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Ausgesetzte Welpen
Tierheim-Leiterin in Werbellin: "Das geht gar nicht!"

Der Fall der ausgesetzten acht Welpen beschäftigt auch Karin Nicodem, die das Tierheim Werbellin leitet.
Der Fall der ausgesetzten acht Welpen beschäftigt auch Karin Nicodem, die das Tierheim Werbellin leitet. © Foto: Karin Nicodem
Sven Klamann / 13.02.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 13.02.2020, 08:36
Eberswalde (MOZ) Selbst nach 29 Jahren als Betreiberin des Tierheims im Schorfheider Ortsteil Werbellin macht es Karin Nicodem immer noch wütend und betroffen, wenn sie von Haltern erfährt, die ihren Hunden, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen ... nicht gut tun.

"Verstöße gegen den Tierschutz müssen nicht zwangsläufig von Boshaftigkeit zeugen", sagt die Tierheim-Leiterin. Auch Unwissenheit oder Überforderung könnten Tierquälereien nach sich ziehen. "Es gibt sehr verantwortungsbewusste Züchter. Aber es gibt auch immer wieder Besitzer von Hündinnen, die sich unvorbereitet in das Abenteuer Welpen stürzen", betont Karin Nicodem, die sich nicht anmaßt, die Gründe dafür zu kennen, dass am Freitag voriger Woche auf einen Schlag acht Welpen in die Obhut des Veterinäramtes der Barnimer Kreisverwaltung gelangt sind.

Über das traurige Schicksal der vermutlich erst Anfang Februar geborenen Hunde, deren Mutter eine Boxerhündin, ein Boxer- oder auch Staffordshire-Mischling sein könnte, wird in Eberswalde und in den sozialen Netzwerken viel geredet.

Tierärzte können helfen

"Wer eine tragende Hündin betreut, braucht vor allem Sachkunde", sagt die Leiterin des Tierheims. Erfahrene Züchter könnten eine gute Anlaufstelle sein – und der Tierarzt des Vertrauens, der ja sowieso benötigt werde, falls zum Beispiel Geburtshilfe geleistet oder gar ein Kaiserschnitt vorgenommen werden müsse. "Auch die Welpenbetreuung, so bei Wurmkuren, Impfungen oder beim Implantieren von Mikrochips, verlangt nach einer engen Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Züchter", hebt Karin Nicodem hervor. Mancher Besitzer von Hündinnen sei auch überrascht von der eventuell hohen Welpenzahl. Bei mittelgroßen Rassen seien acht und mehr Junge nicht ungewöhnlich. Und schäferhundgroße Hündinnen könnten durchaus 12 bis 14 Junge gebären. "Da kann aus Welpenlust schnell Welpenfrust werden", urteilt die Tierschützerin, die im Tierheim Beratungen bereits vor der Planung eines Wurfes und notfalls auch "Hebammendienste" anbietet, von denen aber wenig Gebrauch gemacht werde.

Ausgesetzte Saugwelpen habe sie bisher nur bei Katzen erlebt, andere Notfälle seien hingegen häufiger zu beklagen. So sei der Schäferhundmischling Anka hochtragend bei einem Tierarzt "abgegeben" worden. Der Pitbullmix Kessi sei in einer Wohnung zurückgelassen worden, die zwangsgeräumt werden sollte. "Zehn Tage war die Hündin dort unversorgt sich selbst überlassen", blickt Karin Nicodem zurück. Als das Tier endlich gerettet werden konnte, hatten die Wehen bereits auf dem Weg ins Tierheim eingesetzt. Der erste Welpe sei keine Stunde später geboren worden. "Und da gab es noch eine kleine Hündin, die mit ihren Welpen in der Dusche eingesperrt wurde", erinnert sich die Leiterin des Tierheims. Die Besitzerin habe dies damit begründet, "dass die Tiere ihr sonst trotz Strafe die Wohnung vollpinkeln würden".

Auch an Dolly denkt die Tierschützerin mit Schaudern zurück. Die mittelgroße Hündin sei von ihrem Besitzer kurz vor dem Werfen ausgesetzt worden.

Mit Welpenpflege überfordert

Aber es habe auch andere Notfälle gegeben "Da hatte eine Hündin nach der Geburt keine Milch – spätabends stand die verzweifelte Halterin vor der Tür. Keiner der kontaktierten Tierärzte hatte Kunstmilch vorrätig – wir schon", sagt Karin Nicodem, die sich auch an eine Züchterin erinnert, deren Hündin so schwer erkrankte, dass sie die neugeborenen Welpen nicht annehmen konnte und wollte. "Da die Frau aber zur Arbeit musste, gab sie die Welpen ins Tierheim. Dort wurden sie dann alle vier Stunden mit der Flasche gefüttert und versorgt, lernten mit drei Wochen das Selbstfressen und konnten nach einer aufreibenden, aber auch schönen Zeit mit neun Wochen vermittelt werden", sagt die Leiterin des Werbelliner Tierheims.

"Hunde, wenn es schwierig wird, einfach auszusetzen – das geht gar nicht. Und Saugwelpen von der Mutter zu trennen – das ist durch keine noch so große Notlage zu rechtfertigen", lautet das Fazit von Karin Nicodem.

Kommentatoren reagieren durchweg entsetzt

Die acht Welpen, um die sich seit Freitag das Barnimer Veterinäramt kümmert, sind noch zu jung, um vermittelt zu werden. Doch die Behördenmitarbeiter freuen sich über die starke Nachfrage und merken Interessenten vor. Die Rufnummer lautet 03334 214600.Auf Facebook nehmen zahlreiche Kommentatoren am Schicksal der Welpen Anteil. "Was ist nur aus den Menschen geworden. Mir wird schlecht und ich bin wütend zugleich", heißt es da. "Wie traurig. Gott sei Dank, dass die Tiere gerettet worden sind", lautet ein weiterer Post. Oder "Das ist doch alles nicht mehr normal".Die Hintergründe des aktuellen Falls sind noch nicht abschließend geklärt.⇥sk

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