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Freie Szene
Kulturmanufaktur Gerstenberg öffnet im November

Lisa Mahlke / 29.10.2019, 06:45 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ein emotionaler Ort, ein Ort für die freie Szene, ein "Ort für Leute ohne Ort" – Philip Murawski, Linda Pickny und Thomas Strauch versuchen in Worte zu fassen, was sie geschaffen haben, dort, wo bis Ende Juli das Moderne Theater Oderland (MTO) war, früher das Theater im Schuppen. Auf dem Gelände, das die Kulturfabrik und das Le Frosch beherbergte und wo heute unter anderem das Theater des Lachens und der Frosch-Club zu Hause sind: die Gerstenberger Höfe.

Wer zuletzt ein MTO-Stück gesehen hat, muss sich jetzt erst einmal in den neu gestalteten Räumen der Kulturmanufaktur Gerstenberg – so der neue Name – umschauen. Im Eingangsbereich sind statt der Stehtische nun Sessel, Stühle und Tische zum längeren Verweilen. Die Vorhänge neben der Bühne sind aufgezogen und auch die Türen in die Bereiche, die vorher nur den Schauspielern zugänglich waren, sind jetzt offen – oder nicht mehr vorhanden.

Es geht ums Handgemachte

Seit August gestalten sie die Räume um, wollen langfristig einen Ort für Maler, Musiker, Kunst-, Kulturschaffende aufbauen. Dabei geht es vor allem ums Handgemachte – daher der Begriff "Manufaktur". Die drei, selbst aus Kunst und Kultur, sind überzeugt: Hätten sie die Räume nicht sofort vom MTO übernommen, wäre das Theater, jetzt "Kuma", dauerhaft geschlossen worden.

Die Kulturmanufaktur soll keine Assoziationen à la "Hier macht man Theater" oder "Hier wird getanzt" wecken, sondern deutlich offener sein als vorher, Raum geben, "um eigene Ideen zu verwirklichen", erklärt Philip Murawski. Zu diesem Zweck gründete er vor drei Jahren bereits den Verein Doppelstadtkultur. Junge Menschen können nun zum Beispiel in der Kulturmanufaktur Gerstenberg diese Projektideen umsetzen. Außerdem soll sie offen sein für die, die gegangen sind – das MTO oder auch Schauspieler, die vor Ort mit dem Theater Frankfurt das Handwerk gelernt haben, betont Thomas Strauch.

Aktuell proben in den Kuma-Räumen das Theater des Lachens und eine Jugendtheatergruppe. Der Theatersaal wurde bereits für eine Geburtstagsfeier gemietet. Die Bal Folk-Tanzkurse aus MTO-Zeiten finden weiter statt, Künstler nutzen die Räume, um an ihren Werken zu arbeiten. Auch ein Kinoabend und Teile des Osthafen Festivals fanden in der Kulturmanufaktur Gerstenberg bereits statt  – offizielle Eröffnung ist allerdings erst Mitte November.

Dann startet auch eine Crowdfunding-Kampagne (Schwarmfinanzierung), "um zu gewährleisten, dass wir hier das machen können, was wir machen wollen", erklärt Linda Pickny. Am Geld und fehlender institutioneller Förderung scheiterte letztlich das MTO. An dieser Stelle eine neue Bühne aufzumachen, sei ohne Geld nicht möglich, das Crowdfunding "eine Notwendigkeit", so Pickny. "Das ist auch ein Zeichen der Bürger: Wenn Geld reinkommt, dann wollen sie es haben", fügt Philip Murawski hinzu. Wer sich am Crowdfunding beteiligt, kann ein Dankeschön erhalten. Auf der Liste stehen etwa Kunstwerke oder Privatkonzerte.

Die drei Gründer sind alle in Arbeit, machen das Projekt Kuma ehrenamtlich. Vor Ort wird vieles selbstgemacht und ohne großes Budget ablaufen, betonen sie. Gegründet werden soll ein gemeinnütziger Verein, außerdem wird es eine Firma geben, über die etwa die Miete der Fläche läuft. Sie wollen zudem zukunftsorientiert handeln: An der Bar soll es zu den Veranstaltungen regionale Produkte geben. Und die Kuma bezieht 100 Prozent nachhaltigen Ökostrom, so Murawski.

Ein Blick und sie waren sich einig

Als sie von der Schließung des MTO erfuhren, schauten sie sich an und waren sich einig, dass etwas passieren muss. Denn alle drei haben eine Verbindung zum Ort. Philip Murawski war unter anderem Regieassistent im letzten MTO-Stück "Elkes Frisiersalon". Linda Pickny zeigt bei Führungen gerne dieses "magische Kleinod" und bedauert, dass die Gerstenberger Höfe sonst nicht Teil der Stadtführungen sind. Sie war selbst oft Gast im Theater und glaubt, "ein vielfältiger Gerstenberg steht Frankfurt ganz gut".

Thomas Strauch machte seine "erste große Sache hier im Ort": Musik der "Hermannsschlacht" im Theater im Schuppen. Einen Aufgang weiter hat er seit Jahren einen Proberaum. Und auch ohne offizielles MTO-Ensemble-Mitglied zu sein, stand er fünf Jahre oft auf dessen Bühne. "Und da haben wir uns zum ersten Mal geküsst", sagt er, zeigt raus, schaut Linda Pickny an, "bei der Rudi van der Oder-Show" – ein Stück, das über Crowdfunding lief.

Veranstaltungen: 1.11. 20 Uhr, "Irische Whiskeygeschichten" mit Diether Jäger u. Thomas Strauch; 5. u. 19.11. 19 Uhr, Bal Folk Kurs; 15.11. 17 Uhr, offizielle Eröffnung, 20 Uhr Konzert "Die Zunft"; 30.11. 20 Uhr, Konzert/Lesung mit Texten von Frank Hammer; Kontakt: kuma-gerstenberg.de, kontakt@kuma-gerstenberg.de

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