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Rathaus Galerie
Sehnsucht nach Heimat

Inga Dreyer / 29.11.2018, 07:30 Uhr
Hoppegarten Meere, Berge, Seen und Flüsse: Viele Bilder im Foyer des Rathauses Hoppegarten (Märkisch-Oderland) zeigen vertraute Landschaften.

Bei der Auswahl habe sich tatsächlich ein Schwerpunkt herauskristallisiert. „Wir würden ihn mit Heimat und Sehnsucht beschreiben“, erklärt Raymund Stolze, der seit 2012 gemeinsam mit seiner Frau Gabriele und der Gruppe Mach Art die Rathaus Galerie in Hoppegarten bespielt. Zum sechsten Mal haben Stolzes eine „Nachlese“ zum Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung und der Stiftung Schloss Neuhardenberg organisiert. Dabei zeigen sie Werke, die von der Jury und bei der Ausstellung auf Schloss Neuhardenberg nicht berücksichtigt werden konnten. Auch dieses Jahr haben sie unter den mehr als 300 Bewerbungen vieles gefunden, was sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollten. „Wir haben vielleicht doch einen ganz guten Riecher“, sagt Gabriele Stolze bei der Ausstellungseröffnung am Dienstagnachmittag lächelnd.

2017 hatten die beiden ausschließlich Künstlerinnen eingeladen, um den Blick auf die Werke von Frauen zu lenken. Der diesjährige Schwerpunkt sei nicht geplant gewesen, erzählt Raymund Stolze. „Er hat sich – wie so vieles im Leben – zufällig ergeben.“

Sicherlich gibt es einfachere Umgebungen, um Kunst zu zeigen, als ein zweckmäßig gestaltetes Rathaus-Foyer. Der Vorteil ist, dass dort immer Menschen vorbeikommen. „Wo gibt es mehr Öffentlichkeit als in einem Rathaus-Foyer?“, fragt Bürgermeister Karsten Knobbe (Linke) rhetorisch. Wie zum Beweis für seine Worte ertönt hin und wieder das akustische Wartenummern-Signal des Bürgeramtes, während Akkordeonist Valentin Butt Tango und Swing spielt.

Tatsächlich haben Stolzes wieder einige sehenswerte Werke entdeckt. Auf einem Triptychon hat Anja Koal unter dem Titel „Das Revier“ grünblaue, mystisch wirkende Spreewaldlandschaften festgehalten. Auch Manfred Fuchs zeigt mit dem Bild Titel „Krempsee“ einen etwas geheimnisvollen Blick auf heimische Wasserlandschaften.

Wie facettenreich die Kunstlandschaft Brandenburgs ist, zeigt sich beispielhaft an den vier Skulpturen, die aus verschiedenen Ecken des Landes ihren Weg ins Rathaus-Foyer gefunden haben. Heike Adner aus Glienicke/Nordbahn beispielsweise, deren Werke schon mehrmals bei der Ausstellung in Neuhardenberg zu sehen waren, hat eine grazile Frauenfigur aus Bronze mitgebracht, die zwischen langen Streben hindurchzugleiten scheint. Klaus Deutschs „Ikarus“ ist weniger erfolgreich. Der Keramiker und Maler aus Britz (Barnim) zeigt zwei Terrakotta-Figuren: eine mit stolz gebreiteten Flügeln und eine nach dem Absturz auf dem Boden.

Dass beim Brandenburgischen Kunstpreis 2018 zum ersten Mal ein Preis in der Kategorie Fotografie vergeben wurde, führte in Neuhardenberg wie in Hoppegarten zu Platzproblemen. Hilfe kam von der Stiftung SPI, die das gegen überliegende „Haus der Generationen“ für die Ausstellung öffnete. Besonders sehenswert sind die Foto-Serien von Fred Hüning aus Fürstenberg/Havel. Sehr ruhige, melancholisch wirkende Bilder hat der Fotograf nach einem Schneesturm am Schwedtsee aufgenommen. Die zweite Serie, die ab Sonntag parallel im Packhof in Frankfurt (Oder) zu sehen sein wird, stellt Bilder in Zusammenhang, die einerseits dem Frauen-KZ Ravensbrück und andererseits mit dem Touristenort Fürstenberg/Havel zu tun haben. So ergeben sich interessante Kontraste und Parallelen – sowie ein anderer, nachdenklicher Blick auf das Thema Sehnsucht und Heimat.

„Nachlese 6“, Rathaus Galerie, Lindenallee 14, Hoppegarten, Finissage am 21. Februar, 17 Uhr

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