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Brechts Notizbücher erscheinen

17.02.2008, 15:59 Uhr
Berlin Mit einer Lesung des Schauspielers Mario Adorf ist am Sonntag in der Berliner Akademie der Künste das ehrgeizige Projekt der Herausgabe aller bekannten Notizbücher von Bertolt Brecht (1898-1956) erstmals öffentlich vorgestellt worden. Der erste von 13 Bänden, die in den nächsten zwölf Jahren erscheinen sollen, wird Anfang Mai im Suhrkamp Verlag erscheinen. Verlegerin Ulla Unseld- Berkéwicz sprach in Berlin von einem würdigen Projekt "im Jahr von Brechts 110. Geburtstag". Die Edition beginnt Anfang Mai mit Band 7, der die Notizbücher 24 und 25 aus den Jahren 1927 bis 1930 enthält. 54 Notizbücher von 1918 bis 1956 sind erhalten.

Akademiepräsident Klaus Staeck meinte, ein "bisher vernachlässigter Archivschatz wird jetzt gehoben". Das in der Akademie beheimatete Brecht-Archiv sei international eines der angesehensten und meist benutzten Literaturarchive. Die Herausgabe der Notizbücher müsse allerdings noch langfristig finanziell gesichert werden. Die Entscheidung dazu liege jetzt bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Staeck erinnerte auch daran, dass Brecht nach dem Krieg einer der treibenden Kräfte bei der Neugründung der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin gewesen sei.

Herausgeber Peter Villwock sagte in der überfüllten Matineeveranstaltung am Pariser Platz, die Edition der Notizbücher wolle "ein geräumiges und ausbaufähiges Haus für Brechts Werk und ein tragfähiger Unterbau für seine Wahrheit" sein. Die Edition verknüpfe Biografisches mit Literarischem, denn Biografisches sei bei Brecht nie nur persönlich, "alles wurde ihm auch zu Material". Villwock wies auch auf die Bedeutung der digitalen Sicherung des Archivs angesichts zunehmender Verfallsprozesse des Materials hin. "Das Schwinden der Originale beginnt - rund 50 Jahre nach Brechts Tod zeigen sie bedenkliche Alterserscheinungen." In Zukunft werde die Forschung kaum noch auf sie zurückgreifen können.

Brechts Notizbücher werden auch als Keimzelle seiner literarischen Produktion bezeichnet. Zu fast jedem seiner Projekte enthalten sie Eintragungen, Stückentwürfe, Prosatexte, erste Gesamtfassungen, Namen und Adressen, Reisenotizen, Briefkonzepte und private Aufzeichnungen. Ein großer Teil des Materials ist laut Akademie bislang ungedruckt.

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