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Puppenspieler Björn Langhans verlässt nach 13 Jahren das Theater des Lachens.

Theater des Lachens
Von der Oder an die Spree - Puppenspieler Langhans verlässt Theater des Lachens

Gutes Team: Björn Langhans und "Der gestiefelte Kater", eine Koproduktion vom Theater des Lachens mit dem Kleist Forum. Jetzt wechselt Puppenspieler Langhans nach Berlin.
Gutes Team: Björn Langhans und "Der gestiefelte Kater", eine Koproduktion vom Theater des Lachens mit dem Kleist Forum. Jetzt wechselt Puppenspieler Langhans nach Berlin. © Foto: michael benk
Stephanie Lubasch / 21.12.2019, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) Mal kraftvoll und tiefgründig, mal poetisch und feinsinnig, dann wieder hemmungslos albern: Wenn Björn Langhans die Puppenbühne im Theater des Lachens betritt, können Kinder und Erwachsene  gleichermaßen sicher sein, dass er sie für wenigstens eine Stunde mitnimmt in eine andere, magische Welt.  Dort bauen Ritter Burgen, jagen Wölfe Geißlein und manchmal auch den Peter, suchen Meerjungfrauen ihren Prinzen und Hamlet den Mörder seines Vaters. Oder aber die vier toten Freunde von Miss Sophie nach dem Grund ihres Ablebens…

Schlussakt am Silvesterabend

Wenn das Theater in der Ziegelstraße am letzten Dezembertag das alte Jahr mit seinem traditionsreichen "Dinner for One" verabschiedet, wird es für Langhans ein doppelter Abschied sein. Ab 1. Januar 2020 ist er nach 13 Jahren nicht mehr Mitglied des Ensembles. Im Weiten Theater Berlin, seit Langem Kooperationspartner der Frankfurter Bühne, hat er die Chance, noch einmal eine andere Richtung einzuschlagen – nicht nur als Puppenspieler und Regisseur, sondern als künstlerischer Leiter.

Nun selbst verantwortlich zu sein für Projekte, Probleme anzugehen und sich an vorderster Front für ein Haus einzusetzen, darauf freut sich Langhans. Auch, wenn ihm der endgültige Wechsel von der Oder an die Spree nicht leicht fällt. "Vor allem die Kollegen hier", sagt er, "werde ich vermissen. Den schönen großen Saal. Und das geschulte erwachsene Publikum."

Seit 2007 ist der Berliner an der Bühne in den Gerstenberger Höfen engagiert. Gleich nach seinem Studium an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" hat er dort als Puppenspieler laufen gelernt. Zu dieser Kunst gekommen ist er auf Umwegen. "Ich wusste zwar schon als kleines Kind, dass ich auf die Bühne möchte", erzählt er. Gemeint war aber eher die Schauspielbühne. Nach ersten Versuchen in Schultheatergruppen, landete Langhans Mitte der 90er-Jahre schließlich in einer Gruppe, die sich am Weiten Theater, der Puppenspielbühne an der Parkaue in Berlin-Lichtenberg,  gründete – Regisseur ihrer ersten Produktion: sein heutiger Chef Torsten Gesser. Die Idee, selbst die Puppen tanzen zu lassen, ließ bei Langhans dennoch auf sich warten. "Ich sah Torsten zu und konnte mir nicht vorstellen, das auch zu können", sagt er.

Erst nach mehreren Absagen von Schauspielschulen und mit Gessers Zuspruch fasste Langhans den Mut, sich in Berlin für Puppenspiel zu bewerben. Was erst als Notlösung schien, erwies sich dabei schnell als Hauptgewinn: "Ich wurde sofort genommen und wusste schon nach zwei Monaten: Das ist genau meins!"

Aus seinem Traum, nach dem Diplom mit seinen Studienkollegen ein großes Ensemble zu bilden, wurde dann zwar nichts. Dafür aber machte Gesser, mittlerweile Leiter des Theaters des Lachens, ihm das Angebot, nach Frankfurt zu kommen.

Ein guter Einstieg für den Absolventen. "Alle haben mich sehr offen aufgenommen", erinnert sich Langhans. Mit "Medea" ging es für ihn los, später folgte "Frau Holle" als erstes Kinderstück. Unzählige sind seitdem gefolgt, zuletzt "Der gestiefelte Kater" als weihnachtliche Koproduktion mit dem Kleist Forum. Fragt man ihn nach seinen puppenspielerischen Höhepunkten, erzählt er wiederum zuerst von "La Luna", dem deutsch-polnischen Sommertheaterprojekt, das 2018 auf dem Ziegenwerder seine Premiere feierte und zu dem er selbst die Idee lieferte. "Das war ein bisschen wie in meinem Traum: viele Puppenspieler, die zusammenarbeiten." Auch "Der große Zauberer und der kleine Hase" von Regisseurin Astrid Griesbach, in dem er mit Christine Müller, die ebenfalls zum Team des Weiten Theaters gehört, auf der Bühne steht, ist eine seiner Lieblingsinszenierungen. Und das vielfach prämierte Traumspiel "Don Quijote", mit dem die Frankfurter selbst im Ausland immer wieder für begeisterte Reaktionen sorgen.

Mit der Pendelei ist es vorbei

Aus dem Repertoire des Theaters des Lachens wird Langhans also nicht so schnell verschwinden. Und wer weiß: Vielleicht wird die Verbindung beider Häuser jetzt ja sogar noch enger?

Mit der ständigen Pendelei zwischen Berlin und Frankfurt allerdings, das für ihn 13 Jahre lang ein zweites Zuhause war, ist für den Puppenspieler  jetzt erst einmal Schluss. Zum Glück, denn so bleibt endlich mehr Zeit für seinen kleinen Sohn. Die Atmosphäre an der Oder im Frühjahr und im Sommer, sagt Langhans, sei es, was er an der Stadt selbst wohl am meisten vermissen werde. "Auch wenn die Frankfurter selbst das meist nicht merken: Sie ist sehr speziell. Alle sind plötzlich draußen – das ist ein Gefühl, als wenn der Ort kurz aufwacht."

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