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Die Vorauswahl zum Brandenburgischen Kunstpreis sammelt sich in der Eberswalder Märchenvilla

Brandenburgischer Kunstpreis
Gefährliche Pflanzen und bronzene Tiere

Inga Dreyer / 24.04.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 28.06.2018, 18:01
Eberswalde (Inga Dreyer) Kaum steht die Skulptur, stellt sich Frage, wie sie danach nach Neuhardenberg weitertransportiert werden kann. So einfach ist das nicht.

Denn Dorit Trebeljahr hat eine Serie von Skulpturen geschaffen, die nicht stehen, sondern an feinen Schnüren aufgespannt sind. Es sind drei feine, lila- und pinkfarbene Geflechte aus Akupunkturnadeln, Acrylfarbe und Heißkleber, die vor weißem Hintergrund leuchten. Sie erinnern an aufgerissene Schlünde fleischfressender Pflanzen – zart und gefährlich zugleich.

Tatsächlich sind die Werke, mit denen sich die Künstlerin für den Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung und der Stiftung Schloss Neuhardneberg bewirbt, nach einer Pflanze benannt. „Ich als Clematis“ heißt die Serie, aus der die drei Skulpturen stammen – mit der Ergänzung „Rouge Cardinale“, wie eine tiefrote Sorte dieser Kletterpflanzen benannt ist. Dorit Trebeljahrs Skulpturen klettern ebenfalls als Rankhilfen empor. „Ich wollte die klassischen Skulpturgesetze außer Kraft setzen“, erzählt die Berlinerin, die häufig in Brandenburg arbeitet. Diese Werke, mit denen sie sich für den Kunstpreis bewirbt, sind ursprünglich für die AusstellungsbiennaleLand(schafft)kunst in Neuwerder (Havelland) entstanden.

Zwar waren Skulpturen von Dorit Trebeljahr schon einmal bei einer Schau in der Eberswalder Märchenvilla zu sehen. Dieses Jahr aber hat sie sich zum ersten Mal für den Kunstpreis beworben – und wurde direkt von der Vorjury ausgewählt. Von insgesamt 338 Einreichungen in den Kategorien Malerei, Grafik und Plastik sind 67 in die engere Auswahl gekommen. Hinzu kommt in diesem Jahr zum ersten Mal die Kategorie Fotografie. Von 45 Bewerbern wurden 15 eingeladen, sich in Eberswalde zu präsentieren, berichtet Kunstpreisorganisator Peter Liebers.

Noch bis heute Nachmittag bringen die Künstlerinnen und Künstler ihre Werke nun in der Eberswalder Märchenvilla vorbei, wo am Mittwoch die Jury tagt. Während gerahmte Grafiken einfach abgelegt werden können, müssen manche Künstler – wie Dorit Trebeljahr – ihre Skulpturen erst einmal einrichten.

Jörg Engelhardt kommt mit einer Sackkarre und schwerer Last. Der Bernauer Bildhauer, der in einem Atelier in Jäckelsbruch bei Wriezen (Märkisch-Oderland) arbeitet, hat eine Skulptur dabei, die etwa 40 Kilogramm wiegt. „Und der Sockel noch mal 30 Kilo“, schätzt Engelhardt. Es ist aber nicht das Gewicht, das dieses Werk besonders macht. Auf einem runden, mit Blattgold überzogenen Buchenbrett stehen im Kreis aus Bronze gegossene männliche Körper, den Blick nach außen gewandt. Fast alle tragen Tierköpfe auf den Schultern. Sie sehen aus wie große Masken. Nur eine Figur durfte ihr menschliches Antlitz behalten. Die Bronzegüsse sind mit einer grünlichen Patina überzogenen, einige der Männer halten wie zur Abwehr einen Arm vor den Körper. Einer von ihnen trägt einen rot bemalten Stierkopf, ein anderer einen schwarzen Elefantenschädel, bei einem dritten prangt ein ganzer Echsenkörper auf den Schultern, bei einem vierten eine goldene, verblühte Pfingstrose statt eines Gesichtes. „Etruscus zodiacus“ ist das Werk benannt, der etruskische Tierkreis. Umrandet ist dieser Kreis mit einer roten Kordel, sie ist so rot wie das T-Shirt, das der Künstler trägt. „Ich liebe Rot. Fast in jeder meiner Arbeiten ist Rot drin“, sagt er.

Ansonsten aber unterscheidet sich diese Skulptur stark von dem, was Jörg Engelhardt in den vergangenen Jahren geschaffen hat. „Seit 2006 habe ich fast nur Affen gemacht. Jetzt habe ich mal etwas gemacht, womit keiner rechnet“, sagt er. Nur ganz wenige Menschen hätten das Werk bisher gesehen.

Er freue sich sehr, von der Vorjury ausgewählt worden zu sein. „Das ist ja nicht selbstverständlich.“ Dreimal schon sei er bei Schauen rund um den Brandenburgischen Kunstpreis dabei gewesen, erzählt Engelhardt. Beworben aber habe er sich jedes Jahr.

Langsam sammeln sich immer mehr Plastiken im Vorraum des ersten Stocks der Märchenvilla. In einem Raum lehnen gerahmte Fotografien an den Wänden, in einem anderen hängen schon die ersten Bilder. Frank Käubler ist dafür zuständig, die Ausstellung für die Jury einzurichten. Wie jedes Jahr wird es eng in der Märchenvilla. Natürlich möchte jeder Künstler, dass sein Werk gut zur Geltung kommt, erzählt Käubler. Er versucht, trotz des begrenzten Platzes alles gut unterzubringen. Wie die Vorjury kennt auch er die Werke bisher nur in digitalisierter Form. „Es ist ein riesengroßer Unterschied, sie dann vor sich zu haben“, sagt er. Bis Mittwoch wird er probieren, räumen und hängen. „Spannend ist es immer wieder.“

Die Preisverleihung findet am 1. Juli, 12 Uhr, im Schloss Neuhardenberg statt. Im Anschluss eröffnet dort die Kunstpreisausstellung, die bis zum 2. September zu sehen ist.

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