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Ausstellung
Afrika-Fotos ohne Folklore

Regenzeit in Uganda: aus der Arbeit „Mikwano Jjange – unter Freunden“ von Alexander Janetzko
Regenzeit in Uganda: aus der Arbeit „Mikwano Jjange – unter Freunden“ von Alexander Janetzko © Foto: Alexander Janetzko
Thomas Klatt / 22.05.2018, 09:47 Uhr - Aktualisiert 18.06.2018, 23:29
Cottbus (MOZ) In diesem Großformat sieht es aus, als ob der Regen an das Objektiv schlägt. Frauen stehen unbeeindruckt in den Türen ihrer einfachen Behausungen. Kinder spielen in Pfützen. Der Himmel wirft alles Wasser hinunter, was er aufbieten kann. Schüsseln und Kanister fangen es auf für trockene, schlechte Zeiten. Es ist Regenzeit in Uganda. Eine Momentaufnahme, die der  Fotograf Alexander Janetzko in einem dicht besiedelten Stadtteil der Hauptstadt Kampala schoss. Momentaufnahme? Es kann leicht sein, dass er das Foto  aus einer Vielzahl von Aufnahmen gewählt hat. Denn mit Schnappschüssen, jene wie zufällig wirkenden Bilder, ist Afrika nicht nahe zu kommen.

15 Mal war Janetzko in den vergangenen zehn Jahren dort. „Das ist Teil meines Lebens“ sagt er ohne Koketterie. Es ist jenseits der Ich-hatte-eine-Farm-in-Afrika-Folklore. Janetzko wohnt in einfachen Unterkünften und ist Nachbar der Menschen geworden. Den vorrangigen schwarz- weißen  Bildern der Ausstellung „Mikwano Jjange – unter Freunden“, die kürzlich in Cottbus eröffnet wurde, sieht man das an.

Und immer wieder fotografiert Janetzko Frauen. „Sie tragen diese Gesellschaft, mit ihrer schweren Arbeit, mit der Erziehung der Kinder und all den Lasten, die sonst in einer patriarchalischen Gesellschaft auf den Frauen liegen“, sagt der Fotograf, der in Cottbus geboren wurde und jetzt mit Frau und zwei Kindern in Berlin lebt.

Die Frauen Ugandas arbeiten auch in den Steinbrüchen des armen Landes, ihre Kinder, manchmal drei, vier oder mehr, sind immer dabei. Doch Janetzkos Kamera philosophiert nicht, sie bildet ab. Da ist ein an einem Bein angekettetes Huhn, das auf keinen Fall weglaufen darf. Es ist zu wertvoll. Da ist eine Studentin, die sich in einer Art Vorschule um die Jüngsten in einem Kiez in Kampala kümmert. Die Kamera hält in ein winziges Zimmer hinein: vier Kinder, ein Moped, ein Monitor und DVD-Player. Es ist der wichtigste Raum des Hauses, die „gute Stube“. Die Menschen tragen das mit großer Gelassenheit.

Die beeindruckendsten Motive der Ausstellung sind wohl die Masken-Fotos. Oftmals sind es wieder Kinder, aber auch Erwachsene, denen Janetzko ostafrikanische Stammesmasken aufsetzt. Ein ugandischer  Sammler  hatte ihn immer wieder gebeten, seine Sammlung zu fotografieren. Er hatte abgelehnt. Bis ihm die Idee kam, die Masken denen aufzusetzen, denen  sie vor langer Zeit einmal gehört haben könnten. Mit der Maskenserie ist Janetzko auch bei der Ausstellung zum Brandenburgischen Kunstpreis ab Juli in Neuhardenberg zu sehen.

Warum eigentlich immer wieder Uganda? Der Maler Matthias Körner, zweifacher MOZ-Kunstpreisträger, hatte ihn vor Jahren dorthin mitgenommen. Janetzko hatte es „erwischt“, er wollte es wissen.  Es sind die Fragen nach den Ursprüngen der Dinge, die ihn umtreiben. Vielleicht gibt es das doch: das richtige Leben im Falschen. Er sieht das, was wir, die zu Hause Geblieben, wohl ahnen, aber verdrängen: Ein großer Teil dieser Welt lebt in ugandischen Verhältnissen.

Unsere Sorgen sind klein in Anbetracht des ugandischen Alltags. Es ist die Suche nach Wahrhaftigkeit, die ihn umtreibt, vielleicht auch die nach dem Zusammenhalt aller Dinge. Und eine Erkenntnis kommt  ihm bald: Der Wohlstand ist nicht der Maßstab.

In der Bildästhetik erinnert Janetzko stark an Sebastião Salgado, den großen brasilianischen Lichtbildner, der sich der sozialdokumentarischen Fotografie verschrieben hat. Als Salgado nach langen Reisen in seine Heimat Brasilien zurückkehrt, beginnt er den abgeholzten Regenwald seiner Familie mit zweieinhalb Millionen Regenwaldbäumen aufzuforsten – und findet eine Methode, mit der das schneller geht als bisher.

Janetzko findet in seinem Wechsel zwischen Familienleben in Berlin, seinem Studium an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde und seinen fotografischen Exkursionen kaum noch Platz für anderes. Welchen Weg wird der sozial Denkende und politisch Interessierte gehen?

Dass Salgado als Vorbild dienen kann, liegt nahe. Aber vielleicht braucht der „Ostkreuz“-Geschulte Janetzko erst einmal eine große Personalausstellung. Das Potenzial ist da.

Bis 16. Juni, Do–Sa 18–21 Uhr, Galerie Haus 23, Marienstr. 23, Cottbus, Tel. 0355 702357

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