Qualität zeigt, die für eine gedruckte Veröffentlichung geeignet sein sollte (mindestens 300 dpi als jpg- bzw. tiff-Datei, vorzugsweise als Email oder CD). Im Bereich Fotografie erfolgt die Bewerbung ebenfalls in digitalisierter Form, zugelassen ist eine fotografische Arbeit, welche aus bis zu fünf separaten Fotografien bestehen kann (Serie).

Eine Jury trifft aus diesen Einreichungen eine Auswahl für die Vergabe der Preise für Malerei, Grafik, Bildhauerei und Fotografie bzw. die Auswahl für die damit verbundene Ausstellung in Neuhardenberg. Die Künstlerinnen und Künstler der so ermittelten Arbeiten werden danach eingeladen, die Originalwerke einzureichen. Prämiert wird nur das Original.

Einreichungsschluss für die digitale Bewerbung ist am 10. März unter der E-Mail-Adresse kunstpreis@moz.de oder unter der Postadresse: Märkisches Medienhaus, Kunstpreis, Chefredaktion, Kellenspring 6, 15230 Frankfurt (Oder), Tel. 0335 5530511, 0151 41622285 oder 0151 11312162.

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